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1. Die Lande Braunschweig und Hannover - S. 38

1871 - Hannover : Klindworth
38 zurmündungdeszuydersees und W estfrie s la nd bis zumsink- fal, einem jetzt zugedeichten Meerbusen an der Mündung der Wester- schelde. Die Sprache der Friesen unterschied sich von der der benachbarten Sachsen nicht bloß durch mancherlei Wortstämme, die dem Sächsischen fehlen, sondern auch durch besondere Eigentümlichkeiten der Grammatik. Als Beispiel derselben diene eine der 17 Küren d. h. der Grundrechte der Friesen, wie solche ums Jahr 1200 niedergeschrieben sind. Wir theilen sie im Dialekte des Emslandes mit. Thetistiu tiandekest, thet Fresa ne thuruen nene herefert firer fara sa aster tore Wisere and wester to tha Fli, be thiu thet hia hira lond bihelde wither thet hef and wither thenehethenahere. Tha badthi kenenk Kerl, thetthia firra thahereferd fore, aster til Hiddes- eckere ande wester til Cinkfallum. Tha bihelden hit tha liude wither thene kenenk, thet hia nene here- ferd firra fara ne thorste sa aster til there Wisere and wester to tha Fli. Thruch thet sa scelen alla Frisa fon tha Nordliuthem fri wesa. Das ist die zehnte Kür, daß [die] Friesen nicht brauchen keine Heerfahrt weiter [zu] fahren, als ostwärts zur Weser und westwärts zu dem Fli, bei dem (b. i. darum), daß sie ihr Land behalten (d. i. behaupten) wider das Meer und wider die heidnischen Heere. Da bat sie König Karl, daß sie weiter die Heerfahrt führten, ostwärts bis Hitzacker und westwärts bis Sinkfal. Da behielten es die Leute gegen den König, daß sie keine Heerfahrt weiter [zu] fahren nicht durften (b. i. gebrauchten), als östlich bis zu der Weser und westlich bis zu dem Fli. Durch das so sollen alle Friesen von den Nordleuten frei fein (d. h. so soll es den Friesen möglich wer- den, sich der Normannen zu erwehren). Wir theilen außerdem ebenfalls im Emsländischen Dialekte ein Bruchstück aus den 24 Landrechten mit, die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts verfaßt sind. Im zweiten Landrechte wird der Mutter verboten, das Gut ihrer Kinder zu verkaufen, indes sollen einige Fälle davon eine Ausnahme machen. Es heißt: Thiu forme ned istet: sa huer sa ther en kind efend se, end efiterad werth north ur hef ieftha suther iuur berch; samotthiu moder hire kindes erue setta and sella, and hire kind lesa and thes liues helpa. Thet istiu other ned: iefter erge ger wer that and grate hungherger, and thet bern hungher sterua welle, sa mot thiu moder hire bernes erue setta and sella, and capia him ther inithe cu and corn, theth hiuhim thes liues behelpe. Thiu tredde ned isted: alder thet bern is stocnaked iefta huslas, and hit se thine calda win- ther and thiu neilthiusterenacht, so Die erste Noth ist das: so irgend- wo ein Kind gefahndet (d.i. gefangen) sein mag und gefesselt wird nordwärts über [das] Meer oder südwärts über Berg; so muß die Mutter ihres Kindes Erbe versetzen und versellen (d.i. verkaufen), und ihr Kind lösen und des Leibes helfen. Das ist die andere Noth: oder arges Jahr wäre es und großes Hungerjahr, und [wenn] das Kind Hungers sterben wollte, so muß die Mutter ihres Kindes Erbe versetzen und versellen, und kaufen ihm damit Kuh und Korn, daß sie helfe. Die dritte wenn das Kind ist hauslos, und es sähe ter und Leibes ihm des Noth ist das: stocknackend oder den kalten Win- die nebeldüstere Nacht, so mot thiu moder hires bernes erue muß die Mutter ihres Kindes Erbe setta and sella, and capia hus and versetzen und versellen, und kaufen Haus und clathar. Kleider. Diese Sprache hat aber im 16. Jahrhundert allmählich dem Platt- deutschen weichen müssen. In der Resormationszeit namentlich wurden
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