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1. Lehrbuch der Weltgeschichte - S. 156

1852 - Leipzig : Wigand
156 Dritter Zeitraum. Iii. Abschnitt. an, dass es alle Mal am ersten Sonntage gehalten werden sollte, welcher ans den ersten Vollmond nach der Frühlingsnachtgleiche einfällt. Daher fällt das Osterfest alle Mal zwischen dem 25. März und 23. April. Die Kirche wurde durch Schenkungen immer reicher, und die Geistlichen suchten sich immer wichtigere Vorrechte zu erringen. Wäh- rend die Religion und mit ihr die Kirche sich immer höher erhob und ausbreitete, zogeir sich einzelne Bekenner des Christenthums in die Ein- samkeit zurück, um hier ihr Leben in frommer Selbstbeschauung zu ver- bringen. So entstanden Einsiedler, wie Paul von Theben. Andere traten in Gesellschaften zusammen. oder versammelten auch, wie P a- chomius und Antonius, Schüler um sich. Dadurch entstanden Klöster und Mönche, welche sich später zu besondern Orden gestalteten. Es bliebe nun noch übrig, Einiges über das Religionssystem der nordischen Völker, von welchem die Götterlehre der Deutschen ein Theil ist, zu berichten. Wie interessant letztere auch ist, können wir doch nicht näher darauf eingehen , weil namentlich die Deutschen zu größerer geschichtlicher Bedeutung erst um die Zeit gelangen, in welcher sie schon ganz, oder doch zum Theil Christen geworden waren, und weil die deutsche Mythologie äußerst dunkel und ohne bleibende Folgen ist. Wir verweisen daher in Bezug darauf auf ein ausschließlich mythologisches Werk. §. 2. Staats form. Augustas hatte durch seine schlaue Poli- tik die Freiheit getödtet und die Römer so vortrefflich an das Gehorchen gewöhnt, dass es sein Nachfolger wagen konnte, das Majestätsgesetz zu erlassen, wonach der Kaiser als über dem Gesetze stehend proclamirt, das Volk aber grausam und übermüthig niedergetretcn wurde. Die Eomitien wurden, um dem Volke auch den letzten Schein von seiner Souveränität zu nehmen, dem Senate übertragen. Bis zu Severus Zeiten blieben jedoch noch mancherlei Erinnerungen wenigstens an die Formen der Republik zurück, ja es schienen die edleren Kaiser mehr die Häupter eines Freistaates, als Imperatoren zu sein, während die Ty- rannei der schlechten Kaiser für gesetzwidrige Bedrückung angesehen wurde. Nur diese Kaiser gaben das Gesetz der Majestätsbeleidigung (crimen laesae majestatis) und besoldeten die Angeber. Wunderbarer Weise spielt die Majestätsbeleidigung auch in den neuesten Zeiten wieder eine wichtige Rolle und das Schauspiel elender Denunciation erneuert sich auf betrübliche Weise fast täglich. Es ist nicht einzusehen, wie ein Herrscher, der so hoch über dem Volke steht, durch ein Wort beleidigt und wie ein solches Wort mit jahrelanger Freiheitsentziehung bestraft werden könne. Enthält eine solche Aeußerung eine Lüge, lo ist der Herrscher darüber erhaben und er wird durch sein Thun den Blas- phemisten bald genug zu beschämendem Schweigen gebracht und so einen moralischen Sieg ohne Gleichen gewonnen haben; enthält sie aber Wahrheit, so ist es nicht allein traurig, dass es eben Wahrheit ist,

2. Lehrbuch der Weltgeschichte - S. 371

1852 - Leipzig : Wigand
Specielle Geschichte. 371 Johannes dem Barmherzigen von Alerandria. Als diese Ritter 1187 aus Jerusalem vertrieben worden waren, wendeten sie sich nach Rhodus und seit 1622 nach Malta, wesshalb man sie Malteser- Ritter nennt. In einem Hause in der Nähe des salomonischen Tempels in Jerusalem stiftete man 1118 einen andern Orden, welcher, weil er so nahe an jenem Tempel gegründet worden war, den Namen der Tempelherrn erhielt, aber schon 1312 in Frankreich auf eine gewaltsame Weise wieder zur Auflösung kam. Im Jahre 1190 legten Kaufleute aus Bremen und Lübeck für kranke Deutsche ein Hospital an. Die Ritter, denen die Pflege der Kranken anvertraut war, nannte man Deutschordens-Ritter. Die Ritter verpflichteten sich zum ehelosen Leben, zum Geleit der Pilger und zur Pflege derselben. Nachdem^ Palästina verloren gegangen war, übernahmen sie die Ausbreitung des' Christenthums. Sie breiteten das Christenthum im härtesten und blu- tigsten Kampfe aus, und stifteten 1230 einen Staat an der Ostsee, der sich endlich unter dem Hochmeister Al brecht von Brandenburg aus einem Ordenslande in das Erbgroßherzogthum Preußen verwandelte. Nach diesen halb geistlichen, halb weltlichen Ritterorden bildeten sich bald eine Menge anderer. Die weltliche Ritterwürde war nicht erblich, sondern musste verdient werden. Eben so vermehrten sich auch in diesem Zeiträume die Mönchs- orden, welche später sehr brauchbare Stützen der päpstlichen Hierarchie abgaben. Dies war besonders der Fall bei dem Bettelorden des Franz von Assisi (Franziskaner 1216) und des Spaniers Domi- nikus (Dominikaner 1206). Die Letztern verwalteten nach dem Aufträge des Papstes Innocenz Hi. (1198—1216) die Inquisition, jenes schreckliche geistliche Gericht, welches eben dieser Papst zur Auf- suchung und Bestrafung der Ketzereien eingesetzt hatte. Ketzereien nannte man damals Alles, was dem Willen und den Wünschen der Päpste nicht genehm war, also nicht blos, wie heutzutage, die von den Ansichten und Lehren der Kirche abweichenden Meinungen. Die Einrichtung der Inquisition erregte in Deutschland eine solche Erbitterung, dass der erste Jnquisitionsrichter, Kon rad von Marburg, der in Sachsen und Thüringen sein Amt mit großer Strenge verwaltete, ermordet wurde (1233), worauf Niemand mehr Lust trug, sein Nachfolger zu werden. Aber je anmaaßender die Päpste seit Gregor Vii. wurden, desto muthi- ger traten auch aufgeklärte Männer gegen sie auf, wie die Katharer, Waldenser, Arnold von Brescia, die Albigenser im südlichen Frankreich, gegen welche Letztere ein förmlicher Kreuzzng unternommen wurde. In diesen Zeitraum gehören auch die sogenannten Minnesänger, welche durch ihre Gesänge die Ritter zur Tapferkeit ermunterten, und oft die rauhen Sitten der Helden milderten. Sie gründeten und be- wahrten die Nationalpoesie, besonders in Spanien und Frankreich, wo die provenpalischen Troubadours, und in Deutschland, wo die schwäbi- 24*

3. Lehrbuch der Weltgeschichte - S. 436

1852 - Leipzig : Wigand
436 Erster Zeitraum. Ii. Abschnitt. wundung wurde er an ein langwieriges Krankenlager gefesselt. Hier las er aus langer Weile Heiligengeschichten, durch welche seine Ein- bildungskraft sich so erhitzte, dass er eine Pilgerreise nach Jerusalem anzutreten beschloss. Von da zurückgekehrt, floh er, von den Jnqui- sitionsgerichten verfolgt, nach Frankreich, wo er einige Freunde um sich versammelte, welche die erste Grundlage des Ordens bildeten, den der Papst Paul Hi. 1540 bestätigte. Die förmliche Ausbildung, so wie genau bestimmte Ordensregeln erhielten die Jesuiten erst durch die Ordensgenerale L a i n e z, Lavier und Aqua v iva. Durch Gelehr- samkeit, seine Bildung, Bekanntschaft mit dem gesellschaftlichen Tone, wussten sich die Jesuiten die höchsten und einflussreichsten Stellen in den Staaten zu verschaffen. Sie waren einer langen Prüfung als Novizen unterworfen, während welcher ihr Charakter und ihre Brauchbarkeit den Vorgesetzten genau bekannt wurde, so dass für jeden nöthigen Posten leicht ein ganz geeignetes Ordensglied sich finden ließ. Die frommen Väter waren nun bald Missionäre, Prediger, Beichtväter, bald Pro- fkssoren, bald Minister, bald Kaufleute. Ihre Moral schmiegte sich in jedes Lebensverhältniss, und wusste selbst den Königsmord und andere Verbrechen zu rechtfertigen, wenn sie nnr zur Ehre und zum Vortheil der allein selig machenden Kirche geschahen. Durch diese Moral wurden sie besonders als Beichtväter beliebt. Der General residirte in Rom, und erhielt fortwährend von den Ordensgliedern aus allen Gegenden der Welt Berichte. Die Ordensglieder halten sogar die Erlaubniss, in erforderlichen Fällen die Ordenstracht abzulegen und in jeder andern Kleidung zu erscheinen. — Der Orden wirkte zwar überall, wo er seine Collégien errichtete, sehr kräftig der Reformation entgegen. Allein das Ankämpfen derselben gegen die immer mehr sich auöbildende Vernunft und gegen die unleugbaren Aussprüche derselben, machte den Orden allmählich verdächtig. Daher wurde er in Portugal, Spanien, Frank- reich aufgehoben, und zuletzt 1773 vom Papste Clemens Xiv. gänz- lich aufgelöst. Zwar hat er in der neuesten Zeit sein Haupt in einigen Ländern wieder zu erheben versucht, aber es steht zu erwarten, dass er nie die frühere Macht erlangen werde. In seiner höchsten Blüthe hatte der Orden 1400 Collégien und über 22,000 Mitglieder. Schon früher (S. 393) haben wir mit wenigen Worten der In- quisition Erwähnung gethan. Auch sie wurde ein Mittel gegen die Ketzerei und zwar das grässlichste, womit sich religiöser Fanatismus brandmarkte. Kein Inquisitor hat aber Schrecklicheres vollbracht, als Torquemada, welcher allein 120,000 Verurtheilungen und Bestrafungen erwirkte. Die Hariptstrase war das Autodafe (von 3etu8 fulei, Glau- benshandlung), wobei die unglücklichen Schlachtopfer mit pomphaften und schauerlichen Proceduren dem Flammentode preisgegeben wurden. Der leiseste Verdacht, die schmachvollste Denunciation der Ketzerei waren Grund genug zur Verurtheilung, und die Folter wurde in schauder-

4. Lehrbuch für den erzählenden Geschichts-Unterricht an höheren Schulen - S. 192

1895 - Freiburg i.B. : Wagner
192 vor Gott und Kaiserlicher Majestt" verantworten knnten. Alsbald traten unter Luthers und Melanchthons Mitwirkung in Kursachsen und in der Landgrafschaft Hessen, in Lneburg und Anhalt, ja bis nach Preußen und Livland hinein lutherische Landeskirchen ins Leben, deren Bischfe die Landesherren waren. Auch eine Anzahl oberdeutscher Reichsstdte fhrten die Reformation ein. Das Vermgen der aufgehobenen Klster wurde zur Errichtung von Volksschulen verwendet. 3. Auch in Dnemark und in Schweden, welches der junge König Gustav Wasa soeben von der Dnenherrschaft be-freite, kam die neue Lehre zur Herrschaft. 4. In hellen Haufen strmten jetzt die Deutschen, vorab die Lutherischen, dem Kaiser zu. Sein Feldhauptmann Georg Frnndsberg fhrte sie der die Alpen. Auf schmalem Saum-pfad schritt der dicke Herr zwischen zwei Landsknechten, die eine Lanze zur Sttze vorhielten, damit er nicht abstrze. Die Auf-regung infolge einer Meuterei brachte ihm den Tod; aber die Kaiserlichen strmten Rom; die ewige Stadt" erlebte Mord und Verwstung. 5. In seiner Siegesfreude lie der Kaiser durch seinen 1529 Bruder Ferdinand auf dem zweiten Speierer Reichs-tag die neue Lehre wieder verbieten. Aber die lutherischen Fürsten berreichten eine Rechtsverwahrung, einen Protest"; davon erhielten sie die Bezeichnung Protestanten. Als jedoch Soliman mit Rennen und Brennen" vor Wien erschien, leisteten sie Hlfe gem ihrer Pflicht, die ihnen Martin Luther eindringlich vorstellte. Kaum war der Friede erwirkt, da eilte Karl von Bologna, wo der Papst ihm an seinem 30. Geburtstag die Rmerkrone aufs Haupt setzte, nach Augsburg. Dort auf dem Reichstag lie 1530 er sich das Augsburgische Glaubeusbekenntnis vorlesen. Aber dem Geiste milder Vershnlichkeit, in welchem Melanchthon diese Urkunde abgefat hatte, war er unzugnglich. Er forderte von den Protestanten bis zum Frhjahr die Unterwerfung unterem Konzil. Mit nassen Augen ritt der greise Kurfürst Jo-Hann der Bestndige, Friedrichs des Weisen Brnder, von seinem Kaiser weg. Der offene Kampf war unvermeidlich; nur die Besorgnis vor einem neuen Kriege mit Trken und Franzosen hinderte Karl, Gewalt anzuwenden. 6. Die protestantischen Fürsten aber schlssen zu Schmal-kalden im Thringer Walde zur Verteidigung ihres Glaubens ein Bndnis, das nach dem Beitritte der groen Städte, wie Magdeburg und Lbeck, vom Bodensee bis zur Ostsee reichte. So yrute der Kaiser endlich den Nrnb erger R e ligions-

5. Lehrbuch für den erzählenden Geschichts-Unterricht an höheren Schulen - S. 144

1895 - Freiburg i.B. : Wagner
- 144 Gewhnlich durch einen Fürsten ober einen Groen gestiftet und mit Besitz ausgestattet, umfate das Kloster eine Kirche und um biesen Mittelpunkt Speisesaal (Refektorium) und Abtswohnung, Schlaf- und Frembenhnser mit Zellen, Schul- und Wirt-schaftsgebnde, bazwischen Hfe und Grten. Das Ganze war mit Mauer und Wall umschlossen. 2. Hier fhrten fromme Leute unter einem selbstgewhlten Abt (btissin) unter den Gelbben Armut, Gehorsam, Ehe-losigkeit ein gemeinsames, Gott wohlgeflliges Leben. Was beieinzelne Bruder erwarb, fiel dem Kloster zu; Schenkungen er-weiterten den Besitz. Die Mnche pflegten Arme ttnb Kranke und waren Lehrer und Vorbilder der schnen Christenpflicht, die Arbeit zu ehren. Sie rodeten den Wald zu Acker- und Wein-bau; in den Klostergrten reiften die ersten Pfirsiche und Apri-kosen, blhten die ersten Edelrosen und Lilien in deutschen Landen. Auch im Fischsang, Huserbau und Gewerbeleben waren die Mnche Lehrmeister des Volkes. Die Beschftigung whlte jeder nach Neigung und Geschick. Einer beaufsichtigte die Handwerksleute, Knechte und die Laienbrder, die oft vor-nehmen Husern entstammten; ein anderer schrieb fr die Kloster-bcherei ober auf Bestellung vornehmer Leute lateinische ober griechische Werke mit kunstvoll gemalten Anfangsbuchstaben (Jni-tialen) ab, ein britter verlegte sich auf Malerei ober Schnitzerei in Holz ober Elfenbein, ein vierter auf Harfen- und Orgel-spiel und leitete den b am als erfunbenen mehrstimmigen Gesang; anbere zogen mit Spie und Keule auf die Jagd oder den Ruberfang; und kam ein Feind ins Land etwa die Ungarn, so trug auch der ehrwrdige Pater unter der gegrteten Kutte den Panzer und fhrte Schwert und Speer in starker Faust. 3. Die segensreichste Einrichtung der Klster waren die Schulen. In der inneren" wurden die knftigen Mnche erzogen, in der ueren", minder strengen, die Kinder vor-nehmer Huser fr das weltliche Leben herangebildet. In beiden Schulen hatte die Rute viel zu thurt, wie benn auch fr die Mnche jebes Kloster seine Geielkammer bereit hielt. Neben der Anleitung zu den Andachtsbnngen umfate der Unterricht Lesen, Schreiben, Rechnen, Latein, auch lehrte man eine Zeichensprache, da zu gewissen Tageszeiten das Sprechen verboten war. Das Latein, damals die Sprache der Gebildeten aller Völker, verstanden und schrieben auch vornehme Frauen, wie denn auch zahlreiche Frauenklster bestanden. Mit lateinischen Versen ehrten die Klster ihre Gnner und Schutzvgte. Kaiserin Adelheid pstegte ihrem Lwen", dem des Lesens kaum kundi-gen Kaiser, die einlaufenden lateinischen Briefe vorzulesen; der

6. Lehrbuch für den erzählenden Geschichts-Unterricht an höheren Schulen - S. 156

1895 - Freiburg i.B. : Wagner
156 Um die Osterzeit 1189 brach der Kaiser mit dem glnzendsten und tchtigsten Heere des Mittelalters von Regensburg auf; niemand durfte mit, der sich nicht selbst verpflegen konnte. Trotz aller Griechenlcke erreichte er Asien, er selbst als der letzte Mann seines Heeres: Seid getrost meine Brder! Gott ist mit uns!" rief er beim Landen. Auch in den unsglichen Bedrng-nissen der Einden Kleinasiens hielt er den Mut der Seinen aufrecht. Bei Jkonium warf sich der Heldengreis selbst mitten in ein feindliches Heer und erfocht seinen letzten glanzvollen .... Sieg. Wenige Tage darauf ertrank er im Flusse Saleph beim liy ^aden oder beim Ubergang. Zwei Ritter brachten ihn als Leiche ans Land. In grenzenlosem Leide kehrten viele um; die andern zogen unter des Kaisers Sohne, Herzog Friedrich von Schwaben, weiter und bestatteten ihren Kaiser in Antiochia. 2. Vor Akkon brach eine furchtbare Pest aus; ihr erlag auch der junge Friedrich. Herzog Leopold von sterreich, der nunmehr das Kreuzheer fhrte, ward von dem herrischen König von England, Richard Lwenherz, der zur See gekommen war, beleidigt und zog heim. Als sich nun Richard nach mancherlei Abenteuern im Pil-gerkleide durch Deutschland schleichen wollte, um eine Emprung seines Schwagers, Heinrichs des Lwen, zu untersttzen, lie ihn Leopold fassen. Heinrich Vi. setzte ihn auf die Feste Trifels und erprete den Englndern ein ungeheures Lsegeld. Bald nachher starb der alte Lwe in Braunschweig, von der ^age verherrlicht, wie sein heldenmtiger Schwager und wie sein groer kaiserlicher Gegner, welchen die Liebe des Volkes unter seiner Bergpfalz Kyffhausen im Zauberschlafe fortleben lie. 3. Friedrich von Schwaben erwirkte knrz vor seinem Tode noch einem deutschen Orden die ppstliche Besttigung. Zur Aufnahme der reisemdeu Pilger gab es seit Jahr-Hunderten fromme Herbergen (Hospize). So die Brderschaften vom heiligen Johannes und vom Tempel Salomons. Aus ihnen erwuchsen zwischen den zwei ersten Kreuzzgen die geistlichen Ritterorden der Johanniter und Templer, die zu den drei Mnchsgelbden des hl. Benedikt noch die Pflege der Siechen und die Verteidigung des heiligen Grabes fgten. Ebenso hatte der Opfersinn bremischer und Mischer Kaufleute bei Akkon (Ackers) die deutsche Bruderschaft des Hospitals Unsrer lieben Frauen Maria" geschaffen. Sie wurde jetzt zum Deutsch-Herren-Orden. Alle drei Krperschaften bestanden aus Rittern, Geistlichen und dienenden Brdern (Krankenpflegern u. dgl.),

7. Lehrbuch für den erzählenden Geschichts-Unterricht an höheren Schulen - S. 188

1895 - Freiburg i.B. : Wagner
4. Im Waldfrieden der Wartburg begann Luther seine Bibelbersetzung. Jeder seiner lieben Deutscheu" sollte das Wort Gottes lesen, mit eigenen Augen die Grundlagen seines Glaubens prfen knnen. Luther verdeutschte das Neue, dann auch das Alte Testament nach der Sprache der Urschrift; er hatte von den Humanisten das Griechische, das Hebrische von seiuem jungen Amtsgenossen Philipp Melanchthon (aus Bretten bei Karlsruhe) gelernt, dessen Oheim Johannes Renchlin es aus Frankreich zuerst nach Deutschland gebracht hatte. Das Schwerste aber war, eine Sprache zu finden, die in allen Teilen unseres Vaterlandes verstanden wurde; denn jeder Gau hatte seine eigene Mundart, so da der Plattdeutsche von der Nordsee-Ebene mit dem Manne vom Oberrhein sich nur schwer verstndigen konnte. Da hat denn Luther mit unsglichem Fleie der Mutter im Hanse und den Kindern auf der Gasse" auf den Mund geschaut, hat mhsam die gelufigen Ausdrcke aufgesucht und so die neuhochdeutsche Schriftsprache zu allgemeiner Geltung gebracht. 5. Er hat auch unserer Volksschule den Weg geebnet. Vor allem ermahnte er die Ratsherren deutscher Städte, tchtige christliche Schulmeister zu halten, welche die liebe Jugeud" im Glauben unterweisen sollten und in den Sprachen; denn diese seien die Scheide, in welcher das Wort Gottes stecke. Auch der Musik, die er von Kind auf geliebt, wollte er in der Schule eine Pflegesttte bereiten. Er felbst begrndete das Kirchenlied; Ein feste Burg ist unser Gott" ist fast zum Volksliede geworden; mit seiner Hausfrau Kthe (Katharina von Bora) und seinen Kindern, unseres Herrgotts Nrrchen", hat er sich gern an Gesang und Saitenspiel erfreut. Im Kreise seiner Hausgenossen war der im Kampfe manchmal unholde Mann liebevoll und milde; er las mit seinen Kindern die Bibel und lehrte sie, wie alle Kreaturen Gottes Heer seien. Gott versteht alle Handwerke," sagte er einmal: in seiner Schneiderei macht er dem Hirsch einen Rock, der hundert Jahre hlt; als ein Schuster gibt er ihm Schuhe an die Beine, und bei der lieben Sonne ist er ein Koch." Die schne Tugend christlicher Pfarr-Huser, die Mildthtigkeit, bte er in einem Mae, das seiner haushlterischen Herrin" manche Sorge schuf; er hat das Paten-silber seiner Kinder verpfndet, um Armen zu helfen. 6. Sein Gottvertrauen hielt ihn aufrecht in allem Kummer, der seinen Lebensabend trbte, namentlich der die wachsende Uneinigkeit in seinem Vaterlande, an dem er mit ganzer Seele hing. Er hat den Ausbruch des inneren Krieges nicht mehr er-lebt. Ein sanfter Tod rief den Greis ab auf einer Reise in

8. Lehrbuch für den erzählenden Geschichts-Unterricht an höheren Schulen - S. 199

1895 - Freiburg i.B. : Wagner
199 - in Katalonien und hielt wie ein Ritter vor der Schwertleite, den Pilgerstab in der Hand, betend und weinend die Nachtwache am Altar der Jungfrau. Statt des Stahlgewandes hllte er sich in ein hrenes Bugewand und grtete sich mit einem dicken Seil, auch wohl mit eiserner Kette. Dann weilte er ein Jahr lang bei den Dominikanern in Manresa. Dreimal tglich geielte er sich, sieben Stunden lag er im Gebete; aber alles Beten und Fasten und alle Selbst-Peinigung gaben ihm keine Ruhe; die Sndenangst trieb ihn bis zu Selbstmordgedanken. 2. Endlich nach wiederholten Wundern berwand er durch eiserne Willenskraft seine Zweifel. Er begann ergreifende B-predigten zu halten und Kinder zu unterweisen; er that eine Wallfahrt nach Rom und Jerusalem. Aber dort untersagten ihm die Franziskaner-Obern seelsorgerische Thtigkeit, weil er weder Vorkenntnisse noch Vollmacht besa. Er kehrte zurck und verlegte sich eifrig auf das Studium. Obgleich schon tief in den Dreiigen, setzte er sich in Barcelona, dann in Alcala bei Madrid und in Salamanka auf die Schul-bank, um Latein zu lernen. Er lebte von Almosen; seine geist-lichen bungen brachten ihn mehrmals in den Verdacht der Ketzerei. Sieben Jahre lang studierte er in Paris^ Philosophie und Theologie. Dort gewann er einige junge Spanier und Franzosen zu einer Bekehrnugs-Wallfahrt nach Palstina, und als sich in Venedig binnen Jahressrist keine Gelegenheit zur Uber-fahrt bot, begaben sich die jungen Männer nach Rom. Schon damals bezeichneten sie sich als das Fhnlein, die Kompanie Jesu"; Christus sollte ihr Feldhauptmann sein im Kampfe gegen den bsen Feind. 3. Auf den Straen Venedigs und Roms mahnten sie in feurigen Predigten zur Bue; eine Hungersnot, welche der harte Winter verschuldet hatte, gab ihnen Gelegenheit, ihre Nchsten-liebe zu bethtigen. So erwarben sie das Vertrauen des Volkes wie des Papstes Paul Iii. Der Himmel hat uns Palstina verschlossen, um uns dafr die Welt zu erffnen," rief Loyola. Durch eine feierliche Bulle erteilte der Papst dem Jesuiten-Orden die Genehmigung, welcher unter Christi Fahnen Gott 1540 dienen" wollte und die Frsorge fr das Seelenheil wie die Aus-breitung des wahren, d. h. katholischen Glaubens, die Abhaltung geistlicher bungen und die Vollbringung frommer Werke, die Erziehung der Jugend, Beichtehren und Krankenpflege als seine hchsten Aufgaben ansah. Neben den gewhnlichen Mnchs-gelbden war der Jesuit zu unbedingtem Gehorsam ausschlie- lich gegen die Befehle seiner Vorgesetzten und des Papstes ver-

9. Lehrbuch für den Geschichtsunterricht an höheren Schulen - S. 142

1901 - Freiburg i.B. : Wagner
142 2. Vor Akkon (Ackers) brach die Pest aus; ihr erlag auch der junge Friedrich. Herzog Leopold von sterreich, der nunmehr das Kreuzheer fhrte, ward von König Richard Lwenherz von England, der zur See kam, beleidigt und zog heim. Als sich nun Richard im Pilgerkleide durch Deutschland schleichen wollte, nm eine Emprung seines Schwagers, Hein-richs des Lwen, zu untersttzen, lie ihn Leopold fassen. Heinrich Iv. setzte ihn ans die Feste Trifels und erprete den Englndern ein schweres Lsegeld. Bald nachher starb der alte Lwe in Braunschweig, von der ^age verherrlicht wie sein Schwager und wie sein kaiser-licher Gegner, welchen das Volk unter seiner Bergpfalz Kyff-hausen im Zauberschlafe fortleben lie. 3. Friedrich von Schwaben erwirkte kurz vor seinem Tode noch einem deutschen Orden die ppstliche Besttigung. Zur Aufnahme der Pilger gab es seit Jahrhunderten fromme Herbergen (Hospize. So die Brderschaften vom heiligen Johannes und vom Tempel Salomons. Ans ihnen erwuchsen zwischen den zwei ersten Kreuzzgen die Ritterorden der Johanniter und Templer, die zu den drei Mnchsgelbden Benedikts noch die Pflege der Siechen und die Verteidigung des . heiligen Grabes fgten. Ebenso hatten bremische und lbische Wallfahrer bei Ackers die Bruderschaft des Hospitals Unserer lieben Franen Maria" geschaffen. Sie wurde jetzt zum Deutschherreu-Ordeu. Alle drei Krperschaften be-standen aus Rittern, Geistlichen und dienenden Brdern (Krankenpflegern u. dgl.) sowie Knechten und Mgden und erhielten Stiftungen im ganzen Abendlande. Nach dem Verluste Palstinas siedelten sich die Johanniter auf Rhodus, dann auf Malta cm ; die Templer auf Eyperu. Ihre Besitzungen lockten König Philipp Iv. von Frankreich. Unter nichtswrdigen Vorwnden lie er sie foltern und ver-1307 brennen: das Vorbild fr Hexenprozesse. Die Brder vom^dentschen Hause" sendete ihr Deutsch-meisterhermann von balzet, der Freund Kaiser Friedrichs Ii., zu den heidnischen Preußen. Unter mchtiger Eiche am Weichselufer schaufelten acht Ritter Wall und Graben fr die tadt Thorn. Unter Strmen Blutes gewann der Orden Preußen und verbreitete das Christentum; er rief Massen von Rittern, Brgern und Bauern, welche das Weichselland mit Stdten und Drfern fllten, von Wlfen und Bren su-berten und durch Deiche vor berschwemmungen sicherten. 1309 Ein Denkmal deutscher Kunst ist die Feste Marienburg, in

10. Lehrbuch für den Geschichtsunterricht an höheren Schulen - S. 113

1901 - Freiburg i.B. : Wagner
113 Erst 45 Jahre alt, starb er in seiner Hauptstadt Paris. 4. Seine vier Shne teilten sich in die Herrschaft. Sie unterwarfen das burgundische Reich im Sden, das thringische im Osten; die Alemannen und Bayern wurden abhngig. Spter gerfiel das Reich in zwei Teile; die Grenzlinie bildete ungefhr die Wasserscheide zwischen Maas und Seine. Das stliche Austrieu oder Austrasien bewahrte deutsche Sitte und Sprache; in dem sdwestlich gelegenen Nenstrien aber eigneten sich die Franken und Burgunder die Sprache, die kirchlichen und stdtischen Einrichtungen und vieles aus dem geistigen und gewerblichen Besitze der Rmer an. Wie sie sind die Langobarden, Burgunder, Westgoten mit den Nachkommen der rmischen Provinzialen zu den roma-nischen Nationen verschmolzen; ihre Sprachen (das Jta-lienische, Franzsische, Spanische und Portugiesische) sind Tochtersprachen des Lateinischen. Iii. Das Christentum und das Kaiserreich. 1. Die Bekehrung der Germanenvlker. 1. Die Legionen und Kaufleute Roms hatten das Christentum an Rhein und Donau verpflanzt. Zu Konstantins Zeit gab es Bischfe zu Kln und Trier; an der Donau wirkte der heilige Severin segensreich. Noch vor der Vlkerwanderung wurde Vulfila (Wlfleiu) der Apostel der Westgoten. Seine Eltern waren Christen. Eine gotische Ruberschar entfhrte sie aus dem Halyslande nach Dacien. Als Gote aufwachsend, erlernte er auch die griechische und lateinische Sprache. Im Jnglingsalter begleitete er als Dolmetscher eine Gesandtschast zu Konstantin dem Groen; in Konstan-linopel wurde er spter zum Gotenbischof geweiht. Unermdlich lehrte er den Christenglauben; er bersetzte mittels einer eigens erdachten Schrift die Bibel in die klang- und formenreiche Sprache feines Volkes. Die Gegner ntigten ihn, mit seinen Anhngern der die Donau zu ziehen. Siebzig Jahre alt, 381 starb er; das Werk der Bekehrung vollendeten seine Schler. Von den Westgoten wanderte die christliche Lehre zu den Ostgoten und Vandalen, dann zu den Burgundern und Lango-barden, Thringern und Bayern. Alle diese Völker hingen dem Arianismus an. Der Heiland, so lehrte der Presbyter Anus von Alexandrien, sei ein Geschpf Gottes, er knne also dem Vater nicht gleich, sondern nur hnlich sein und 8
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