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1. Geschichte des Mittelalters - S. 48

1870 - Mainz : Kunze
48 seinem Tod 965 in zwei Herzogtümer, Ober - und Niederloth- ringen getheilt. Durch den deutschen Bürgerkrieg gelockt, fallen die Ungarn — zum letztenmal — in das Reich ein. Ottos Sieg auf d em Lechfeld mit der Macht des wieder geeinigten Reiches 955. Eroberung der bayrischen Ostmark (Oesterreich). Berengars Abfall und Angriffe gegen den Pabst bestimmten 961—965 Otto zum zweiten Römerzug 961—965. Völlige Beseitigung Berengars. Ottos Kaiferkrönung („sanctus imperator“) durch Pabst Johann Xii. Seitdem Grundsatz: nur der deutsche König zum Kaiserthum fähig, die Verleihung aber nur in Rom möglich. — Zerwürfnisse mit dem Pabst, dessen Absetzung und Wahl Leos Viii, den Otto gegen alle Angriffe hält. Auf einem dritten Römerzug 966—972 völlige Unterwerfung der auf- ständischen Römer (der Präfect Peter); Befestigung der pübst- lichen Macht in Rom (Johann Xiii) und Herstellung des Kirchen- staates. — Vermahlung seines Sohnes und Thronerben Otto mit Theophano, der Tochter des griechischen Kaisers Romanus, Ii, zum Zweck der Erwerbungen der süditalischen Territorien. — Ottos d. Gr. Tod zu Memleben, Beisetzung zu Magdeburg. 3. Ottcho Ii 973—983, ein begabter, kühnstrebender, aber leidenschaftlicher Fürst, a. Sicherung des Friedens im Innern und der R e i ch s g r e n z e n: Absetzung Heinrichs Ii, des Zänkers, von Bayern (seit 955 Herzog), Abtrennung der Mark Kärnthen von Bayern und Erhebung zum selbständigen Herzogthnm. •— Ottos Einfall in Frankreich gegen König Lothar, der ihn in Aachen bedroht hatte. Aussöhnung beider Könige 980; Sicherstellung Lothringens. — 5. Sein Römerzug 980; Kaiserkrönung 981. Griechen und Araber gegen Ottos Absichten auf Süditalien; seine Niederlage und wunderbare Lebensrettnng in Calabrien 982. — 4. Otto Iii 983—1002, bei feiner Thronbesteigung 4 Jahre alt. Ein Fremdling unter den deutschen Königen; hochgebildet, streng kirchlich, aber ohne kriegerische und politische Thalkraft. Seine Abneigung gegen alles Deutsche, blinde Vorliebe für Rom und den Süden; seine Kaiserkrönung, 996. Einflüsse seiner Mutter und Großmutter Theophano und Adelheid, des Erzbischofs Wil- ligis von Mainz und Gerberts von Rheims, des späteren Pabstes Sylvester Ii. — Aussöhnung mit Heinrich dem Zänker, der sein Herzogthnm

2. Geschichte des Mittelalters - S. 59

1870 - Mainz : Kunze
Gang und Inhalt der Periode: Die zwei Jahrhun- derte, die sie enthält, bezeichnen nach allen Seiten den Höhe- und Wendepunkt des Mittelalters. Die Kirche kommt in den Kreuz- zügen, dem allgemeinen Aufgebot des christlichen Abendlandes gegen das mohammedanische Morgenland, zum Vollgefühl ihrer Macht; die weltlichen Reiche leihen dem Kriegsplan der Päbste ihren Arm. Conflict ihrer Interessen mit denen der Kirche. Doch die eigentlichen Früchte und Anregungen jener als Religions- krieg begonnenen Züge erndtet nicht die Kirche, sondern das bür- gerliche Leben in Handel und Gewerbe, die Cultur und Literatur. Blüthezeit der Mystik und Scholastik, der kirchlichen Baukunst, der Poesie in Epik und Lyrik. — Der den Kreuzzügen parallel laufende Kampf zwischen Reich und Kirche endet zunächst scheinbar- siegreich für die letztere, schließlich aber mit einer Schwächung und Auflösung beider Gewalten. I. Erster Krcnyug. 1086—1099 Grund der Bewegung der Gedanke, Palästina wieder zu einem christlichen Reiche zu machen, gesteigert durch den Druck und Frevel der seldschuckischen Türken, nach dem Zerfall des Chalifats den Herren des heiligen Landes, gegen die abendländischen Pilger (solche Wallfahrten schon seit Heinrich Ii). — Klagen und Hülsegesnche ches großen Griechenkaisers Alexius, des Komnenen (1081—1118). Die Kreuzpredigten Peters von Amiens. Pabst Urban Ii auf den Concillen von Piacenza und Clermont 1095; Be- 1095 geisternng und Zudrang besonders der französischen, nächst- dem der englisch-normannischen und niederländischen, auch der italienisch-normannischen Ritterschaft, in der indeß auch eigennützige Motive Mitwirken. In Deutschland hinderte

3. Geschichte des Mittelalters - S. 98

1870 - Mainz : Kunze
Iv. Außerdrnljche Länder. A. Italien. Initalien bildete sich seit dem Ende dermaufischen Periode ein Anzahl selbständiger Staaten; — ein arges Mißverhältniß zwischen der hochgestiegenen Geisteskultur und der politischen Haltlosigkeit der Halbinsel. Zerrissenheit, Parteifehden, ein Durcheinander und Neben- einander republikanischer und monarchischer Staatsformen, bei aller Auflösung in den edleren Geistern des Volks eine lebendige Sehnsucht nach Vereinigung und Einheit der Theile. Sechs Hauptstaaten treten auf der Halbinsel hervor, l) Zer- splitterung des Kirchenstaates während des Exils der Päbste in Aviguon; Adelsparteiungen in Rom. Der Volkstribun Cola di Rienzi 1347 (s. S. 87). Nach der Rückkehr der Päbste Wiedervereinigung des Gebietes, Centralisierung der Staatsgewalt unter Alexander Vi (Borgia) am Ende des Mittelalters. — 2) Neapel zuerst in den Händen des Hauses Anjou, dann nach dem Aussterben von dessen Mannsstamm, seit der Regierung der viermal vermählten Johanna I (1343—1332), ein Spielball innerer Fehden und der verschiedensten Thronbewerber. Am Schluß der Periode fällt Neapel au das Ara- gonesische Haus, mit dem schon seit 1409 Sicilien vereinigt war. — 3) Florenz (Firenze la bella), schon nach seiner geographischen Lage dazu berufen das Gleichgewicht zwischen den nach der Hegemonie strebenden Staaten des Nordens und Südens aufrecht zu erhaltene bietet in seiner Geschichte ein buntes Bild aller möglichen Verfassungs- formen. Im 12. Jahrhundert aristokratisches Stadtregiment, dann Be- kämpfung und Sturz des ghibellinisch gesinnten Adels durch die Zünfte. Nach mancherlei Wechsel Sieg der vollendeten Demokratie 1378. Er- hebung des Hauses Medici (Johann, Cosmo, Lorenzo ,,il magnificou), unter dessen Primat Florenz im 15. Jahrhundert als Handelsplatz und Geldmarkt, als Fabrikort und Kunststätte, als Hauptsitz der Literatur und Wissenschaft der Zeit die erste Stelle unter den Städten Italiens einnimmt. Einigung der tuscischen Landschaft schon im 13. Jahr- hundert. — 4) Mailand (Milano) einst die Führerin der lombar- dischen Städtefreiheit (s. ob. S. 65 und 72), nach kurzer Herrschaft der welfisch gesinnten della Torre's seit 1277 unter dem ghibellinischen Hause Visconti, das, von König Wenzel 1395 mit der Herzogs-

4. Leitfaden der allgemeinen Weltgeschichte - S. 335

1881 - Freiburg im Breisgau : Herder
§ 125. Politische und gesellschaftliche Zustände im Mittelalter. 335 um Konradin annehmen, allein Manfred hinterging denselben und ;og die Herrschaft an sich im Namen Konradins, wie er vorgab. Anfänglich erklärte er dein Papste, daß er sich ihm unterwerfe, nrn denselben sicher zu machen. Unvermutet überfiel er aber die päpstlichen Truppen und schlug dieselben. Statt das Interesse Konradins zu wahren, liest er sich selbst in Palermo krönen und bekriegte den Papst, so daß dieser sich nach Hilfe umsehen mustte. Da er weder ans Deutschland noch ans England Hilfe bekam, wandte er sich an Frankreich. Daß Karl von Anjou als ein solcher Wüterich sich zeigen werde, konnte Innocenz Iv. nicht ahnen. Er machte übrigens dem neuen Könige wegen seines arglistigen und grausamen Betragens nicht nur herbe Vorwürfe, sondern Klemeus Iv. verwandte sich auch dringend für Konradin und forderte den König Ludwig Ix. von Frankreich, Karls Bruder, ebenfalls dazu auf. 2. Ezzeliuo da Romano (Herr von der Burg Romano), Markgraf von Treviso, war das furchtbarste Haupt der Ghibellinen. Er wütete mit einer solchen Grausamkeit gegen die Gegner der Hohenstaufen, daß er den Beinamen „Menschenschlächter" erhielt, während er sich selbst „Geißel Gottes" nannte. Enzio „trat alles Heilige nieder, s o daß Italien mit Bl nt und Schrecken erfüllt wurde". — Friedrich, der treue Begleiter und Uuglücks-gefährte Konradins, war der ©ohn des Markgrafen Hermann von Baden und der Gertrnde von Österreich, so daß er bald Friedrich von Baden, bald Friedrich von Österreich genannt wird. Mit beiden wurden noch zwölf adelige Deutsche hingerichtet, und Karl von Anjon weidete sich von dem Fenster einer benachbarten Burg aus au dem Schauspiel. Der Gerichtshof, vor den Konradin und seine Gefährten gestellt wurde«, sprach übrigens die Angeklagten mit allen Stimmen bis auf eine frei. Kart verwarf aber diesen Richterspruch und ließ durch deu einen Richter Robert vou Bari den Gefangenen das Todesurteil verkünden und vollstrecken. 3. Die Sizilianer hatten sich gegen die Franzosen verschworen und Peter von Aragonien hatte unter dem Vorwande, gegen die Sarazenen zu ziehen, Schiffe und Mannschaft ausgerüstet. Am zweiten Ostertage (30. März 1282), während das Volk von Palermo im Freien vor den Thoren lustwandelte und auf das Vesperlänten wartete, erlaubte sich ein Franzose, Drouct, gegen eine ehrbare Frau ein ungeziemendes Benehmen. Der Mann sprang herbei und stach bett Franzosen nieder. Damit war das Signal zur allgemeinen Ermordung der Franzosen aus der ganzen Insel gegeben. In Catania kamen 8000, in Messina 3000 Franzosen mit dem Vizekönig um das Leben. Man schonte selbst die Frauen nicht, welche französische Männer geehclicht hatten. 8 125. politische und gesellschaftliche Zustände im Mittetalter. Lehenswesen. Rittertum. Städte. 346) Die Grundlage der mittelalterlichen Staatseinrichtnngen bildete das Lehenswesen, welches sich aus der Zeit herschreibt, in der die karolingischen Könige römische Provinzen und andere

5. Geschichte des Mittelalters - S. 51

1867 - Mainz : Kunze
Vom Untergang des weströmischen Reichs bis zur- Erneuerung re. 51 §. 13. Die römischen Päpste. Bonifacius. Während im Orient die christliche Kirche an den Islam ein Land Die christliche nach dem andern verlor, faßte sie im Abendland von Tag zu Tag Abend! festeren Fuß und gewann immer mehr an Ausdehnung, namentlich lande immer durch die Bekehrung der Germanen, die Verdrängung des arianischen au6' Glaubensbekenntnisses und die Erhebung des römischen Bischofs zum alleinigen Gebieter in Glaubenssachen. Die ursprüngliche Verfassung der christlichen Kirche war eine sehr Die ur- freie. Die Apostel übten auf die Angelegenheiten ihrer Gemeinden noch B^faffünz kein entscheidendes llebergewicht aus, sondern setzten, um die Mitwirkung derchristuchen der Gemeinden für die Leitung der Kirche zu gewinnen, einen Rath Shr*e' der Aeltesten oder Presbytern ein. Diese erhielten bei den Griechen den Namen Episkopen (Bischöfe) als Aufseher oder Leiter des Ganzen. Später traten die begabtesten unter den Presbytern an die Spitze des Bischöfe und Presbyteriums lind beanspruchten für sich allein den Titel eines Bischofs. Presbyter. Hiermit ging die Bildung eines eignen geistlichen Standes Hand in Hand, und unter den Geistlichen selbst entstand eine Abstufung. Der Sprengel der Stadtbischöfe dehnte sich über die benachbarten Landge- meinden und Landgeistlichen ans, die Bischöfe der Provinzialhanptstädte (Metropoliten) traten an die Spitze der anderen geringeren Bischöfe. Unter den christlichen Bischöfen ragten die Metropoliten von Rom, Antiochien, Constantinopel und Jerusalem besonders hervor und er- bangten ein überwiegendes Ansehen. Sie wurden auch Patriarchen genannt. Schon im 3. Jahrhundert übertrug der Bischof Cyprian von Die Oberho- Carthago, welcher die Nothwendigkeit einer sichtbaren Stellvertretung des Bi- der christlichen Gesammtkirche aussprach, diese Auszeichnung auf den Rom wird Bischof von Rom als den Nachfolger Petri. Man erkannte demselben eine gewisse Oberhoheit zu und räumte ihm eine vberrichterliche Gewalt in den Angelegenheiten der Bischöfe ein. Daß gerade der Bischof von Rom zu dieser bevorzugten Stellung erhoben wurde, hatte er wohl dem Umstande zu danken, daß man ihn für den Nachfolger Petri hielt, und daß Rom, die alte Welthauptstadt, auch für die erste Stadt der Christen- heit galt. Schon Kaiser Valentinian Hl. hatte 445 ausdrücklich er- klärt, es sei jeder Bischof verpflichtet, auf Vorladung des römischen Bischofs vor dessen Richterstuhl zu erscheinen; denn in der Kirche werde nur dann Friede bleiben, wenn ein Herrscher in kirchlichen Dingen (l. §• 59) sei. Das zunehmende Ansehen des römischen Bischofs ersieht man am besten daraus, daß er seit Beginn des 6. Jahrhunderts Papa oder Vater genannt wurde. Gregor der Große war es insbesondere, 4* *

6. Geschichte des Alterthums für Mittelschulen und zum Selbstunterricht - S. 149

1857 - Freiburg im Breisgau : Herder
149 Friedrich l, der Rothbart. sein Sohn Heinrich war ihm zwei Jahre vorangegangen, der andere, Friedrich, noch minderjährig. Dreizehntes Kapitel. Friedrich I-, der Rothbart (1152 — 1190). Die Fürsten hatten nach Konrads Tode nur die Wahl zwischen Heinrich dem Löwen und dem Hohenstaufen Friedrich; sie entschieden sich für den letztern, weil von ihm eine Versöhnung mit dem Welfen zu hoffen war, denn er war mütterlicherseits selbst Welfe und dazu Jugend- freund Heinrichs des Löwen. Wirklich gab er auf einem Reichstage diesem das Herzogthum Sachsen zurück und sprach ihm ebenso Bayern wieder zu. Zur Entschädigung für den Babenberger Heinrich, der um Bayern mit den Welfen lange Krieg geführt hatte, wurde die Markgrafschaft Oester- reich zu einem auch in weiblicher Linie erblichen, den Kur- oder Erz- fürstenthümern gleichgestellten Herzogthum erhoben (1156), dem fast gänzliche Freiheit von allen Leistungen gegen König und Reich bewilligt wurde, weil es als Vorwache Deutschlands und von nicht deutschen Völkern fast ganz umgeben genug zu leisten hatte. Friedrichs Streben war dahin gerichtet, dem Kaiserthume die Macht wieder zu verjüngen, welche Karl der Große und Otto der Große geübt hatten. Wie seine Vorbilder wollte er die kaiserliche Oberherrlichkeit über die Kirche wieder Herstellen, obwohl er weder wie Karl eine be- drängte Kirche zu retten, noch wie Otto ihre gestörte Ordnung wieder herzustellen hatte; dieses Streben mußte ihn zum Bruche mit dem Papste führen und dadurch wurden dem Kaiser die besten Kräfte entfremdet, er selbst geradezu an die Gewalt verwiesen. Er wollte Italien erobern, weil die Weltherrschaft mit dem Namen Rom verbunden schien und die reichen italienischen Städte die ergibigsten Steuern der damaligen Zeit abgeworfen hätten, darum sagte er klagenden Lombarden und Siciliern Hilfe zu, den einen gegen Mailand, den andern gegen ihren König. Wie schwer Italien zu behaupten sei, hatten alle Nachfolger Karls des Großen und namentlich die deutschen Könige erfahren. Friedrich wollte erobern, aber welche Macht stand ihm zu Gebote? Seine schwäbisch-fränkische Hausmacht, die Lehensmannen, welche durch ihre Lehen seinem Hause verpflichtet waren. Diese Macht-war eine starke, konnte aber nicht anhaltend zu auswärtigen Kriegen gebraucht werden, weil die Lehensleute durch mehrjährigen Kriegsdienst verarmen mußten,

7. Geschichte des Alterthums für Mittelschulen und zum Selbstunterricht - S. 55

1857 - Freiburg im Breisgau : Herder
St. Bonifaclus, der Apostel Deutschlands. 55 er, einem Ansuchen des Herzogs Odilo folgend, die kirchlichen Verhält- nisse Bayerns, indem er es in die vier Diöcesen Salzburg, Passau, Regensburg und Freising eintheilte und würdige Bischöfe einsetzte. 741 stiftete er die Bisthümer Würzburg, Büraburg und Erfurt (von denen später das erste an Paderborn, das andere an Mainz fiel), 745 das zu Eichstädt. 742 fand das erste deutsche Nationalkoncil (wahrscheinlich zu Frankfurt a. M.) statt, 743 ein Koncil zu Liftinä (bei Kambray), 744 eines zu Soissons, die von ihm geleitet heilsame Beschlüsse faßten. 743 gründete sein Freund und Schüler St. Sturm, ein Bayer, das Kloster Hersfeld, er selbst tief im Urwalde Buchonia, wo ihm Karlmann einen Raum von 4000 Schritten in die Länge und Breite angewiesen hatte, das Kloster Fulda, das für Mitteldeutschlands Kultur so bedeutend wurde. Dieses sein Lieblingsstift hatte St. Bonifacius als den Ort ausersehen, wo er die letzten Jahre seines Lebens, nur wenige meinte er, wenn der gebrechliche Leib dem apostolischen Dienste nicht mehr genüge, in Ruhe zubringen wollte. 747 wurde er Erzbischof von Mainz, Primas für Deutschland, päpstlicher Legat in Gallien und Germanien, salbte 752 Pipin zu Soissons als König der Franken, übergab den erzbischöf- lichen Stuhl seinem Schüler Lullus, den er mit Zustimmung des Papstes selbst zu seinem Nachfolger erwählt hatte und wanderte 753 als Missio- när nach Friesland um dessen Bekehrung zu vollenden. Hier fand er bei Dokkum den 5. Juni 755 mit 52 Gefährten den Tod unter den Streichen einer Heidenschaar; die christlichen Friesen, die um ihn waren, hätten ihn bis zum letzten Blutstropfen vertheidigt, er wollte aber nicht, daß andere für ihn sterben sollten und empfing stehend und betend die tödtliche Wunde. St. Bonifacius war nicht allein dadurch der Wohlthäter unserer Nation, daß er sie der Finsterniß des Heidenthums entriß, heidnischen Aberglauben bei den Neubekehrten durch weise Verordnungen bekämpfte, Klöster und Bisthümer stiftete, die deutschen Stifte in den lebendigsten Verkehr mit dem päpstlichen Stuhle brachte und dadurch in jener Zeit, wo es an Häresieen so wenig fehlte als an nationaler Feindseligkeit, das Bewußtsein der kirchlichen Einheit bei den Völkern diesseits der Alpen befestigte, sondern er wirkte auch den Uebelständen kräftig ent- gegen, welche in der abendländischen Kirche viel Unheil anrichteten. Viele Klöster waren reich an Land und Leuten geworden, wie be- reits oben erzählt ist; sie waren die Universitäten jener Zeit, die Se- minarien für Priester und Missionäre, die einzigen Institute, in welchen die vornehme Jugend höhere Bildung erhalten konnte, die Asyle für solche, welche des weltlichen Treibens überdrüssig waren oder sich an demselben nie betheiligen wollten; sie pflegten die Künste, sie übten end- lich die Pflicht der Wohlthätigkeit im weitesten Umfange — hätten sie

8. Geschichte des Alterthums für Mittelschulen und zum Selbstunterricht - S. 194

1857 - Freiburg im Breisgau : Herder
194 Das heilige römische Reich deutscher Nation. beachtet würden, sondern Fürsten und Völker riefen seine Vermittlung oder seinen Schutz an, und machten ihn dadurch zum höchsten Tribunal, zum Friedensrichter der Christenheit. Neben ihm stand der Kaiser, dem mit der Krone das Schutzrecht über die Kirche übertragen wurde; ihn anerkannte die Christenheit als ihren ersten Fürsten, von ihm erwartete sie, daß er die Bösen strafe, die Gewaltthätigen Niederschlage, die Em- pörer gegen das christliche Gesetz zum Gehorsam zwinge und das Panner der Christenheit emporhalte gegen die Feinde ihres Namens. Der ge- fährlichste dieser Feinde war der Islam, denn Todfeindschaft gegen das Christenthum war und ist sein erstes Gebot; mit dem Schwerte hatte er es in Asien und Afrika vertilgt und bedrohte es von Osten und Westen in Europa; da erhob sich das christliche Europa wie ein Mann und be- stand einen Kampf, der hinsichtlich seiner Dauer und Streiterzahl seines Gleichen noch nie hatte. Doch triumphierte das Kreuz nicht vollständig über den Halbmond; der Entscheidungskampf wurde vielmehr den Nach- kommen als ein Erbtheil hinterlassen. Durch Papst und Kaiser eine feste Ordnung der christlichen Staaten zu begründen gelang auch nicht; denn die beiden Mächtigen entzweiten sich, der Kaiser unterlag mit sei- nen Ansprüchen, seine Nachfolger erbten wohl seinen Namen, aber we- nig von seiner Macht, und das Papstthum mußte so gewaltige Anstren- gungen machen, daß es obwohl siegreich doch geschwächt aus dem großen Kampfe hervorging und die Stellung nicht mehr behaupten konnte, welche ihm seine großartige Wirksamkeit bei dem Aufbau des germanisch-christ- lichen Staatenspstems angewiesen hatte. Doch trug Europas Ringen nach höherer Einigung seines Völkerlebens, sein Heldenkampf mit dem Islam reichen Lohn; erreichte es auch das angestrebte Ziel nicht, so brachte die Entfaltung aller besseren Kräfte so manches andere Treffliche, das man früher nicht geahnt hatte. Ein allgemeiner Aufschwung hob Nationen und einzelne Stände, ein vorher nicht gekannter Verkehr ver- breitete besonders in den Städten Reichthum und Bildung, die Isolie- rung der Nationen hörte auf, Wissenschaft und Kunst bauten gemein- schaftliche Herde, so daß eine europäische Kunst und Literatur auf- blühte. Es war in jener Zeit ein reiches und bewegtes Leben, und wir sehen überall in allen Kreisen eine Kraftfülle schaffen und walten, die uns ganz wunderbar erscheint. Damit ist nicht gesagt, daß damals alles schön und gut gewesen sei; die Leidenschaften trieben damals ihr Spiel wie zu jeder Zeit und um so verderblicher, weil jenes Zeitalter so kräftige, Willensstärke und thatenlustige Menschen hegte; ein heißer Sommer ist ein fruchtbarer, aber auch gewitterreicher, und je höher ein Baum ist, um so weiter wirft er seinen Schatten.

9. Geschichte des Mittelalters - S. 126

1866 - Freiburg im Breisgau : Herder
126 Das heilige römische Reich deutscher Nation. der Beweis, daß die deutsche Nation die erste in der Christenheit sei. Die Beschütznng des hl. Stuhles, die Verteidigung der Kirche gegen innere und auswärtige Feinde war allerdings eine ebenso schöne als hohe Pflicht, aber weil mit ihr zugleich die Oberherrlichkeit über Italien verbunden war, so führte dies zu unaufhörlichen Kämpfen mit den ita- lienischen Städten und Fürsten und mit dem Papste selbst, wenn der Kaiser seine sehr beschränkte Gewalt ausdehnen wollte. Papstthum und Kaiserthum. Die Idee einer ros pulilioa ellristinnu, eines allgemeinen christ- lichen Staatenbundes unter der Oberleitung des Papstes, gehörte ur- sprünglich der Hierarchie an und wurzelte in den christlichen Völkern um so tiefer ein, als die weltlichen Gewalthaber nur zu gerne die Schranken des göttlichen und menschlichen Rechtes durchbrachen und da- durch au die Nothweudigkeit eines höhern Richters mahnten. Das geist- liche Oberhaupt der Christenheit erschien durch seine Unabhängigkeit von dynastischen sowie nationalen Interessen und Leidenschaften, durch die heiligen Pflichten, die ihm seine hohe Würde auferlegten, eigentlich zum Vermittler und Versöhner zwischen feindlichen Fürsten oder Völ- kern , zum gemeinschaftlichen Friedensrichter und Hüter des Völker- rechtes berufen, und kein Mensch bestritt damals auch nur von ferne die Berechtigung des Nachfolgers des Apostels Petrus, für die unter- drückte Unschuld einzuschreiten und zu dem gekrönten Frevler zu sprechen wie Nathan zu David, wie Johannes der Täufer zu Herodes. Die natürliche Folge dieser Stellung war, daß ein ächter Papst, der nicht gewaltsam B. durch Faktionen in Rom und Italien) in seiner Thätigkeit gehemmt wurde, um so energischer eingriff, je mehr durch Despotismus oder Anarchie die gesetzliche Ordnung der christlichen Staaten gebrochen war, und darum wurde der Papst gerade in solchen Zeiten zu dem Mittelpunkte, d^ durch seine Macht es verhinderte, daß die christliche Weltordnung nicht in Trümmer auseinander fiel. Ein solches Einschreiten des Papstes war ein Verdienst um die Christenheit, was die Völker dankbar anerkannten, und darum wuchs die Macht oder das Ansehen des Papstes gegenüber der kaiserlichen bei jedem derartigen Ereignisse. Gerade als die Karolinger das Werk ihres großen Ahnen zer- störten , vollendete oder befestigte vielmehr Papst Nikolaus I. die hier- archische Ordnung im Abendlande und erwirkte für das oberste Richter- amt des Papstes die allgemeine Anerkennung. Auf der einen Seite leitete er die Bekehrung der Bulgaren mit apostolischer Weisheit, auf der andern setzte er gegen den anfänglichen Widerspruch des Erzbischofs Hinkmar von Rheims die Anerkennung des päpstlichen oberhirtlichen

10. Geschichte der neuen Zeit für Mittelschulen und zum Selbstunterricht - S. 53

1862 - Freiburg im Breisgau : Herder
Die Reformation außer Deutschland. Kalvin in 53 welche in die Kirche eingedrungen waren; es erließ die trefflichsten Ordnungen zur Hebung der Geistlichkeit, zur Wiederherstellung der Kir- chenzucht und ist dadurch zu einer wahren Leuchte für die Kirche gewor- den. Es ist auch anerkannt, daß die katholische Kirche nach dem Koncil einen ganz neuen Aufschwung genommen hat; so bewirkte also gerade die Reformation eine neue und sehr nothwendige Erhebung der Kirche. Achtes Kapitel. Die Reformation außer Deutschland. Lalvin in Genf. Das uralte Genf, neben Lyon und Vienne eine der ehemaligen Hauptstädte Burgunds, kam unter Konrad Ii. mit Burgund an das deutsche Reich, und wie in Deutschland alle Bischöfe landesherrliche Rechte erhielten, indem die Kaiser in den geistlichen Fürsten eine Stütze gegen die weltlichen suchten, so erwarb auch der Genfer Bischof fürstliche Rechte, und damit war der Samen der Zwietracht zwischen Stadt und Bischof ausgestreut. Der benachbarte Bischof von Lausanne, dessen Sprengel sich über Freiburg in das Aarthal bis Bern erstreckte, hatte dasselbe Glück; er wurde ein Fürst, und die Stadt war nun in bestän- diger Versuchung, ihrem geistlichen Herrn ein Recht nach dem andern zu entringen. So lange das Haus Savoyen über das Waadtland und das untere Wallis gebot, hatten die beiden Bischöfe an ihm einen Schutz- herrn gegen die Freiheitsgelüste der Städter, wie der Bischof im walli- sischen Sion gegen die unruhigen Thalleute; aber dieser Schutz drohte beständig mit einem Umschläge in Oberherrschaft und verfeindete die Bischöfe mit dem Volke, das in ihnen die Schützlinge des verhaßten Sa- voyens sah. Durch den Burgunderkrieg der Schweizer (1474 bis 1477) änderte sich die ganze politische Lage der Dinge; die Schweizer drangen siegreich bis über Genf vor, Unterwallis wurde von den obern Thalleuten Savoyen entrissen und Berns Uebergewicht in jenem Theile Burgunds war entschieden; diese Stadt aber dachte an Eroberungen, denn noch war ihr kriegerischer Geist ungebrochen und die Staatenver- hältnisse Europas nicht der Art geordnet, daß derselben unübersteigliche Schranken für ihre immerhin nur mäßigen Streitkräfte entgegengestellt waren, um so weniger, als Savoyen durch Frankreichs Kriege um die Herrschaft Italiens in eine verderbliche Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Wendepunkt trat mit dem Uebertritte Berns zur Reformation ein; im Jahre 1536, als Franz I. mit Karl V. den Krieg um Mailand erneuert hatte, rief Genf die Berner um Hilfe gegen den Herzog von
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