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1. Staats- und Volkswirtschaftslehre - S. 102

1906 - Halle a.S. : Schroedel
102 [«20] Die stärksten und reichsten Sippen und solche, die sich ausgezeichnet hatten, genossen ein höheres Ansehen und besonderes Vertrauen, — die Taten ihrer Angehörigen wurden in Sage und Lied verherrlicht, die Geschlechter selbst als alt und heilig angesehen. Sie galten als Adel, unterscheiden sich indes von der Hauptmasse des Volkes, den Gemeinfreien, weder rechtlich noch sozial. Ohne Recht sind die Un- sreien, Kriegsgefangenen und Unterworfenen: doch hat sich ihre Stellung tatsächlich erträglich, wenn nicht gar freundlich gestaltet. Das gilt von den Freigelassenen, nämlich den Liten oder Laten, die wahrscheinlich teilweise die sich freiwillig unterworfene Urbevölkerung darstellen. Aus dem Adel werden die Vorsteher der Gaue (prin- cipe«), die Richter und die Herzöge, d. i. die Heerführer genommen; wird ihre Stellung eine dauernde, so entsteht wie bei den Ostger- manen (des. den Goten) das Volkskönigtum. Träger der Staats- gewalt, insbesondere bei grundlegenden Entscheidungen, wie z. B. Krieg oder Frieden, und bei der Gesetzgebung ist indes die Land- gemeinde, die aus den waffentragenden Gemeinfreien besteht: sie versammelt sich mehrmals im Jahr zur Neu- oder Vollmondszeit als Ding, auch Volksding genannt. Wie schon angedeutet wird die Völkerschaft im Kriege von Herzögen oder Königen, der Gau oder die Hundertschaft vom Prinzeps, dem Fürsten, geführt, während die Dingberechtigten den Heerbann bilden. Eine Art Kriegsschule be- deutete die Gefolgschaft, bei der gewaffnete Männer, vor allem die adlige Jugend, sich einem Heerführer zum Kriegs-, meist wohl Beute- zug durch Treueid eine Zeit lang verpflichteten. Leichtere Rechtsfälle werden innerhalb des Gaues durch Rechtsspruch entschieden. Ver- brechen gegen die Gottheit kommen vor das Ding, das bei schweren Vergehen auf besondere Anrufung hin wohl über die Schuldfrage oder Höhe der Strafe (Buße, Wehrgeld) entscheidet, nicht aber selbst die Sühne übernimmt. Sonst tritt bei schwerem Frevel, wie Tot- schlag, Ehrverletzung usw. die Selbsthilfe ein, welche in Form des Fehderechts vonseiten der Sippe ausgeübt wird. Doch war der Weg der Buße möglich; weigerte jemand ihre Leistung, so trat der Zustand der Friedlosigkeit, d. h. der Ausstoßung aus Staat und Sippe, und Vogelfreiheil ein. Der Grund und Boden ist Eigentum des Gaues. Zur Zeit Cäsars (vgl. § 18e) erhielt jede Sippe jährlich wechselnd einen Teil zur Nutzung, zur Zeit des Tacitus hat jede Sippe ihre Feldmark dauernd in Besitz, jedoch bekommen die Familien jährlich wechselnd je einen Teil des Ackerlandes, während Wald, Weide, Wasser als sogenannte Allmende, Gemeinbesitz bleibt: die Hofstätte dagegen ist Privateigentum. Auf diese Weise entsteht die Markgenossenschaft, die namentlich in Mittel- und Norddeutschland heimische und sich von dort weiter verbreitende „volkstümliche deutsche Siedelung". Sicher läßt sich indes nicht entscheiden, ob diese Siedelung damals in Form von Dörfern oder einzelnen Gehöften bestand. Der' Ackerbau
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