1868 -
Wesel
: Bagel
- Autor: Vormbaum, Friedrich
- Auflagennummer (WdK): 15
- Sammlung: Geschichtsschulbuecher vor 1871
- Schultypen (WdK): Volksschule
- Schultypen Allgemein (WdK): Niedere Lehranstalten
- Bildungsstufen (OPAC): ISCED 2 – Sekundarstufe 1, Klassen 5/6/7 – 8/9/10
- Schulformen (OPAC): Volksschule
- Regionen (OPAC): Preußen
- Inhalt Raum/Thema: Vaterländische Geschichte
- Geschlecht (WdK): koedukativ
- Konfession (WdK): Konfessionell gemischt
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welcher die Preußen in den Rhein stürzen sollte, entgegengcschickt,
war er mit allen seinen übrigen Soldaten weiter gezogen.
Bald kamen Boten über Boten von Thielcmann und baten
um Hülfe, denn die Franzosen hatten die Preußen bei Wawre
angegriffen; doch Blücher sprach: „Thielemann muß sich wehren!
Wir Alle gehen vorwärts." Nach langem Zuge durch schlechte Wege,
durch Wasser und Schlamm kamen endlich gegen 4 Uhr Nachmittags
die Regimenter an ihren rechten Platz. Sogleich ging es auf die
Feiude loö. Diese erschraken nicht wenig. Ein Offizier jagte
nach Napoleon und chrachte die Nachricht: Die preußische Armee
ist da. Der Kaiser wurde todtenblaß und besaht, Soldaten über
Soldaten gegen die Preußen zu schicken. Er selbst ries seine Garden.
Mit ihnen wollte er schnell die Reihen der Engländer durchbrechen
und so noch den Sieg erjagen; aber Wellington schlug nicht nur
den Sturm zurück, sondern rückte nun auch mit den Seinen vor-
wärts. Bald bekam er ein sehr leichtes Spiet. Die Preußen hatten
tapfer angegriffen, Alles vor sich nicdergeworfen, die Dörfer gewonnen
und die Franzosen auseinander gejagt. Diese stoben nach allen
Seiten davon. „Es rette sich, wer da kann; rettet die Adler!" schrie
man, und alle Ordnung löste sich auf. Kanonen, Wagen, Gepäck,
Alles ließen sie im Stiche.
Napoleon sah mit grimmigem Blicke in diese Verwirrung. Er
wollte die Fliehenden zurückhalten, — vergeblich; er jagte mitten
in das feindliche Gewehrfeuer, als suche er den Tod, doch ihn traf
keine Kugel. Einer seiner Generale rief ihm zu: „Schonen Sie
sich! Sind die Feinde nicht schon glücklich genug?" — aber
er hörte nicht daraus. Plötzlich hielt er still, rief: „Es ist Alles
verloren!" wendete sein Pferd und sprengte quer über das Feld
weg in wilder Flucht.
49. Napoleon flieht und wird verfolgt.
Die französische Armee war nicht nur geschlagen, sondern rein
ans einander gesprengt. Das schreckliche Gewirr drängte den Kaiser
in den Obstgarten eines Meierhofes. Hier trafen ihn zwei Garde-
reuter und brachten ihn nach dem Städtchen Genappe. Dort standen
seine Wagen. Müde von der entsetzlichen Anstrengung warf er sich
hinein, um ein wenig zu schlummern. Er sollte aber sehr unsanft
geweckt werden. Blücher und Wellington trafen sich am Abend noch
ans der Meierei La Belle Alliance und freuten sich ihres herrlichen
Sieges. „Wir müssen die Feinde tapfer verfolgen," rief der alte
Blücher, „denn jagen wir sie nicht die ganze Nacht hindurch, so
haben wir sie morgen wieder auf dem Halse." Nun setzten sich die
Preußen in Bewegung. Der General Gneisenau übernahm die An-