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1. Theil 6 - S. 135

1874 - Leipzig : Brandstetter
135 Arnold Herrn. Ludwig Heeren, geb. den 25. Oktober 1760 zu Arbergen bei Bremen, studirte in Göttingen, machte dann größere Reisen, ward 1787 außerordentlicher, 1794 ordentlicher Professor der Philosophie, 1801 Prof, der Geschichte in Güttingen, starb den 8. März 1842. — Historische Schriften: „Ideen über Politik, Verkehr und Handel der vornehmsten Völker der alten Welt." „Bibliothek der alten Literatur und Kunst." „Kleinere historische Schriften" u. A. 36. Der Handel der alten und der neuen Welt. Die Einrichtung des alten Handels war im Ganzen genom- men um Vieles einfacher als die des neuern, da die meisten der künstlichen Einrichtungen noch nicht vorhanden waren, ohne welche der neuere Handel jetzt nicht würde bestehen können. Sein Zweck im Ganzen blieb beschränkt auf die Stillung gewisser Bedürfnisse, mochten es nun Bedürfnisse der Nothwendigkeit oder des Luxus sein. Der Kaufmann, der sie herbeischaffte, suchte sie theurer zu verkaufen oder zu vertauschen, als er sie eingekauft und einge- tauscht hatte, besonders wenn sie durch seine Industrie veredelt waren. Auf diese Weise bereicherte er sich; aber über diesen Kreis gingen auch seine Speculationen nicht hinaus. Der Han- del des Alterthums blieb also seinem Hauptcharakter nach Waaren- handel. In vielen, vielleicht, wenigstens im höhern Alterthum, in den meisten Fällen, wurden diese Waaren gegen andere ein- getauscht: wo aber auch edle Metalle als Maßstab des Werths gebraucht wurden, geschah es gewiß mehr nach dem Gewicht, als nach dem Gepräge. Wir wissen von den Phöniciern, den Per- sern und andern Völkern, daß sie Geld prägten; wir wissen auch von einigen Geldarten, daß sie auch in fremden Ländern im Um- lauf waren, wie die Danken bei den Griechen; aber wie weit dies im Ganzen der Fall war, darüber sind wir fast gar nicht unterrichtet. Wie dem aber auch sein mag, so ist doch so viel gewiß, daß der Geldhandel, der einen Hauptzweig des neuern Handels ausmacht, im Alterthum zwar nicht gänzlich unbekannt, aber doch in seiner Kindheit blieb. In den großen Städten, wie in Athen, Rom, Alexandrien und andern, wo ein beständiger Zusammenfluß von Fremden war, mußte zwar auch Geld- umsatz stattfindeu, und es gab Wechsler, die sich damit beschäf- tigten; aber so lange es noch keine Wechsel gab, konnte jener Geldumsatz kein Hauptzweig des Handels werden. Die Spuren, die man in ein paar Stellen alter Schriftsteller zu finden glaubt, sind zweifelhaft und deuten schwerlich auf etwas Weiteres, als auf bloße Anweisungen. Daß dergleichen häufig auf einen Drit-

2. Theil 6 - S. 136

1874 - Leipzig : Brandstetter
136 ten ausgestellt wurden, war natürlich; allein man kannte die Kunst noch nicht, diese durch eine weitere Circulation wieder zu Gegenständen des Handels zu machen. Der Geldhandel im Großen, wie er gegenwärtig ist, steht außerdem in einer zu ge- nauen Verbindung mit dem öffentlichen Credit der Staaten, be- sonders der großen Handelsstaaten, und ist erst eine Folge der Kunst gewesen, auf die der menschliche Geist vielleicht am meisten rasfinirt hat, öffentliche Schulden auf die möglichst vortheilhaste Art zu machen und wieder abzutragen. Diese Kunst blieb unbe- kannt in der alten Welt, weil sie überflüssig war. Die damals so viel geringeren Staatsausgaben wurden entweder durch aufge- legte Tribute bestritten, oder auch in außerordentlichen Fällen, wenigstens in Freistaaten, durch freiwillige Anleihen von Bür- gern, die man zurückzahlte, aber die kein Gegenstand einer kauf- männischen Speculation werden konnten. Der eigentliche Wech- selhandel aber setzt ein Wechselrecht voraus und kann schwerlich ohne regelmäßig eingerichtete Posten bestehen, weil Alles dabei auf eine sichere, schnelle und häufige Correspondenz ankommt. Es ist zwar sehr verkehrt, wenn man eine plötzliche Aufhebung unse- rer Posteinrichtnngen annimmt, und aus der Stockung, die als- dann entstehen müßte, auf die geringe Lebhaftigkeit des alten Handels zurückschließen will (denn die Aufhebung einer schon bestehenden Einrichtung ist immer mit weit größeren Unbequem- lichkeiten verbunden, als ihr gänzlicher Mangel, wo sich von selbst andere Ersatzmittel finden mögen); aber daß gewisse Zweige unsers Handels lediglich von den Posteinrichtungen abhangen und durch sie erst möglich geworden sind, bleibt darum nicht minder eine ausgemachte Sache. Die größere Einfachheit des alten Handels, indem er nur im Kauf und Verkauf von Waaren bestand, zeigt sich auch darin, - daß nicht so viele und so verschiedene Klassen von Teilnehmern dabei beschäftigt waren, wie gegenwärtig. Zwar muß man auch hier nicht zu absprechend in seinen Behauptungen sein. Wer kann uns noch mit Gewißheit darüber belehren, wie es in einem großen phönicischen oder karthagischen Handelshause aussah? Daß in den großen Handelsländern der Handel auch außer den eigentlichen Kaufleuten eine große Menge von Menschen, von Zwischenhändlern u. s. w. beschäftigte, sieht man an mehreren Beispielen, wie z. B. die Kaste der Dolmetscher, der Mäkler in Aegypten; und überhaupt bürgt uns die Unveränderlichkeit der Sitten und des ganzen gesellschaftlichen Lebens im Orient wohl dafür, daß auch die Einrichtungen des Handels sich hier wenig geändert haben. Die Verschiedenheit findet sich also nur haupt- sächlich zwischen der Form des jetzigen und des alten europäischen Handels. Wahrscheinlich indeß brachten es doch die damaligen

3. Theil 6 - S. 155

1874 - Leipzig : Brandstetter
155 sondere Aufmerksamkeit widmen. Der betagte Führer wußte genau die Jahrgänge zu bezeichnen. Aeltere waren schon mit Asche be- deckt und ausgeglichen; neuere, besonders die langsam geflossenen, boten einen seltsamen Anblick: denn indem sie, fortschleichend, die auf ihrer Oberfläche erstarrten Massen eine Zeit lang mit sich hinschleppen, so muß es doch begegnen, daß diese von Zeit zu Zeit stocken, aber, von den Gluthströmen noch fortbewegt, über- einander geschoben, wunderbar zackig erstarrt, verharren, seltsamer als im ähnlichen Fall die über einander getriebenen Eisschollen. Unter diesem geschmolzenen wüsten Wesen fanden sich auch große Blöcke, welche, angeschlagen, auf dem frischen Bruch einer Urge- birgsart völlig ähnlich sehen. Die Führer behaupteten, es seien alte Laven des tiefsten Grundes, welche der Berg manchmal aus- werfe. 65. Iphigenie auf Tauris. (1787.) Erster Aufzug. Er st er Auftritt. Iphigenie. Heraus in eure Schatten, rege Wipfel Des alten, heil'gen, dichtbelaubten Haines, Wie in der Göttin stilles Heiligthum Tret' ich noch jetzt mit schauderndem Gefühl, 5. Als wenn ich sie zum ersten Mal beträte, Und es gewöhnt sich nicht mein Geist hierher. So manches Jahr bewahrt mich hier verborgen Ein hoher Wille, dem ich mich ergebe; Doch immer bin ich, wie im ersten, fremd. 10. Denn ach! mich trennt das Meer von den Geliebten, Und an dem Ufer steh' ich lange Tage, Das Land der Griechen mit der Seele suchend; Und gegen meine Seufzer bringt die Welle Nur dumpfe Töne brausend mir herüber. 15. Weh dem, der fern von Eltern und Geschwistern Ein einsam Leben führt! Ihm zehrt der Gram Das nächste Glück vor seinen Lippen weg. Ihm schwärmen abwärts immer die Gedanken Nach seines Vaters Hallen, wo die Sonne 20. Zuerst den Himmel vor ihm aufschloß, wo Sich Mitgeborne spielend fest und fester Mit sauften Banden an einander knüpften. Ich rechte mit den Göttern nicht; allein

4. Theil 6 - S. 175

1874 - Leipzig : Brandstetter
17 5 gattenverhältniß des allerhöchsten Paares der Christenheit mit Augen zu sehen gewürdiget^lvorden. Als aber die Kaiserin, ihren Gemahl zu begrüßen, das Schnupftuch geschwungen und ihm selbst ein lautes Vivat zugerufen, sei der Enthusiasmus und der Jubel des Volkes auf's höchste gestiegen, so daß das Freudengeschrei gar kein Ende hat finden können. Nun verkündigte der Glockenschall und nun die Vordersten des laugen Zuges, welche über die bunte Brücke ganz sachte ein- herschritten, daß Alles gethan sei. Die Aufmerksamkeit war größer denn je, der Zug deutlicher als vorher, besonders für uns, da er jetzt gerade nach uns zuging. Wir sahen ihn, sowie den gan- zen volkserfüllten Platz beinah im Grundriß. Nur zu sehr drängte sich am Ende die Pracht; denn die Gesandten, die Erbämter, Kaiser und König unter dem Baldachin, die drei geistlichen Kur- fürsten, die sich anschlossen, die schwarz gekleideten Schöffen und Rathsherren, der goldgestickte Himmel, Alles schien nur Eine Masse zu sein, die nur von Einem Willen bewegt, prächtig har- monisch , und so eben unter dem Geläute der Glocken aus dem Tempel tretend, als ein Heiliges uns entgegenstrahlte. Eine politisch-religiöse Feierlichkeit hat einen unendlichen Reiz. Wir sehen die irdische Majestät vor Augen, umgeben von allen Symbolen ihrer Macht; aber indem sie sich vor der himmlischen beugt, bringt sie uns die Gemeinschaft beider vor die Sinne. Denn auch der Einzelne vermag seine Verwandtschaft mit der Gottheit nur dadurch zu bethätigen, daß er sich unterwirft und anbetet. Der von dem Markt her ertönende Jubel verbreitete sich nun auch über den großen Platz, und ein ungestümes Vivat er- scholl^ aus tausend und aber tausend Kehlen und gewiß auch aus den Herzen. Denn dieses große Fest sollte ja das Pfand eines dauerhaften Friedens werden, der auch wirklich lange Jahre hin- durch Deutschland beglückte. Mehrere Tage vorher war durch öffentlichen Ausruf bekannt gemacht, daß weder die Brücke noch der Adler über dem Brunnen preisgegeben und also nicht vom Volke wie sonst angetastet wer- den solle. Es geschah dies, um manches bei solchem Anstürmen unvermeidliche Unglück zu verhüten. Allein um doch einigermaßen dem Genius des Pöbels zu opfern, gingen eigens bestellte Per- sonen hinter dem Zuge her, lösten das Tuch von der Brücke, wickelten es bahnenweise zusammen und warfen es in die Luft. Hierdurch entstand nun zwar kein Unglück, aber ein lächerliches Unheil; denn das Tuch entrollte sich in der Luft und bedeckte, wie es niederfiel, eine größere oder geringere Anzahl Menschen. Diejenigen nun, welche die Enden faßten und solche an sich zo- gen, rissen alle die Mittleren zu Boden, umhüllten und ängstigten

5. Theil 6 - S. 266

1874 - Leipzig : Brandstetter
266 stet mit unbeschränkter Willkür die Gebieter unwissender und ohnmächtiger Menschen sind. Als Geschichtschreiber der) von mir besuchten Länder beschränke ich mich meist auf die Angabe dessen, was in ihren bürgerlichen und religiösen Institutionen mangelhaft oder nachtheilig erachtet werden kann. Wenn ich bei der Fels- bank der Guahiba länger verweilt bin, so geschah es, um ein rührendes Beispiel der Mutterliebe unter einem von lange her verleumdeten Menschenstamme bekannt zu machen; weil es mir nützlich dünkte, eine Thatsache kund werden zu lassen, die ich aus dem Munde eines Franziskaner Ordensmannes kenne, und die den Beweis liefert, wie sehr die Verhältnisse der Mission der Aufsicht und Vorsorge des Gesetzgebers bedürfen. 106. Grcuzländer der Steppen und Wüsten Süd-Amerika's. Afrika's nördliche Wüste scheidet die beiden Menschenarten, welche ursprünglich demselben Welttheil angehören, und deren unausgeglichener Zwist so alt, als die Mythe von Osiris und Typhon scheint. Nördlich vom Atlas wohnen schlicht- und lang- haarige Völkerstämme von gelber Farbe und kaukasischer Gesichts- bildung. Dagegen leben südlich vom Senegal, gegen Sudan hin, Negerhorden, die auf mannigfaltigen Stufen der Civilisa- tion gefunden werden. In Mittel-Asien ist durch die mongolische Steppe sibirische Barbarei von der uralten Menschenbildung auf der Halbinsel von Hindostan getrennt. Auch die südamerikanischen Ebenen begrenzen das Gebiet europäischer Halbeultur. Nördlich, zwischen der Gebirgskette von Venezuela und dem antillischen Meere, liegen gewerbsame Städte, reinliche Dörfer und sorgsam bebaute Fluren an einander ge- drängt. Selbst Kunstsinn, wissenschaftliche Bildung und die edle Liebe zur Bürgerfreiheit sind längst darinnen erwacht. Gegen Süden umgiebt die Steppe eine schauvervolle Wilb- niß. Tausendjährige Wälder, ein undurchdringliches Dickicht erfüllen den feuchten Erdstrich zwischen dem Orinoco und dem Amazonenstrome. Mächtige, bleifarbige Granitmassen verengen das Bett der schäumenden Flüsse. Berge und Wälder hallen wieder von dem Donner der stürzenden Wasser, von dem Gebrüll des tigerartigen Jaguar, von dem dumpfen, regenverkündenden Geheul der bärtigen Affen. Wo der seichte Strom eine Sandbank übrig läßt, da liegen mit offenem Rachen, unbeweglich wie Felsstücke hingestreckt, oft bedeckt mit Vögeln, die ungeschlachten Körper dea Krokodile. Den Schwanz um einen Baumast befestigt, zusammengerollt, lauert

6. Theil 6 - S. 267

1874 - Leipzig : Brandstetter
267 am Ufer, ihrer Beute gewiß, die schachbrettförmige Boaschlange. Schnell entrollt und vorgestreckt, ergreift sie in der Fuhrt den jungen Stier oder das schwächere Wildpret, und zwängt den Raub, in Geiser gehüllt, mühsam durch den schwellenden Hals.. In dieser großen und wilden Natur leben mannigfaltige Geschlechter der Menschen. Durch wunderbare Verschiedenheit der Sprachen gesondert, sind einige nomadisch, dem Ackerbau fremd, Ameisen, Gummi und Erde genießend, ein Auswurf der Menschheit (wie die Otomaken und Jaruren); andere angesiedelt, von selbsterzielten Früchten genährt, verständig und sanfterer Sitten (wie die Maquiritarer und Maeos). Große Räume zwi- schen dem Cassiquiare und dem Atabapo sind nur vom Tapir und von geselligen Assen, nicht von Menschen bewohnt. In Felsen gegrabene Bilder beweisen, daß auch diese Einöde einst der Sitz höherer Cultur war. Sie zeugen für die wechselnden Schicksale der Völker; wie es auch die ungleich entwickelten, bieg- samen Sprachen thun, welche zu den ältesten und unvergänglich- sten historischen Denkmälern der Menschheit gehören. Wenn aber in der Steppe Tiger und Krokodile mit Pferden und Rindern kämpfen, so sehen wir an ihrem waldigen User, in den Wildnissen der Guyana, ewig den Menschen gegen den Menschen gerüstet.- Mit unnatürlicher Begier trinken hier ein- zelne Völkerstämme das ausgesogene Blut ihrer Feinde; andere würgen, scheinbar waffenlos, und doch zum Bkorde vorbereitet, mit vergiftetem Daum-Nagel. Die schwächeren Horden, wenn sie das sandige User betreten, vertilgen sorgsam mit den Händen die Spur^ihrer schüchternen Tritte. To bereitet der Mensch aus der untersten Stufe thierischer Rohheit, so im Scheinglanze seiner höheren Bildung sich stets ein mühevolles Leben. So verfolgt den Wanderer über den weiten Erdkreis, über Meer und Land, wie den Geschichtsforscher durch alle Jahrhunderte, das einförmige, trostlose Bild des ent- zweiten Geschlechts. Darum versenkt, wer im ungeschlichteten Zwist der Völker nach geistiger Ruhe strebt, gern den Blick in das stille Leben der Pflanzen und in der heiligen Naturkraft inneres Wirken; oder, hingegeben dem angestammten Triebe, der seit Jahrtausenden der Menschen Brust durchglüht, blickt er ahnungsvoll auswärts zu den hohen Gestirnen, welche in ungestörtem Einklang die alte, ewige Bahn vollenden. 101. Die Fülle des Lebens in der Natur. Wenn der Mensch mit regsamem Sinne die Natur durch- forscht oder in seiner Phantasie die weiten Räume der organi-

7. Theil 6 - S. 325

1874 - Leipzig : Brandstetter
und die engen, dunklen Schluchten, die selten sich weit genug ausdehnen, um dem Landmanne nützlich werden zu können, sind hoch mit seinen Trümmern überschüttet und bieten nur verküm- merte Sträuche oder vereinzelte Pflanzen, die auf solchem Boden sich nie zu einer saftigen Trift vereinigen können. Von alle dem, wodurch der Mensch das Ansehen einer Landschaft ver- ändert und verschönert, seinen heimischen Dörfern und geschäftigen Städten, seinen Kunststraßen und wohlangebauten Feldern, ent- halten die einsamen Anden keine Spur. Der Ruf der Sennen- hirten begrüßt nicht den Wanderer, wenn er am frühen Morgen die steilen Bergseiten erklimmt, und des Abends tönt nicht aus dem Thale dem Heimkehrenden das friedliche Geläute einer Vesperglocke entgegen. Unfähig, in ihrem Schoß eine Bevöl- kerung zu erhalten, werden die Anden nie anders als in ihrer starren Regungslosigkeit erscheinen können, und dieser Charakter, den man selbst in den Einzelnheiten verfolgt und so schwer mit Worten schildert, wird derselbe bleiben, bis die langsam, aber sicher wirkende Naturkraft im Laufe der Jahrtausende, durch Ver- änderung des Klima's und die gradweise Zerstörung der Ober- fläche, auch diese Gebirge fähig macht, Schauplätze menschlichen Fleißes zu werden. Wenn manche Einzelnheiten der Anden, ihre Felswände, die nur unbemerklich von der senkrechten Richtung abweichen und doch unzerrissen zweitausend Fuß sich erheben, ihre Schluchten, die so oft über fünftausend Fuß tief sind, wenn diese die Aufmerksam- keit fesseln und die Phantasie mit ihrer Schauerlichkeit aufreizen, so tritt später der kalt richtende Verstand in seine Rechte ein, und veranlaßt durch ruhigere Erwägung großartiger Thatsachen eine ernste Bewunderung. Diese Anden, die man, innerhalb ihres Schoßes lebend und von ihren gigantischen Wänden um- geben, nie richtig beurtheilt, und von deren Größe man nur in bedeutender Entfernung erst eine gerechte Idee erhält, erstrecken sich in ununterbrochenen Reihen über sechzig Breitengrade, und messen selbst im nördlichen Chile, wo sie als eine einzige Kette auftreten noch mindestens zwanzig Meilen auf dem Querdurch- messer ihrer Grundfläche. Selbst ohne an die gründliche Lösung der Frage zu gehen, wie groß die Oberfläche sei, die sie bedecken, staunt man über die Resultate einer flüchtigen Berechnung, und staunt noch mehr, wenn man bedenkt, daß ihre mittlere Höhe, vermöge einer Menge von Beobachtungen, in Chile nicht geringer als zwölftausend Fuß angenommen werden könne.

8. Teil 6 - S. 143

1904 - Leipzig : Brandstetter
143 Arnold Herrn. Ludwig Heeren, geb. den 25. Okt. 1760 zu Arbergen bei Bremen, studierte in Göttingen, machte dann größere Reisen, ward 1787 außerordentlicher, 1794 ordentlicher Prof, der Philosophie, 1801 Prof, der Geschichte in Göttingen, starb den 6. März 1842. — Historische Schriften: „Ideen über Politik, den Verkehr und Handel der vornehmsten Völker der alten Welt." „Geschichte des europäischen Staatensystems und seiner Kolonien." „Kleinere historische Schriften" u. a. 57. Der Handel der alten und der neuen Welt. Die Einrichtung des alteil Handels war im ganzen gellomnlen mit vieles einfacher als die des neuern, da die meisten der künstlichen Einrichtungen noch nicht vorhanden waren, ohne welche der neuere Handel jetzt nicht würde bestehen können. Sein Zweck im ganzen blieb beschränkt auf die Stillung gewisser Bedürfnisse, mochten es nun Be- dürfnisse der Notwendigkeit oder des Luxus sein. Der Kaufmann, der sie herbeischaffte, suchte sie teurer zu verkaufen oder zu vertauschen, als er sie eingekauft oder eingetauscht hatte, besonders wenn sie durch seine Industrie veredelt waren. Auf diese Weise bereicherte er sich; aber über diesen Kreis gingen auch seine Spekulationen*) nicht hin- aus. Der Handel des Altertums blieb also seinem Hauptcharakter nach Warenhandel. In vielen, vielleicht, wenigstens im höheren Alter- tume, in den meisten Fällen wurden diese Waren gegen andere ein- getauscht; wo aber auch edle Metalle als Maßstab des Wertes ge- braucht wurden, geschah es gewiß mehr nach dem Gewicht als nach dem Gepräge. Wir wissen von den Phöniziern, den Persern und anderen Völkern, daß sie Geld prägten; wir wissen auch von einigen Geldarten, daß sie auch in fremden Länderm im Umlauf waren, wie die Dariken bei den Griechen; aber wie weit dies im ganzen der Fall war, darüber sind wir fast gar nicht unterrichtet. Wie dem aber auch sein mag, so ist doch so viel gewiß, daß der Geldhandel, der einen Hauptzweig des neuern Handels ausmacht, im Altertume zwar nicht gänzlich unbekannt, aber doch in seiner Kindheit blieb. In den großen Städten, wie in Athen, Rom, Alexandrien und andern, wo ein be- ständiger Zusammenfluß von Fremden war, mußte zwar auch Geld- umsatz stattfinden, und es gab Wechsler, die sich damit beschäftigten; aber so lange es noch keine Wechsel gab, konnte jeder Geldumsatz kein Hauptzweig des Handels werden. Die Spuren, die man in ein paar Stellen alter Schriftsteller zu finden glaubt, sind zweifelhaft und deuten schwerlich auf etwas weiteres als auf bloße Anweisungen. Daß dergleichen häufig auf einen dritten ausgestellt wurden, war natürlich; 1 1) auf Handelsvorteile berechnende Nachforschungen, Berechnungen eines Unter- nehmens auf wahrscheinlichen Gewinn.

9. Teil 6 - S. 144

1904 - Leipzig : Brandstetter
144 allein man kannte die Kunst noch nicht, diese durch eine weitere Zir- kulation 2) wieder zu Gegenständen des Handels zu machen. Der Geld- handel im großen, wie er gegenwärtig ist, steht außerdem in einer zu genaueil Verbindung mit dem öffentlichen Kredit der Staaten, be- sonders der großen Handelsstaaten, und ist erst eine Folge der Kunst gewesen, auf die der menschliche Geist vielleicht am meisten raffiniert3) hat, öffentliche Schulden auf die möglichst vorteilhafte Art zu machen und wieder abzutragen. Diese Kunst blieb unbekannt in der alten Welt, weil sie überflüssig war. Die damals so viel geringeren Staats- ausgaben wurden entweder durch aufgelegte Tribute bestritten oder auch in außerordentlichen Fällen, wenigstens in Freistaaten, durch freiwillige Anleihen von Bürgern, die man zurückzahlte, aber die kein Gegenstand einer kaufmännischen Spekulation werden könnten. Der eigentliche Wechselhandel aber setzt ein Wechselrecht voraus und kann schwerlich ohne regelmäßig eingerichtete Posten bestehen, weil alles dabei auf eine sichere, schnelle und häufige Korrespondenzz ankommt. Es ist zwar sehr verkehrt, wenn man eine plötzliche Aufhebung unserer Posteinrichtungen annimmt, und aus der Stockung, die alsdann ent- stehen müßte, auf die geringe Lebhaftigkeit des alten Handels zurück- fchließen will; (denn die Aufhebung einer schon bestehenden Einrich- tung ist immer mit weit größeren Unbequemlichkeiten verbunden als ihr gänzlicher Mangel, wo sich vor: selbst andere Ersatzmittel zu finden pflegen;) aber daß gewisse Zweige unsers Handels lediglich von den Posteinrichtungen abhangen und durch sie erst möglich geworden sind, bleibt darum nicht minder eine ausgemachte Sache. Die größere Einfachheit des alten Handels, indem er nur im Kauf und Verkauf der Waren bestand, zeigt sich auch darin, daß nicht so viele und so verschiedene Klassen von Teilnehmern dabei beschäftigt waren wie gegenwärtig. Zwar muß man auch hier nicht zu absprechend in seinen Behauptungen sein. Wer kann uns noch mit Gewißheit darüber belehren, wie es in einem großen phönizischen oder karthagi- schen Handelshause aussah? Daß iit den großen Handelsländern der Handel auch außer den eigentlichen Kaufleuten eine große Menge von Menschen, von Zwischenhändlern u. s. w. beschäftigte, sieht man an mehreren Beispielen, wie z. B. der Kaste der Dolmetscher oder Mäkler in Ägypten; und überhaupt bürgt uns die Unveränderlichkeit der Sitten und des ganzen gesellschaftlichen Lebens im Orient wohl dafür, daß auch die Einrichtungen des Handels sich hier wenig geändert haben. Die Verschiedenheit findet sich also nur hauptsächlich zwischen der Form des jetzigen und des alten europäischen Handels. Wahr- 2) Kreislauf, Umlauf. 3) uachgesonueu. 4) Briefwechsel, brieflicher Verkehr.

10. Teil 6 - S. 269

1904 - Leipzig : Brandstetter
269 schwächere Wildbret und zwängt den Raub, in Geifer gehüllt, müh- sam durch den schwellenden Hals. In dieser großen und wilden Natur leben mannigfaltige Ge- schlechter der Menschen. Durch wunderbare Verschiedenheit der Sprachen gesondert, sind einige nomadisch, dem Ackerbau fremd, Amei- sen, Gummi und Erde genießend, ein Auswurf der Menschheit (wie die Otomaken und Jaruren); andere angesiedelt, von selbsterzielten Früchten genährt, verständig und sanfterer Sitten (wie die Maquiri- tarer und Macos). Große Räume zwischen dem Cassiquiare und dem Atabapo sind nur vom Tapir und von geselligen Affen, nicht von Menschen bewohnt. In Felsen gegrabene Bilder beweisen, daß auch diese Einöde einst der Sitz höherer Kultur war. Sie zeugen für die wechselnden Schicksale der Völker, wie es auch die ungleich entwickelten, biegsamen Sprachen tun, welche zu den ältesten und unvergänglichsten historischen Denkmälern der Menschheit gehören. Wenn aber in der Steppe Tiger und Krokodile mit Pferden und Rindern kämpfen, so sehen wir an ihrem waldigen Ufer, in den Wild- nissen der Guyana, ewig den Menschen gegen den Menschen gerüstet. Mit unnatürlicher Begier trinken hier einzelne Völkerstämme das aus- gesogene Blut ihrer Feinde; andere würgen, scheinbar waffenlos, und doch zum Morde vorbereitet, mit vergiftetem Daumnagel. Die schwächereil Horden, wenn sie das sandige Ufer betreten, vertilgen sorg- sam mit den Händen die Spur ihrer schüchternen Tritte. So bereitet der Mensch auf der untersten Stufe tierischer Roheit, so im Scheinglanze seiner höheren Bildung sich stets ein mühevolles Leben. So verfolgt den Wanderer über den weiten Erdkreis, über Meer und Land, wie den Geschichtsforscher durch alle Jahrhunderte, das einförmige, trostlose Bild des entzweiten Geschlechts. Darum versenkt, wer im ungeschlichteten Zwist der Völker nach geistiger Ruhe strebt, gern den Blick in das stille Leben der Pflanzen und in der heiligen Naturkraft inneres Wirken; oder, hingegeben dem angestammten Triebe, der seit Jahrtausenden der Menschen Brust durchglüht, blickt er ahnungsvoll aufwärts zu den hohen Gestirnen, welche in ungestörtem Einklang die alte, ewige Bahn vollenden. 102. Die Fülle des Lebens in der Natur. Wenn der Mensch mit regsamem Sinne die Natur durchforscht oder in seiner Phantasie die weiten Räume der organischen Schöpfung mißt, so wirkt unter den vielfachen Eindrücken, die er empfängt, keiner so tief und mächtig als der, welchen die allverbreitete Fülle des Lebens erzeugt. Überall, selbst nahe an den beeisten Polen, er-
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