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1. Die wichtigsten Begebenheiten der Neuzeit, insbesondere der preußisch-deutschen Geschichte seit 1648 - S. 41

1911 - Breslau : Hirt
Aie Strenge und Herbheit von Cornelius' Freskenstil ber-setzte dessen bedeutendsterschler, Wilhelm von Kaulbach, ins Runde und Gefllige, und indem er den Reiz der von jenem ver-schmhten Farbe hinzufgte, ge-wann er eine Volkstmlichkeit, die dem ernst ringendencornelius versagt blieb. Von Friedrich Wil-heim Iv. mit der Ausmalung des Treppenhauses im Neuen Mu-seum beauftragt, stellte er in sechs Fresken entscheidende Wende-punkte d. Weltgeschichte dar. Das bedeutendste ist die Hunnenschlacht, welche jedoch von der Sage von den Katalaunischen Ge-filden vor die Tore Roms verlegt wird. Mit glcklichem Griff wird nicht die Schlacht selbst geschildert, sondern der Kampf der Geister der Gefallenen, welcher sich nach der Sage noch brei Tage und drei Nchte fortsetzte. Von Frauen geweckt, greifen sie, noch ganz in traumhaftem Zustand, zu den Waffen, und wie magnetisch nach oben gezogen, erweichen sie mehr und mehr zu vollem Bewutsein und nehmen am Kampfe teil, dem geielschwingenden Attila gegenber der mit seinen beiden , m,. , c rr r ..T _ _ . . m ^ m ' ~ , r . r ,, 75. Wilhelm von Kaulbach, Die Hunnenschlacht. Fresko im Neuen Museum, Berlin. Shnen tn der Schlacht gefallene Westgotenknig Theoberich. Beliebt war Kaulbach auch als Illustrator (Goethes Reineke Fuchs, Galerie Goethescher Frauengestalten).

2. Die Hauptereignisse der römischen Kaiserzeit, Deutsche Geschichte bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges - S. 55

1911 - Breslau : Hirt
Giovanni Bellini und Tizian. 55 106. Tizian, Madonna vom Hause Pesaro. S. Maria bei Frari, Venedig. (Phot. Naya.) verschobene Pyramide seines großen Schülers gegenüber. Die Szene ist unter eine mächtige Säulenarchitektur verlegt, und während man bei Bellini glauben Könnte, die Sonnenstäubchen auf und nieder schweben zu sehen, werfen hier Wolken, auf denen Engelknaben sich mit dem Kreuze tummeln, ihre Schatten ins Bild hinein. Der aus der linken unteren Ecke über den h. Petrus zur Madonna und dem Kinde hinauf und von da über den H. Franz wieder herab geführten Linie ersteht ein mächtiges Gegengewicht in dem lorbeergeschmückten Banner der Familie der Stifter, deren Angehörige rechts und links im Vordergründe Knieen. Die Harmonie und Leuchtkraft der Farben machen im Verein mit dem neuartigen Ausbau des Figürlichen das Gemälde zu einem der allerersten Werke der Malerei überhaupt.

3. Bilder aus Frankens Vergangenheit - S. 14

1914 - München : Oldenbourg
— u — des Papstes zur Absetzung des letzten Merowingerkönigs und zur Erhebung ptppins zum König der Franken erholte. vorzüglich suchte der eifrige Bischof die Verehrung der Apostel des Frankenlandes, des Hl. Kilian und seiner Genossen, zu befördern. An dem ©rte, wo das Blut der Glaubensboten die Erde getränkt hatte, erbaute er seine bischöfliche Hauptkirche, die den Zlamen Saloatorhaus erhielt. Mit dem Dom verband er ein Kloster. Nachdem der Bau vollendet war, wurde das Kloster mit Geistlichen besetzt, welche teils die gottesdienstlichen Verrichtungen in der Stiftskirche, teils die Unterweisung der fugend, teils die Seelsorge in der Stadt und auf dem Lande zu erfüllen hatten! viele von vornehmem Geschlechte haben sich damals in dieses Kloster begeben und viel Gut mitgebracht. Die Zahl der Domherren belief sich bald auf fünfzig. 3n die gänzlich hergestellte Domkirche wurde die Übersetzung der Hl. Gebeine St. Kilians und seiner Gefährten vorgenommen. Sie wurden mit großem Gepränge in die Gruft getragen und dort in ein zubereitetes Grabmal gelegt. Dies geschah im Jahre 752. Jenseits des Mains erbaute Burkard eine andere Stiftskirche und ein Kloster, dem Hl. Andreas geweiht. Neben den beiden Klöstern in Würzburg bestanden im Frankenlande zu Zeiten des ersten Bischofs noch folgende Klöster: Neustadt am Main, unterhalb Lohr, in welchem St. Burkard vor seiner weihe zum Bischof Abt gewesen, 2. die propstei zu 11. L. Fr. auf dem Schloßberge, 3. Hohenburg oder Homburg am Main, ein Schloß auf einem felsigen Berge, das Herzog Karlmann dem Hl. Burkard geschenkt hatte. Die Mönche hatten neben ihrer priesterlichen Tätigkeit vor allem auch den Unterricht in den Klosterschulen zu erteilen. Der heilige Bischof stand seinem Bistum zwölf Jahre mit Treue und (Eifer vor, endlich fing er an, die Schwäche des Alters zu fühlen, und sehnte sich nach Ruhe. (Er wollte nach dem Beispiele seines Lehrmeisters, des Hi. Bonifazius, die Last der bischöflichen Zpiirde niederlegen und die Zeit feines übrigen Lebens in stiller Einsamkeit und Ruhe zubringen. Mit königlicher und erzbischöflicher Bewilligung trat er das Bistum an Me-gingaud, den Abt des Klosters Neustadt, ab und reiste mit sechs aus dem Andreaskloster mitgenommenen Ordensbrüdern von Würzburg zu Wasser nach dem Kloster Homburg (753). (Er lebte zu Homburg nicht mehr lange. Bald verfiel er in eine gefährliche Krankheit und starb am 2. Februar 754. Sein Leichnam wurde nach Würzburg geführt und dort in der Gruft des heiligen Kilian beigesetzt. Die Burkarduskirche in Würzburg und das Standbild des Bischofs auf dem Hochaltare der Hofkirche erhalten die (Erinnerung an den ersten Kirchenfürsten des Mainlandes.

4. Bilder aus Frankens Vergangenheit - S. 95

1914 - München : Oldenbourg
95 — 10. Plünderung und Mißhandlung der Bewohner im Dreißigjährigen Kriege. „Die Soldaten. stellten ihre Pferde ein und schlachteten alle Hühner und Schafe nacheinander ab. hernach hatte jeglicher feine sonderbare Arbeit zu verrichten, deren jede lauter Untergang und Derderbert anzeigte. Dann obzwar etliche anfingen zu sieden und zu braten, daß es aussah, als sollte ein Festmahl gehalten werden, so waren hingegen andere, die burchstürtnten das Baus unten und oben; andere machten von Tuch, Kleidungen und allerlei Hausrat große palete zusammen, als ob sie irgend einen Krempelmarft einrichten wollten. Was sie aber nicht mitzunehmen gedachten, ward zerschlagen und zu Grunde gerichtet. (Etliche durchstachen Heu und Stroh mit ihren Degen; etliche schütteten die Federn aus den Betten und füllten hingegen Speck, dürres Fleisch und Gerät hinein, als ob alsdann besser darauf zu fchlafen wäre. Andere schlugen Ofen und Fenster ein, gleichsam als hätten sie einen ewigen Sommer zu versündigen. Kupfer- und Zinngeschirr schlugen sie zusammen und packten die verbogenen und verderbten Stücke ein. Bettboden, Tische und Stühle verbrannten sie. Unsere lllagd war dermaßen mißhandelt, daß sie nicht mehr gehen konnte. Den Knecht legten sie gebunden auf die (Erde, steckten ihm ein Sperrholz in den Mund und schütteten ihm einen Kübel voll garstigen Mistlachenwassers in den Leib. Das nannten sie einen schwedischen Trunk, wodurch sie ihn zwangen, eine partei anderwärts zu führen, wo sie Menschen und Dieh hinwegnahmen und in unsern Hof brachten. Da fing man erst an, die Steine von den Pistolen und an deren Statt des Bauern Daumen auszuschrauben und die armen Schelme so zu foltern, als wenn man hätte Hexen brennen wollen, wie sie denn auch einen von den gefangenen Bauern bereits in den Backofen steckten und mit Feuer hinter ihm her waren, ungeachtet er noch nichts bekannt hatte. (Einem andern machten sie ein Seil um den Kopf und zogen es so zusammen, daß ihm das Blut zu Mund, Nase und Ohren heraussprang. In Summa: es hatte jeder seine eigene (Erfindung, die Bauern zu peinigen, und also auch jeder Bauer seine besondere Marter. Allein mein Vater war meinem damaligen Bedünken nach der glückseligste, weil er mit lachendem Munde bekannte, was andere mit Schmerzen und jämmerlicher Wehklage sagen mußten. Die Soldaten setzten ihn nämlich zu einem Feuer, banden ihn, daß er weder Hände noch Füße regen konnte, und rieben seine Fußsohlen mit angefeuchtetem Salze, welches ihm unsere alte Geiß wieder ab lecken und ihn also kitzeln mußte, daß er vor Lachen hätte zerbersten mögen. Das klang so spaßhaft, daß ich, weil ich es nicht besser verstand, von Herzen mitlachen mußte. In solchem Gelächter bekannte er, was man von ihm verlangte, und öffnete den verborgenen Schatz, welcher an Gold, perlen und Kleinodien viel reicher war, als man hinter Bauern hätte suchen mögen."

5. Bilder aus Frankens Vergangenheit - S. 110

1914 - München : Oldenbourg
— Uo — war in Lohr ein Haus von der Pest verseucht, so wurde es zugeschlagen. Die Notwendigkeiten wurden an einer Stange zum Fenster hineingereicht, war einer gestorben, so wurde er von den Lebenden zum Fenster hinaus auf die Straße geworfen; der täglich dreimal alle Straßen passierende Leichenwagen nahm den Leichnam auf. Die Pest regierte sechs Wochen und drei Lage; es sind daran gestorben 860 Menschen; der höchste Stand an einem Lage waren 45 Tote. Nur zwölf Häuser waren noch frei; von zwölf Ratsherren lebten noch vier (\655). 3n Kloster Neustadt verstärken sechs Priester. — Nicht ein ziffernmäßiges Bild soll durch diese Zusammenstellung gewonnen werden, dazu sind die Angaben zu lückenhaft, zu unvollständig und ungenau. Aber eines ist daraus zu ersehen' Furchtbarer denn der Krieg mordete dessen treue Begleiterin, die Pest. 23, Der Friede. Friede! Kaum war es zu glauben, daß er in deutschen Landen nochmal Linkehr halten könne, wie ein fremdes Märchen aus seligen Tagen klang die Kunde von dem Friedensschluß den Alten, die während einer jahrzehntelangen Greuelzeit grau geworden waren, wie ein unfaßbares Wunder empfand sie die Jugend, die in Kriegsnot und Elend herangewachsen war- ohne wart und Pflege. Sie hatte die Segnungen des Friedens nie gesehn. Daß der Bauersmann frohgemut die Saat bestellte auf sorgfältig bereiteter Flur, daß hundertfältige Ernte den sauren Fleiß des Landmanns lohnte, daß nach getaner Arbeit auch Feste das Leben im schmucken Dorf lein verschönten —, ja davon wußte das verwilderte Geschlecht nichts. Bilder zertretener Acker, geschwärzter Dorfruinen, Szenen von Haub und Mord, Kummer und Leid — das waren die Eindrücke gewesen, die es empfangen hatte von Kindheit auf. Und jetzt klangen die Glocken von Turm zu Turm und kündeten Frieden auf deutscher Erde. Bis in die entlegensten Schlupfwinkel drang die Botschaft und rief die verkrochenen Einwohner in die Dorffchaften um das Friedensfest zu feiern. Am Lage Martini des ^6^8 ften Jahres beging man in vielen ©rten Frankens das frohe Ereignis. 3n feierlichem Wallgange zogen die abgehärmten Männer, Weiber und Kinder vom Gotteshaufe durch die Straßen der Heimatgemeinde. Dann vereinigten sie sich in der Kirche zu andächtigem Dankgottesdienst. Die Glocken läuteten und die Böller krachten und von dem Turme bliesen Trompeter kirchliche Lieder. Alle Arbeit ruhte. wie aber sah es aus im Lande, als der längste Krieg geendet tvara den Deutschland je zu ertragen hatte? Unsagbar war die Verwüstung. Ganze Dörfer waren von der Erde verschwunden und wurden nicht mehr aufgebaut. In jeder Ortschaft gab es herrenlose Güter in Menge. Die Einwohner vieler Gemeinden waren

6. Bilder aus Frankens Vergangenheit - S. 72

1914 - München : Oldenbourg
— 72 — Menschen erschuf, gab er ihm Gewalt über alle Tiere, über die Vögel in der Luft und die Fische im Wasser. 5. Zum fünften haben sich unsere Herrschaften die Hölzer allein zugeeignet und der arme Mann muß sich sein £70x3 teuer erkaufen. Unsere Meinung ist, daß alle Wälder, die nicht gekauft wurden, der Gemeinde zufallen sollen. Brenn- und Bauholz soll dann jeder nach Bedarf von der Gemeinde umsonst erhalten. 6. Zum sechsten fordern wir, daß man mit den Diensten, die täglich zunehmen, Einhalt tuen möge und uns gnädig behandle, wie unsere Eltern gedient haben nach dem Worte Gottes. 7. Zum siebten wollen wir uns von einer Herrschaft nicht weiter beschweren lassen als zu der Zeit, da das Gut verliehen wurde, wenn der £?err neue Dienste nötig hat, soll der Bauer ihm gehorsam sein, aber zu einer Zeit, da es ihm nicht zum Nachteil ist, und um einen annehmbaren Lohn. 8. Zum achten wollen wir, daß Güter, welche die Gült nicht tragen, von ehrbaren Leuten nach Billigkeit geschätzt werden, damit der Bauer nicht umsonst seine Arbeit tue, denn jeder Taglöhner ist seines Lohnes wert. 9. Zum neunten beschweren wir uns dagegen, daß man straft nach Neid und Gunst und nicht nach geschriebener Strafe und nach Gestalt der Sache. 10. Die Acker und wiesen, die der Gemeinde gehören und die sich jemand angeeignet hat, werden wir wieder der Gemeinde zu fanden geben. \ V Den Todesfall wollen wir abgeschafft haben. \2. wenn einer der Artikel dem Worte Gottes nicht gemäß ist, so wollen wir davon abstehen, wenn uns dies aus der Schrift nachgewiesen wird. Der Friede Ehristi sei mit uns allen. Amen. f) Das Lager von Bildhausen. Am palmtag versammelten sich etliche Bauern von Burglauer und Umgegend in einem Schenkhaus zu Münnerstadt und machten mit einigen aus der Stadt einen Pakt, das Kloster Bildhausen einzunehmen. Am folgenden Mittwoch zogen bis zu zoo Mann mit wehren, Trommeln und pfeifen vor das Kloster und forderten Einlaß. Als sie eingelassen waren, haben sich £)ans Schnabel von Münnerstadt, ein Schreiner, und fjans Scharr von Burglauer zu f^auptleuten unter ihnen aufgeworfen. Der Abt und der größte Teil des Konvents flohen gegen Königshofen im Grabfeld. Die £}auptleute nahmen die Verwaltung des ganzen Klosters Zu ihren fanden, bestellten die wache, da sie einen Überfall befürchteten, und hielten Straßen, Wege, Führten und Schläge bei Tag und Nacht in guter Acht. Auf ein Ausschreiben liefen ihnen viele Bauern aus der Umgegend zu; auch die von Neustadt schlossen sich ihnen an. Als der

7. Bilder aus Frankens Vergangenheit - S. 84

1914 - München : Oldenbourg
— 64 — Von den drückenden Schulden des Sochstiftes wurden große Summen zurückgezahlt. Das \600 abgebrannte Residenzschloß erstand in kürzester Zeit schöner und fester wieder. Dem Geiste seiner Zeit entsprechend bekämpfte )ulius den lutherischen Glauben aufs schärfste. Die protestantischen Prediger wurden ausgewiesen, wer nicht zur katholischen Kirche zurückkehrte, mußte das 6erzog-tum verlassen. Diele Würzburger Bürger wanderten nach Schweinfurt aus. Zur Sicherung der katholischen Lehre gründete Julius eine Menge Kirchen und Klöster; auch das Gvmnasium Ittünnerstabt verdankt ihm seine Entstehung. Beamten- und Schulhäuser wurden im ganzen Lande teils neugebaut teils verbessert. An dem Zusammenschluß der katholischen Fürsten zur Liga hatte Julius eifrig mitgearbeitet. Die auf ihn gefallene Wahl zum Kurerzbischof von Mainz nahm er nicht an. H. Tod und Gedenken. Ztach fast jähriger Regierung erreichte der Tod den rastlos tätigen Mann. Noch im September stattete er die Doppelhochzeit seiner Bruderskinder herrlich aus. Am ersten Tage war feierlicher Einzug mit 2<\ Trompeten und Beerpaufen und dann die Trauung, worauf eine Tanz Belustigung folgte, am zweiten Tage wurden Fechterspiele, am dritten Tage Ringstechen, am vierten ein schönes Spiel im Iuliusspital abgehalten. An diesem Tage fühlte sich Julius, jedenfalls infolge einer Erkältung, unwohl. Der Fürst genas nicht mehr. Am ^3. September starb er, betrauert vom ganzen Lande. Sein Leichnam ruht im Dom, sein Berz in der Universitätskirche. Am 2. Juni ^8^7 wurde vor dem Iuliusspitale das dem größten Fürsten des Frankenlandes von König Ludwig I. errichtete Erzstandbild enthüllt. Mehr aber denn Stein und Erz werden Julius Echters Schöpfungen seinen Namen und sein Gedenken lebendig erhalten für alle Zeit. 2. Das Hexenbrennen. Mit Beginn des J7. Jahrhunderts begann der Glaube an Hexen und Zauberer allenthalben furchtbare Folgen zu erzeugen. Überall zog man „Unholde" ein und brachte sie mit dem grausamen Mittel der Folter zum Geständnisse. Und dann loderten die Scheiterhaufen. 2>n Franken war Gerolzhofen ein Hauptort der Hexenverfolgungen. Im Jahre betrug hier die Zahl der Hingerichteten 99, im folgenden Jahre 88 Personen. In großer Anzahl wurden oft die Opfer, zu „25 oder 20 und nicht weniger als ^5“ auf einmal eingesetzt und verbrannt. Doch verfuhr man bei der Untersuchung streng nach den damals gebräuchlichen rechtlichen Formen. Man hatte, um die Verhöre zu erleichtern und nichts Wesentliches auszulassen, Fragen entworfen, die man den der Hexerei verdächtigen Personen vorlegte.

8. Bilder aus Frankens Vergangenheit - S. 112

1914 - München : Oldenbourg
— U2 — bo war es überall im Frankenlande, so war es in ganz Deutschland. Nur langsam schwand das Elend, nur allmählich hob sich die Bevölkerungsziffer. Aber auch der Friede mußte nochmals teuer erkauft werden durch hohe Friedensgelder. Karlstadt hatte z. B. 2*00 Reichstaler zu entrichten. Erst zwei Jahre nach dem Friedensschlüsse zogen die letzten Schweden aus Franken ab. Ihr schmachvolles Gedenken aber hat sich bis in unsere Tage erhalten und heute noch schreckt Großmütterlein die Enkelkinder mit dem Spruche: „Bet, Kindlein, bet! Bet, sonst kommt der Schwed, Bet, sonst kommt der Ochsenstern, Wirt) die Kindlein beten lehr'n!" 24. Der Pflugzug zu Hollstadl. Gelobte Wallfahrten erinnern uns vielerorts an die schreckensvollen Zeiten des Dreißigjährigen Krieges, da der schwarze Tod Städte und Dörfer entvölkerte und wilde Söldnerscharen die wenigen Überlebenden quälten und mordeten. Aber auch weltliche Bräuche haben das Gedenken an jene Zammertage erhalten. )n der Gemeinde Hollstadt bei Neustadt begeht man das Gedächtnis der furchtbaren Leiden, welche die Schweden über das Dorf gebracht hatten, durch den eigenartigen Pflugzug. Zwei lanzentragende Kriegsfnechte marschieren an der Spitze des Zuges; ihnen folgt ein schwarzer Heiter als Sinnbild des langen Krieges. Pfeifer, Trommler, ein Schwedenhauptmann, Offiziere, Heiter und Fußvolk stellen die erste größere Gruppe und rufen Bilder von Verwüstung und Not vor den rückschauenden Blick. Eine einzige Kuh war von dem ganzen Viehstand übriggeblieben, im tiefen Keller hatte man sie versteckt gehalten und heimlich gefüttert. Darum geht im Zuge eine geschmückte Kuh mit. Abgehärmtes, elendes Landvolk, von junger und Mißhandlungen entkräftet, geleitet sie. vier Feldgeschworene deuten an, daß die verwüsteten Felder nach dem Kriege wieder neu abgegrenzt werden mußten. Sechs festlich gekleidete Mädchen ziehen den pflüg, wie sich die Bevölkerung aus Mangel an Zugvieh nach dem Schwedeneinfalle vor die Feldgeräte spannte. Auf einem Hade werden zwei Burschen einhergezogen zur Erinnerung daran, daß viele Einwohner von den grausamen Fremdlingen geschleift, gerädert oder in den Weinkeltern langsam zerschmettert wurden. Ein Bärenführer, der den Zufluchtsort der ^oll-städter an die Schweden verraten wollte, erscheint ebenfalls im Zuge, ferner ein schwedischer Soldat, der die Leute fortwährend neckt und beunruhigt. puppen, die an Birkenstämmchen hängen, versinnbildlichen uns jene schreckliche Todesart, welche die Schweden vielen Dörflern durch Auf-

9. Bilder aus Frankens Vergangenheit - S. 169

1914 - München : Oldenbourg
— \6c) — 4. Die Oerfassungsgedenksäule im Frankenlande. Als einer her ersten deutschen Fürsten erfüllte König Maximilian Joseph von Bayern das im wiener Kongreß*) den Völkern Deutschlands gegebene Versprechen, die Rechte des Volkes und der Regierung durch Verfassungen zu regeln. Bereits am 26. Mai J8j8 verkündigte das Gesetzblatt das oberste Grundgesetz des bayerischen Staates. Das königliche Vorwort, das den Bestimmungen der Verfassungsurkunde beigefügt mar, schloß mit dem vielgenannten Satze: „Sehet darin die Grundsätze eines Königs, welcher das Glück seines Herzens und den Ruhm seines Thrones nur von dem Glücke des Vaterlandes und von der Liebe seines Volkes empfangen will." Diese prächtigen Königsworte weckten lautes (Echo in den Herzen der Untertanen und festliche Veranstaltungen feierten allerorten die errungene gesetzliche Volksfreiheit. Hoch und nieder vereinigte sich und dankte dem weisen Fürsten. Graf Franz (Ertvein von Schönborn faßte den plan, zur steten Erinnerung an das wichtige Ereignis der Verfassungsverleihung eine mächtige Säule zu errichten, die weit hinaus ins Frankenland sichtbar sein sollte als immerdauerndes Denkmal der großen Nationalbegebenheit und eines großen, sein Volk wahrhaft liebenden Königs. Auf einem Hügel bei Gai-bach unweit Volkach, dem Sonnenberge, inmitten der herrlichen Anlagen und der Felder und Wälder des gräflichen Besitzes, sollte das Werk erstehen. Baumeister Klenze entwarf den plan. Am dritten Jahrestage der Verfassungsverkündigung, am 26. Mat J82^, wurde der Grundstein gelegt. Kronprinz Ludwig und seine Gemahlin Therese, die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden der Kreis-hauptstadt, eine große Anzahl der Landstände und eine unzählbare Menge von Zuschauern aus der 2(ähe und der Ferne waren erschienen. Nach Anhören einer stillen Messe setzte sich der Zug von der Kirche aus zur Anhöhe in Bewegung. Der Kronprinz legte den in einer Kapsel verwahrten Abdruck der Verfassungsurkunde, die Kronprinzessin eine mit den Namen der hohen Anwesenden bezeichnete und Veranlassung und Tag der Errichtung enthaltende Kupferplatte in eine Öffnung des Grundsteins. Die Reichsräte und Abgeordneten versenkten hierauf verschiedene unter der Regierung Max Josephs geprägte Gold- und Silbermünzen ebenda. 3n der Festrede feierte Regierungsdirektor von Mieg aus würzburg Sinn und Bedeutung des Denkmals und schloß mit dem Gelöbnisse: Treue dem König ! Gehorsam dem Gesetze ! Beobachtung der Staatsverfassung! Nachdem die königlichen Hoheiten und die anwesenden Land stände den Deckel in der Öffnung des Grundsteins mit Hammer und Kelle eigenhändig befestigt hatten und vom Stifter selbst der letzte Schlag geführt tvar, sprach dieser in wenigen zu Herzen gehenden Worten aus, wie nur das Gefühl des Dankes und der Freude über die dem vaterlande gegebene Verfassung und der Wunsch, daß sie zum Glücke des Vaterlandes und zum *) Artikel Xiii der deutschen Bundesakte.

10. Bilder aus Frankens Vergangenheit - S. 133

1914 - München : Oldenbourg
— \55 — Franzosen die Kirchenglocken läuten, so fragten sie: „Franzos Bim-Bim?" b. H. ob gegen sie Sturm geläutet werde. Hieß die Antwort: „Nein, tut Franzos, sondern Kirch Bim-Bim", so zogen sie beruhigt weiter. 3m Streu- und Saalgrund und in der Rhön wurde der Volkskrieg ernster und mit einer wütenden Erbitterung geführt. Bauern plünderten einzelne Transporte aus. Wo die Franzosen sich bewaffneter Landleute bemächtigten, schossen sie diese nieder. Hajg und Wut beider Teile waren auf das höchste gestiegen. Auch im Fuldaischen und im Spessart griff der Volkskrieg um sich und forderte viele Gpfer. Noch nach 5—6 Wochen entdeckte man verborgene französische Soldaten. (Ein Aufruf „zur Steuerung der Not" in den am meisten betroffenen Dörfern schildert den Jammer des Krieges folgendermaßen: „vergessen könnt ihr doch nicht haben, daß die abgebrannten Bewohner von fünf Dörfern und etlichen Böfen unter den Unglücklichen des schrecklichen Sommers ^796 gerade die unglücklichsten waren. Sie haben alles getraqen und geduldet wie ihr, die (Erpressungen, Plünderungen, Mißhandlungen und Schrecknisse des feindlichen Her- und Rückzuges, aber eine Stunde hat ihnen alles genommen, Habt ihr die wallende und den Himmel rötende Flamme, das stumme Händeringen verzweifelter Väter gesehen, gehört das Jammergeschrei der Mütter und Kinder, als ihr Hab und Gut von Feuersglut verzehrt wurde? Das (Elend ist über alle Beschreibung. Ihre Wohnungen, Scheunen, Baus- und Feldgerätschaften, Betten, Kleider, alles Futter, alles Getreide zur Aussaat, alles hat die gierige Flamme in einen Aschenhaufen verwandelt. Niemand konnte, niemand durfte löschen. Die Betten, die man aus den Fenstern warf, nahm die Raubgierde, was die Leute mit den Händen zusammengerafft hatten, nahm ihnen der Soldat. Das entledigte Vieh irrte umher, eine willkommene Beute des hungrigen Feindes. Schulen und Kirchen liegen in Asche . . . Die Unglücklichen stehen da ohne Obdach, den Winter vor der Türe, alles Nötigen beraubt und sehen einer schrecklichen Zukunft entgegen. Franken, was sollte euch zurückhalten, euren Brüdern die Tränen zu trocknen?" — Der Brandschaden an Gebäuden in den würz burgischen Orten Niederlauer, Wülfingen, (Dttendorf, Arnstein, Hundsbach, Burggrumbach, Unterpleichfeld, Güntersleben, Mühlhausen, Lengfeld, Retzstadt, Reiterswiesen und Krönungen wurde auf 725 fl. geschätzt. 20 835 fl. gingen durch milde Beiträge ein und wurden nach Maßgabe der Verluste verteilt. 6. Ein Schreckenstag für Unlererthal (1796). Der für Untererthal so verhängnisvolle H. September brach an. Dichter Nebel bedeckte die (Erde. 3n aller Frühe schon war eine die Nacht über hier gelegene französische Proviant- und Munitionskolonne aufgebrochen in der Richtung nach Brückenau. Die Nachricht von der französischen Niederlage bei Würzburg war bereits bis hierher gedrungen.
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