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1. Unsere Heimat - S. 15

1914 - Halle a.d.S. : Schroedel
— 15 — erfährt man durch die Zeitung. Die Kinder lesen lieber ein Märchen- buch oder in einem andern Buche. Und sie haben recht. In der Zeitung stehen so manche Dinge, die sie doch noch nicht verstehen. Jeden Mittag kann man Leute vor der Ausgabestelle der Zeitung stehen sehen; sie warten darauf, daß die Zeitung fertig ist. Endlich wird die neue Nummer gebracht und draußen an die Tafel geklebt. Nun stellen die Leute sich davor und lesen besonders die Anzeigen. Sie suchen nach Arbeitsstellen, die in der Zeitung ausgeschrieben werden. Bald kommen auch Frauen aus der Tür; sie tragen in den Armen große Packen Zeitungen, die sie den Lesern oder Bestellern (Abonnenten) der Zeitung ins Haus bringen. Nach auswärts wird die Zeitung mit der Post geschickt. 4. Der Königshos liegt hoch; die Straße westlich davon, der Neue Weg, liegt viel tiefer. Eine Treppe mit zahlreichen Stufen führt vom Köuigshof hinunter nach dem Neuen Wege; die Treppe heißt die Kutteltreppe. Mit „Kutteln" bezeichnete man früher die Gedärme der Tiere, namentlich solcher Tiere, die man schlachtete. In älterer Zeit wohnten am Fuße der Treppe, nach dem Lohmarkte zu, Fleischer; in dem Mühlgraben reinigten sie die Därme, die sie zum Wurstmachen benutzten. Daher erhielt die Treppe, die nach den Häusern der Fleischer hinunterführte, den Namen die „Kutteltreppe". Ebenso hieß in andern Orten der Schlachthof wohl der „Kuttelhos". Andere Treppen, die nach dem Neuen Wege hinunterführen, sind die Johannistreppe und die Wassertreppe. Die Treppen waren in älterer Zeit besonders wichtig für die Versorgung der Oberstadt mit Wasser aus dem unten fließenden Mühlgraben. 10. Der Markt und das Rathaus. 1. „Markt" heißt der Platz südlich und westlich vom Rathause. Er liegt ziemlich in der Mitte der Stadt. Seinen Namen hat er da- her, weil hier Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Wochenmarkt abgehalten wird. An diesen Tagen kann man hier allerlei Nahrungs- mittel, Blumen, Töpfe usw. kaufen; zu beiden Seiten der Straße sitzen die Verkäufer und Verkäuferinnen und halten ihre Waren feil. Vor Weihnachten wird hier auch der Weibnachtsmarkt abgehalten; dann sind hier Buden aufgeschlagen, in denen Spielwaren, wärmende Kleidungs- stücke, Pfeffernüsse und allerlei Küchen- und Hausgeräte zum Verkauf ausgelegt sind. In früherer Zeit wurden hier auch die beiden Jahr- Märkte abgehalten. — Durch welche Straßen müßt ihr von unserer Schule aus gehen, um nach dem Markt zu kommen? Von eurer Wohnung aus? 2. Das größte Haus am Markt ist das Rathaus. Es ist auch das wichtigste der ganzen Stadt, denn von hier aus wird die Stadt regiert. Hier arbeiten die höchsten Beamten der Stadt, der Oberbürger-

2. Unsere Heimat - S. 24

1914 - Halle a.d.S. : Schroedel
— 24 — reichen von dem Friedrich-Wilhelms-Platz bis zur Wallrothstraße. Außer- dem sind noch am Geiersberg schöne Anlagen. Unsre Promenade ist eine Zierde der Stadt und die Freude jedes Nordhäuser Bürgers. Hier sind herrliche Blumenbeete, grüne Rasenflächen und schöne Baum- gruppen. Gutgepflegte Wege führen zwischen ihnen hindurch. In der Mitte steht ein plätschernder Springbrunnen. Nach den Seiten hin ist die Promenade mit dichten Ziersträuchern abgeschlossen, in denen sich gern die Vögel aufhalten. An den hohen Bäumen sind Nistkästen an- gebracht. Auf dem Rasen sieht man häufig die schwarze Amsel und die graue Singdrossel, wie sie Regenwürmer aus der Erde ziehen. Das größte Gebäude an der Promenade ist das neue Stadttheater. 2. An der Westseite der Promenade geht eine alte Mauer ent- lang. Das ist ein Stück von der Stadtmauer, die früher um die ganze Stadt herumging. Wir treffen sie noch an anderen Stellen der Stadt. Sie ging am Friedrich-Wilhelms-Platz vorbei, wo das Töpfertor durch sie hindurchführte. Die Mauer diente zum Schutze der Stadt. Zu ihrer Verstärkung war sie mit Türmen versehen, und vor ihr war ein breiter Graben angelegt. Auf der Promenade sieht man auch noch ein Stück dieses Stadtgrabens; ein großer Teil davon ist zugeschüttet. Am Ende des Grabens vor dem Eingang zum Stadttheater steht noch ein alter Turm, der wie der Zwinger auf dem Friedrich-Wilhelms-Platz mit zur Stadtbefestigung gehörte. Die graue Mauer, die überall durch das Grün der Bäume und Gesträucher hindurchsieht und die an einzelnen Stellen selbst mit Grün bewachsen ist, bildet für die Promenade einen schönen Hintergrund. Auf der Mauer stehen zierliche Häuschen, und zwischen ihnen schauen die Türme und die roten Dächer der Häuser aus der Stadt über die Mauer herüber und heben sich scharf gegen den hellen Himmel ab. Auch das sieht sehr schön aus. 3. Mit der Mauer schloß die alte Stadt ab; was jetzt hier außer- halb der Mauer liegt, gehört zum neuen Stadtteil. Die Promenade liegt also zwischen dem alten und dem neuen Stadtteil. Sie ist un- gefähr seit 1840 nach und nach angelegt. Die Gegend östlich der Promenadenstraße ist erst seit etwa 1870 bebaut. Nördlich von der Promenade ist das Haus Wallrothstraße 4 das bemerkenswerteste. Es ist von Dr. Kramer erbaut und wird daher auch wohl noch heute die Kramersche Villa genannt. Dr. Kramer (geb. 1817 in Nordhausen) war Lehrer am hiesigen Gymnasium. Er beschäftigte sich viel mit elektrischen Versuchen und erfand (um 1845) einen Telegraphenapparat, der bald von den meisten norddeutschen Eisenbahnverwaltungen eingeführt wurde. Außerdem erfand er ein Eisenbahnläutewerk und eine elektrische Uhr. Inzwischen hatte Kramer seinen Lehrerberuf aufgegeben und war nach Berlin gezogen, um sich ganz seinen Erfindungen widmen zu können. Als aber die meisten deutschen Eisenbahn- und Telegraphenlinien mit den Kramerschen Appa- raten ausgerüstet waren, zog er von dem geräuschvollen Berlin nach

3. Unsere Heimat - S. 26

1914 - Halle a.d.S. : Schroedel
— 26 — Luise. Er war der zweite Sohn des Königspaares und konnte daher nicht darauf rechnen, einmal König zu werden. Darum erwählte er sich den militärischen Beruf und wurde mit Leib und Seele Soldat. Als aber sein Bruder, König Friedrich Wilhelm Iv. (nach dem unser Friedrich-Wilhelms-Platz benannt ist) starb und keine Kinder hinterließ, wurde Wilhelm I. König von Preußen (1861). Kaiser Wilhelm liebte die blaue Kornblume über alles. Als er einmal gefragt wurde, warum er das einfache Blümchen so gern habe, erzählte er: „Als ich noch klein war und meine liebe Mutter noch lebte, mußten wir einmal in dem Kriege, den Preußen mit dem Kaiser Napoleon führte, fliehen. Die Mutter war sehr traurig und weinte oft. Da brach plötzlich auf einem Feldwege, mitten zwischen Kornfeldern, ein Rad des Wagens. Wir mußten einige Stunden warten, bis der Schmied das Rad geflickt hatte. Inzwischen suchte ich mit meinen Geschwistern Kornblumen, um uns die Zeit zu vertreiben. Die Mutter band einen hübschen Strauß daraus, aber bald liefen ihr die Tränen über die Wangen. Das schnitt mir tief ins Herz, und den Augenblick kann ich nie vergessen. Wenn ich nun eine Kornblume sehe, so denke ich an mein gutes Mütterchen. Darum habe ich die Kornblumen so lieb." Im Jahre 1871, als König Wilhelm I. schon fast 74 Jahre alt war, wurde er der erste deutsche Kaiser. Er hat ein sehr hohes Alter erreicht; noch 17 Jahre hat er die deutsche Kaiserkrone getragen. Seine letzten Lebensjahre wurden sehr getrübt, da sein einziger und geliebter Sohn, der Kronprinz Friedrich Wilhelm, von einer sehr bösen Hals- krankheit heimgesucht wurde. Am 9. März 1888 ist Kaiser Wilhelm I. gestorben. Alle Deutschen betrauerten ihn tief. Da auch sein Sohn, Kaiser Friedrich Iii. noch in demselben Jahre starb, hat das Jahr 1888 drei deutsche Kaiser auf dem Thron gesehen. 16. Der Spendekirchhof. 1. Wir besuchen den Spendekirchhof. Das ist ein freier Platz zum Spielen und Turnen. Hier steht die Turnhalle für die Knaben- Mittelschule. Aber weshalb heißt der Platz „Spendekirchhof"? Wir sehen hier keine Kirche und kein Grabkreuz mehr; aber früher war hier eine Kirche, sie stand gleich rechts neben dem Haupteingange (durch das Torhäuschen); links davon haben sich noch Überreste eines Nebengebäudes, vielleicht einer Kapelle, erhalten. Von der Kirche ist nichts mehr vor- Händen; sie ist 1805 gänzlich abgebrochen. Der Platz hinter der Kirche bis an die Stadtmauer hin ist lange Zeit (bis 1855) als Friedhof für die Kirchengemeinden St. Nikolai und St. Blasii benutzt. Ehe der Platz zu einem Spiel- und Turnplatz eingerichtet wurde, waren noch die Gräber zu sehen, und auf vielen standen noch Grabsteine mit Inschriften.

4. Unsere Heimat - S. 4

1914 - Halle a.d.S. : Schroedel
_ 4 — 1. Von der Heimat und den Dingen in der Heimat wollen wir reden. Die Heimat ist für einen Menschen der Ort, wo er geboren ist, wo er seine Jugend verlebt hat. Wenn ihr bei euren Eltern, bei euren Geschwistern weilt, seid ihr daheim. Das Haus, in dem ihr mit Vater und Mutter zusammen wohnt, ist euer Vaterhaus oder euer Heim. Jedes Kind ist am liebsten daheim. Aber manchmal muß es doch für einige Zeit das Vaterhaus verlassen. Vielleicht besucht es seine Ver- wandten, oder es geht in eine Sommerfrische, ins Gebirge oder an die See. Gewiß kommt ihm dann bei der Abreise das Lied in den Sinn: „Nun ade, du mein lieb Heimatland!" Muß es lange an dem fremden Orte bleiben, so bekommt es wohl Heimweh wie Hänsel und Gretel. Dann wird es traurig und denkt nur immer an die Heimat und an die Lieben daheim. Und wie glücklich ist es, wenn es die Heimreise antreten kann und endlich wieder heimkehrt. Ja, die Heimat ist jedem Menschen der liebste Ort. 2. Viele Menschen verlassen ihre Heimat und suchen anderswo ihren Lebensunterhalt. Die Beamten werden versetzt, manchmal öfter hintereinander und kommen in verschiedene Gegenden. Dann finden sie dort, wo sie wohnen, eine neue Heimat, und bald fühlen sie sich auch hier ganz heimisch. Viele von euren Eltern werden in Nordhausen ihre neue Heimat gefunden haben; ihr aber, die ihr hier geboren seid oder doch eure Jugend verlebt, habt hier eure erste, richtige Heimat, ihr seid hier einheimisch; Nordhausen ist eure Heimatstadt. Manche Menschen wandern in der Welt umher und haben nirgends eine Heimat; sie sind heimatlos, denkt z. B. an die Zigeuner, auch an die fahrenden Künstler oder an die Landstreicher. Sie sind gewiß zu bedauern. Wie glück- lich ist doch der, der noch sagen kann: ich gehe nach Hause! Wie traurig mag es aber wohl für den sein, der sagen muß: ich habe keine Heimat mehr! 3. Die Heimat kennt ihr alle, aber ihr kennt sie noch nicht ge- nan; es gibt vieles in der Heimat, was ihr noch nicht kennt. Am besten kennt ihr das Haus, wo ihr wohnt, euer Elternhaus; denn dort seid ihr die meiste Zeit. Aber nach dem Elternhaus ist die Schule der Ort, wo ihr den größten Teil des Tages zubringt. Darum soll die Schule eure zweite Heimat sein; hier sollt ihr euch ebenso heimisch fühlen wie daheim. Deshalb müßt ihr auch die Schule und ihre Um- gebung genau kennen lernen. Aber auch die wichtigsten Straßen, Plätze, Häuser, Denkmäler und Anlagen eurer Heimatstadt müßt ihr kennen und von den Bewohnern und ihrer Beschäftigung müßt ihr erzählen können. Ebenso soll euch die Umgebung der Stadt bekannt werden. Was man weiß, von dem hat man Kunde; darum heißt die Unterrichts- stunde, in der wir die Heimat kennen lernen, Heimatkunde.

5. Unsere Heimat - S. 6

1914 - Halle a.d.S. : Schroedel
— 6 — dreht. Das ist die Windfahne. Manchmal sind darunter noch vier feststehende Arme, die genau nach den Himmelsrichtungen zeigen und mit den Buchstaben 0, S, W, N" versehen sind. Von dem Winde hängt meist das Wetter ab; deshalb heißt die Fahne auch Wetter- fahne. Häufig ist sie wie ein Hahn geformt; an dem haben die Menschen von jeher ihre Freude gehabt. Sie haben ihn sich lebendig gedacht, ganz so wie ein Hahn aus dem Hofe, ja sogar menschliche Sprache und menschliches Empfinden haben sie ihm beigelegt. So läßt der Dichter einen solchen Turmhahn sprechen: „Hundert und dreizehn Jahr ich stand auf dem Kirchturm ein guter Hahn, als ein Zierat und Wetterfahn. In Sturm und Wind und Regennacht Hab ich allein das Dorf bewacht. Manch falber Blitz hat mich gestreift, auch manchen lieben Sommertag, da man gern Schatten haben mag, hat mir die Sonne unverwandt auf meinen goldigen Leib gebrannt. So ward ich schwarz für Alter ganz und weg ist aller Glitz und Glanz." 3. Zeichnet man die vier Haupt- und die vier Nebenhimmels- richtnngen auf, so bilden die Linien einen achtstrahligen Stern. Das ist eine Windrose. 4. Wir zeichnen die Windrose auf die wagerecht liegende Wand- tafel (die obere Kante ist nach Norden gerichtet). Wenn die Tasel wieder aufgerichtet ist, sehen wir: Nach oben ist auf der Tafel Norden, nach unten ist Süden, nach rechts ist Osten und nach links Westen. 5. Eine Wetterfahne zeichnen, aus Papier schneiden, aus Ton formen! 6. Beobachten der Windrichtung an der Wetterfahne und am Rauche! Das Zurechtfinden in einer Gegend oder das Bestimmen der Lage eines Gegenstandes nach den Himmelsrichtungen heißt orien- tieren (Orient 1= Osten). 4. Unser Schulhalls. 1. Das 'Haus, in dem ihr mit euren Eltern wohnt, ist ein Wohnhaus. Zum Bewohnen ist es besonders eingerichtet. Das Haus, in dem wir uns jeden Wochentag versammeln, ist ein Schulhaus. Dazu ist es besonders gebaut. Wenn wir durch die Haustür in das Schul- haus treten, kommen wir in den Flur oder den Gang (Korridor). An dem Gang liegen die Klassenzimmer. Meßt die Länge und Breite des Ganges! Stellt die Zahl der Klassenzimmer auf diesem Gange fest!

6. Unsere Heimat - S. 7

1914 - Halle a.d.S. : Schroedel
— 7 — 2. Unser Schulhaus hat mehrere Stockwerke oder Geschosse. Wenn wir in das Schulhaus eintreten, kommen wir ins Erdgeschoß. Hier liegen gewöhnlich die Klassenzimmer für die untersten Klassen. Steigen wir eine Treppe hoch, so gelangen wir in den ersten Stock. Auch hier finden wir wieder Klassenzimmer. Wie viel? In größeren Schulen führt von hier eine Treppe in das zweite Stockwerk, wo wir wieder mehrere Klassenzimmer antreffen. Die letzte Treppe bringt uns auf den Boden, wo wir das Dach sehen können. 3. Außer den Klassenzimmern hat unser Schulhaus ein Rektor-, ein Lehrer-, ein Lehrerinnenzimmer, eine nzeichensaal, ein Physikzimmer, mehrere Lehrmittelzimmer und einen Saal (Aula). Von dem Erd- geschoß führt eine Treppe hinab in das Kellergeschoß; hier ist gewöhn- lieh die Wohnung des Schuldieners und die Heizungsanlage; auch werden dort Kohlen und Holz aufbewahrt. 4. Das Schulhaus wird von zwei Längs- und zwei Querwänden begrenzt. Von den beiden Längsseiten nennt man die Vorderseite auch die Front, die entgegengesetzte Seite heißt die Hinterseite. Die beiden schmalen Seiten nennt man auch die Giebelseiten. Gebt die Lage der Wände nach den Himmelsrichtungen an! Meßt die Länge und Breite des Schulhauses! Zeichnet die Giebelseite usw. des Schulhauses! Nach welcher Himmelsgegend sehen wir durch die Fenster unserer Klasse? In welche Klassen scheint die Sonne? Bestimmt die Lage der Aula, des Rektorzimmers! ö. Unser Schulhof. 1. Neben dem Schulhause ist der Schulhof. Er hat eine ....eckige Form. Er liegt auf der (Süd-) feite des Schulhauses. Gib die Grenzen nach den Himmelsrichtungen an! (Im N grenzt er an ... usw.) Aus dem Schulhof halten wir uns in den Pausen auf und spielen. Der Schulhof ist mit Kies bestreut. Meßt die Länge und Breite des Schulhofes! 2. Wenn es im Sommer lange nicht geregnet hat, wird der Kies aus dem Schulhofe sehr trocken. Beim Gehen, Laufen und Spielen wirbelt dann der Staub wie Wolken in die Höhe. Das Einatmen des Staubes ist aber schädlich für die Gesundheit. Darum wird der Schulhof dann vor den Pausen besprengt. Der Schuldieuer holt einen Schlauch herbei und schraubt ihn an die Wasserleitung. Wenn diese nun angedreht wird, spritzt das Wasser aus dem Schlauch heraus und befeuchtet den Boden. 3. Damit die Kinder sich an heißen und schwülen Tagen an einem Trunk kühlen Wassers erfrischen können, ist auf dem Schulhofe

7. Unsere Heimat - S. 11

1914 - Halle a.d.S. : Schroedel
— 11 — heiligen- auch die einzelnen Handwerke, die Kaufleute, Vereine und Gesellschaften hatten ihre Schutzheilige, zu denen sie beteten, denen sie in den Kirchen Altäre mit Wachskerzen darauf weihten und von denen sie Beistand erhofften, wenn sie in Not gerieten. Wie die St. Blasii- kirche (das Wort Sankt, abgekürzt St., heißt heilig), so hatte auch das Handwerk der Wagner den heiligen Blasius zu seinem Schutzheiligen erwählt und ihm in der Blasiikirche einen besonderen Altar gestiftet. Die Wagner wohnten früher alle in der Hagenstraße. Die Blasiistraße geht nach Osten in die Hagenstraße. Der Name „Hagen" (Hagen — Hain--Wald, auch das Wort „Gehege" hängt damit zusammen) weist darauf hin, daß früher der Wald bis hierher reichte, etwa vom Geiers- berge aus. Von der Blasiistraße nach Süden geht der Pferdemarkt. Der Name sagt uns, daß früher hier Pferde verkauft wurden. Die Pferdemärkte wurden in alter Zeit außerhalb der Städte abgehalten; der Name Pferdemarkt für unsere Straße stammt also noch aus einer Zeit, wo das Blasiiviertel noch nicht zu der eigentlichen Stadt gehörte, wenn hier auch schon einzelne Häuser gestanden haben mögen. lcl. Schule auf dem Petersberge. Von dem Schulhos geht die Straße „Petersberg" nach Norden zu. Sie führt bergab in die Weberstraße. Hier wohnten früher Weber, daher hat die Straße den Namen. Nordöstlich von der Schule liegt die Petrikirche, die dem ganzen Berge den Namen gegeben hat. Der Turm der Petrikirche ist der höchste Kirchturm Nordhausens, er ist etwa 65 m hoch. Ostlich von der Schule ist der Turnplatz. An dem Turnplatz geht die Sedanstraße vorüber. Die Fortsetzung der Sedanstraße nach Süden ist die Franenbergerstiege. Südlich vom Schulhofe geht die Stadtmauer vorüber, und da- hinter liegt der Nähmen. Westlich von der Schule geht die Schlunztreppe vom Petersberg nach der Rautenstraße. Wahrscheinlich ist der Petersberg, der weit ins Land hineinschaut, in alten Zeiten ein Versammlnngsplatz unserer Vorfahren gewesen. Hier wurde wohl auch das höchste Gericht für unsere Gegend abgehalten. Darauf deutet die Petrikirche hin. Denn häufig steht an dem Orte, wo früher Gericht gehalten wurde, eine dem Apostel Petrus geweihte Kirche. Man dachte dabei wohl an das Wort Jesu, das er zu Petrus sprach: Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben; alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein (Matth. 16, 19). Den Apostel Petrus sieht man gewöhnlich mit einem Schlüssel abgebildet. le. Schule an der Wiedigsbnrg. Der Name „Wiedigsbnrg" bedeutet wahrscheinlich „Weidenburg". In früherer Zeit waren zwischen der Zorge und dem Mühlgraben Teiche, an deren Ufern Weiden wuchsen. Ob hier aber eine Burg gelegen hat, davon ist nichts bekannt.

8. Unsere Heimat - S. 44

1914 - Halle a.d.S. : Schroedel
— 44 — 39. Der Stadtpark. 1. Der Stadtpark liegt nördlich von der Stadt zwischen der Zorge und der Kastanienallee, die an dem Mühlgraben entlang geht. Im Norden reicht er bis an das Kurhaus. In Verbindung mit der Kastanienallee und dem Hartmannsdamm bietet der Stadtpark herrliche Spazierwege. Die Kastanienallee, die aus Fahrdamm, Radfahrerweg und Fußweg besteht, wird von 3 Reihen großer Kastanienbäume eingefaßt (sie sind im Jabre 1836 gepflanzt) und ist namentlich im Sommer sehr belebt. Von ihr führen an verschiedenen Stellen Wege in den Stadtpark hinein. Dieser trägt seinen Namen mit Recht; denn ein Park ist ein Wäldchen, das dazu bestimmt ist, daß die Leute darin spazieren gehen und sich erholen sollen. Darum sieht der Stadtpark auch einem Walde ähnlich, der durch Wiesenflächen unterbrochen ist. Blumenbeete finden sich fast gar nicht, nur hier und da stehen auf den Rasenflächen einige passende Blumen. Desto mehr Wege durchziehen den Stadtpark nach allen Richtungen. Von den Bäumen fallen be- sonders alte, mächtige Schwarzpappeln, Erlen, hohe Bruchweiden und Traubenkirschen auf, alles Bäume, die einen nassen Standort lieben; dazwischen stehen allerlei Sträucher, wie Schneebeere, Schneeball, Horn- strauch und Geißblatt; von den Kräutern sind besonders Ehrenpreis und Scharbockskraut zu nennen, das große Flächen bedeckt. In dem Buschwerk nisten viele Vögel, und an den hohen Bäumen hängen Nist- kästen; besonders gibt es hier auch viele Nachtigallen. 2. Eine besondere Zierde des Stadtparks sind die Teiche. Das Wasser darin fließt nicht, sondern steht still; es ist an seiner Oberfläche glatt und eben. Die Bäume am Ufer spiegeln sich darin, und wir können uns darin wie in einem Spiegel sehen. Daher wird die Ober- släche des Wassers auch Wasserspiegel genannt. Wenn der Wind weht, ist der Wasserspiegel bewegt, dann sind Wellen auf dem Wasser. Stehende Gewässer heißen je nach ihrer Größe Pfütze, Lache, Teich oder Weiher und See. Pfützen und Lachen finden wir nach einem Regen auf unserm Schulhof und auf der Straße; Teiche oder Weiher sind im Stadtpark und auf einzelnen Dörfern in der Umgegend; Seen finden sich bei uns nicht. Die Teiche oder Weiher im Stadtpark werden vom Mühlgraben und vom Gumpebach gefüllt; sie haben einen Abfluß nach der Zorge hin. Auf dem oberen Teich ist ein Springbrunnen, der von der Wasserleitung aus getrieben wird. Die Teiche werden von Enten und Schwänen belebt, die gern von den Besuchern des Stadt- Parks mit Brot und Brötchenresten gefüttert werden. 3. In dem obern Teiche ragt mitten aus dem Wasser ein Stück Land hervor. Ein Land, das ringsum mit Wasser umgeben ist, heißt eine Insel; wenn es nur teilweise mit Wasser umgeben ist und an der einen Seite mit dem Ufer zusammenhängt, so ist das eine Halbinsel.

9. Unsere Heimat - S. 77

1914 - Halle a.d.S. : Schroedel
— 77 — nur noch eine schmale Lichtsichel zu sehen, die wie der erste Bogen des A aussieht: ©. Darauf ist der Mond wieder ganz dunkel; es ist wieder Neumond, und nun fängt der Mond von neuem an zu wachsen. So geht es in beständigem Wechsel alle 28 Tage. 4. Die Sterne. Die Sterne am Himmel sind so zahlreich, daß wir sie nicht zählen können. Sie siud nur nachts sichtbar; am Tage wird ihr Licht von dem Licht der Sonne überstrahlt. Viele Sterne haben sich so am Himmel aufgestellt, daß sie hübsche Figuren bilden. Solche Figuren heißen Sternbilder. Das bekannteste ist der große Bär, der auch der große Himmelswagen genannt wird. Zuweilen sieht man auch Sternschnuppen. Wer hat schon welche gesehen? Über das ganze dunkle Himmelsgewölbe mit seinen Sternen zieht sich ein hellerer breiter Streifen; wir nennen ihn Milchstraße. B. Geologische Bilder. 1. Die Gesteine im Jlfelder Tal. a) Grauwacke. 1. Wir gehen im Jlfelder Tal aufwärts bis zu den Steinbrüchen zwischen Netzkater und Eisfelder Talmühle. Hier werden Pflastersteine gebrochen. Sie sehen grau aus, sind feinkörnig, sandsteinartig und recht hart. Der Stein heißt Grauwacke. Die Grauwacke tritt, wie hier, meist in massigen Bänken auf, bildet im ganzen südlichen Harz das Grundgebirge und gehört zu den ältesten Gesteinsschichten. 2. Als weder der Harz, noch der Thüringer Wald, noch die da- zwischenliegenden Höhen vorhanden waren, bedeckte unsere Heimat wie den größten Teil Deutschlands ein Meer, das man das Urmeer nennt. Unter seinem blauen Spiegel erstreckte sich eben und ungegliedert der Meeresgrund. Aus weiter Ferne brachten Ströme Sand und Schlamm herbei; der Moder verwester Meerespflanzen vermischte sich damit und setzte sich auf dem Meeresgrund ab. Im Laufe der wohl nach Millionen Zählenden Jahre, die das Wasser auf der Erde stand, hatte es aber auch Teilchen der die Erdkruste bildenden Stoffe aufgelöst; diese in dem Wasser enthaltenen aufgelösten Grundstoffe des Gesteins drangen mit dem Seewasser in die kleinsten Poren der Schlammschichten und setzten darin zarte Niederschläge verkittender Mineralien ab. Bald wurde Kalk abgeschieden, bald Kieselsäure, bald Eisensalze. So wurden allmählich die weichen Schlammschichten verhärtet; aus lockeren Sandbänken bil-

10. Unsere Heimat - S. 82

1914 - Halle a.d.S. : Schroedel
— 82 — 7. Die Entstehung der Zechsteinformation denkt man sich so: Die Periode des Rotliegenden (Porphyrit usw.) erreichte dadurch ihr Ende, daß eine allgemeine Senkung der Erdrinde im größten Teile Europas eintrat und dies wieder vom Meere überflutet wurde. Das Meer war an vielen Stellen flach und bildete hier seichte Buchten, die von zahlreichen Fischen belebt waren (häufige Fischabdrücke im Kupfer- schiefer). In den tieferen Stellen lagerten sich Schlammassen ab, die später zu Zechstein erhärteten. Man nimmt an, daß dieses Zechstein- meer später ganz vom Ozean abgetrennt und ein großer Binnensee war. Seine Grenzen waren ungefähr der Ural, die jetzige Donauebene, Jr- land und das skandinavische Gebirge. Im damaligen heißen Wüsten- klima verdunstete diese Wasserfläche allmählich und schrumpfte zusammen, bis sie an der tiefsten Stelle in Mitteldeutschland gänzlich eintrocknete. Nur dort kamen daher die in dem Wasserrest angehäuften Salze in großer Menge zur Ausscheidung, namentlich auch Kalisalze, die leicht löslich sind und daher am längsten flüssig bleiben. Die besonderen Be- dingungen, die nötig waren zur reichlichen Ablagerung von Kalisalzen, scheinen nach unseren jetzigen Erfahrungen nur einmal im ganzen Zeit- verlauf der Erdgeschichte und nur an einem Orte — in Deutschland nämlich — vorhanden gewesen zu sein; denn nur in Deutschland, und hauptsächlich um den Harz und den Thüringerwald herum, hat man bis jetzt Kalisalze gesunden. Die angestrengtesten Versuche der Nord- amerikaner, in ihren Steinsalzlagerstätten auch begleitende Kalisalze auf- zudecken, sind bis jetzt ohne Erfolg gewesen. 3. Unsere Buntsandsteinlandschaft. 1. Wenn wir von der Leimbacher Straße oder dem Windlücken- wege nach dem Roßmannsbach zu gehen, bemerken wir zu beiden Seiten des Flußtales ansehnliche, sanft abgerundete Berge. Der Eichenberg auf der Petersdorfer Seite ist 303 m hoch; dieselbe Höhe erreichen auch die gegenüberliegenden Berge. Aus dem Wege von der Kuckucksmühle nach Steigertal treten auf der Höhe hinter der Kuckucksmühle die Ge- steine an verschiedenen Stellen zutage. Sie sehen rot oder grau aus; ihr Hauptbestandteil ist Sand, der unter der Lupe in Form von weißen, grauen oder rötlichen Körnern (Quarzkörner) erscheint. Der Stein heißt daher Bunter Sandstein oder Buntsandstein. Auch das beackerte Feld sieht rot aus; an manchen Stellen ist es tonig, was namentlich an regnerischen Tagen zu bemerken ist; dann ist auch der Weg glitschig, und man kann schlecht aus ihm fortkommen. Ton und Kalk sind die Bindemittel zwischen den Sandkörnern; zuviel Ton macht den Stein mürbe, so daß er leicht auseinanderfällt. Auch zahlreiche Glimmer- blättchen bemerken wir in manchen Sandsteinen.
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