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1. Die Weltgeschichte - S. 127

1835 - Mainz : Kupferberg
Concil zu Kostnitz. Hussiten. 127 reich gefangen gehalten, und durch die deutschen Fürsten».C.t- wieder frei, die Beschwerden derselben nicht beachtend, abgesctzt. 8) Ruprecht von der Pfalz vermag weder in Italiener), noch in Deutschland Ruhe und Ordnung wieder herzustellcn, und nachdem durch das wegen der Kirchenspaltung gehaltene Co n eil der Cardin die zu Pisa sogar drei Päbste entstan-^09. den, stirbt er plötzlich. 9) S ieg m und von Ungarn, nach dem Tode seines 1410. Mitbewerbers Jobst von Mahren 1411 allgemein anerkannt, bewirkt durch seinen redlichen Eifer für die Kirche das große allgemeine Concil zu Kostnitz: Flucht des Pabstes1414. Johann's Xxiii. mit Hilfe des Herzogs Friedrichs von Oesterreich; daher dieser in der Rcichsacht und im Banne; Verlust seiner Lander — Eidgenossen. Johann vorgeladen, gefangen, abgesetzt. Gregor Xii. legt freiwillig sein Pouti- sicat nieder; aber Benedict Xiii. in Spanien weigert sich hartnäckig, wird nicht beachtet. Johann H u ß eifert zu Prag gleich dem Engländer Wiclef, gegen die Mißbräuche der Kirche — Ablaß; im Banne, nach Kostuitz geladen, soll er widerrufen, wird, des Geleitsbriefs von Siegmnnd ungeachtet, gefangen verbrannt; 1415. eben so im folgenden Jahre sein Schüler Hieronymus von Prag. Die Kirchenreform unterbleibt; Martin V. Pabst. Concordate der einzelnen Nationen; Siegmund getäuscht, ver- kauft die Mark Brandenburg an Friedrich Vi. von 1417. Hohenzollern, Burggraf von Nürnberg. Erbitterung der Hussiten in Böhmen; ihr Prediger Jakob von Mieß; Versammlungen auf dem Berge Tabor; blutige Unruhen in Prag unter dem blinden Johann Ziska.1419. Tod Wenzel's. Verwüstungen an Klöstern und Kirchen. Siegmund nicht anerkannt. Reichszüge gegen die Hussiten; Sieg derselben bei Teutschbrod. Verschiedene Parteien unter ihnen (die beiden Prokope); ihre verwüstenden Züge nach Schlesten, Mähren, Oesterreich, Baiern rc. Allgemeines Concil zu Basel*); Vergleich mit den1431. *) In demselben Jahre Hol wird Jeamie d’Arc, welche Orlean*

2. Die außereuropäischen Erdteile und die deutschen Schutzgebiete - S. 215

1913 - Dresden : Bleyl & Kaemmerer
— 215 — er begnadigt werden und dann als freier Mann einen Beruf treiben. Bald kamen auch freie Ansiedler, anfangs allerdings nur spärlich, namentlich Engländer, Iren und Deutsche. „So bildete sich aus ihnen, den im Lande zurückgebliebenen Beamten und Soldaten und den freigelassenen Sträflingen allmählich eine freie Bevölkerung". Diese erhob bald Ein- fpruch gegen die weitere Einfuhr von Verbrechern; die Regierung gab endlich nach, und seit 1640 hörte die Verschickung nach Neu-Südwales auf, nachdem im ganzen 82000 Sträf- linge dorthin befördert worden waren. Dann wurde Tasmanien (bis 1854) und zuletzt Westaustralien Verschickungsort, bis man 1868 auch hier die Zufuhr einstellte. Insgesamt hat England in Australien etwa 200000 Sträflinge angesiedelt. Viele von ihnen sind später zu ordentlichen Menschen geworden, manche zu Reichtum und Ansehen gelangt. Bei nicht wenigen allerdings gewann nach der Freilassung die alte Natur wieder die Oberhand, und die Bewohner haben oft schwer unter Diebes- und Räuberbanden zu leiden gehabt. Doch darf nicht vergessen werden, daß die Sträflinge durch die Arbeit, die sie leisten mußten, bedeutend zur Entwicklung des Landes beigetragen haben. Bis um die Mitte des vorigen Jahrhunderts hatte die Bevölkerung nur langsam zugenommen. Als aber 1851 in Neu-Südwales und Viktoria ergiebige Goldfelder entdeckt wurden, strömten aus allen Erdteilen Abenteurer herbei, die in kurzer Zeit reich werden wollten. In 10 Jahren verdreifachte sich die Bevölkerung. Auch später noch wurden durch neue Goldsunde und die Entdeckung von Kupfer- und Silberlagern viele Menschen ange- zogen. Außerdem waren die Regierungen auch darauf bedacht, ländliche Ansiedler zu ge- Winnen. Sie unterstützten solche auf jede Weise, indem sie ihnen Land frei überließen, sie mit Korn zur Aussaat, mit dem nötigen Vieh und Ackergerät versorgten, sie 18 Monate lang ernährten und kleideten und ihnen Sträflinge als Arbeiter zur Verfügung stellten. So wurden immer neue Gebiete der Landwirtschaft dienstbar gemacht und durch Bewässerungs- anlagen und die Erbohrung von artesischen Brunnen selbst Gegenden sür den Anbau und die Viehzucht gewonnen, die anfänglich zur Besiedlung gänzlich ungeeignet erschienen. Die Einführung des Anbaus von Zuckerrohr u. a. tropischen Gewächsen brachte es mit sich, daß man auch Farbige, Malaien und Kanaken, als Arbeiter ins Land zog, da Europäer in den heißen Ländern keine Feldarbeit verrichten können. 1860 hatte die Bevölkerung die erste Million überschritten, 1875 die zweite, 1889 die dritte, 1904 die vierte. Seit etwa einem Jahrzehnt ist die Bevölkerungszunahme indes nur noch gering und beschränkt sich fast ganz ans den natürlichen Zuwachs. Die Einwanderung ist dermaßen zurückgegangen, daß sie die Auswanderung nur wenig mehr übertrifft, obwohl der Erdteil eine noch viel größere Zahl von Bewohnern zu ernähren vermöchte. Diese Stockung in der Volkszunahme ist das Werk der in Australien sehr einflußreichen Arbeiterpartei. Um sich vor jedem Mitbewerb zu schützen und überall ihre hochgehenden Forderungen durchdrücken zu können, hat sie es in den Volksvertretungen durchgesetzt, daß Einwandrer nur unter sehr erschwerenden Bedingungen zugelassen werden. Schon seit 1860 suchte man sich der Chinesen durch eine hohe Kopfsteuer zu erwehren, und seit 1901 wird von ihnen und den Japanern, die sich im Lande niederlassen wollen, die Niederschrift von 50 Worten in einer europäischen Sprache verlangt. Ferner ist die Heranziehung von farbigen Arbeitern jetzt gänzlich verboten, wodurch die Pflanzer tropischer Gewächse schweren Schaden erlitten haben. Auch die europäische Einwanderung hat sehr nachgelassen, da seit 1890 Unterstützungen an ländliche Ansiedler nicht mehr gewährt werden und Fabrik- und Bergarbeiter von den ein- heimischen Arbeitern als „Lohndrücker" gehaßt werden. Die Verteilung der Bevölkerung über den Erdteil ist der Natur des Landes und den verschiedenen Erwerbsverhältnissen entsprechend sehr ungleichmäßig. Am dichtesten bewohnt ist der begünstigtere O. und S.-O.; aber auch hier reicht die stärkere Besiedlung nicht über

3. Die außereuropäischen Erdteile und die deutschen Schutzgebiete - S. 219

1913 - Dresden : Bleyl & Kaemmerer
— 219 — samen Wollträger selbst mit dem schlechtesten Steppengras vorlieb nehmen und tagelang ohne Wasser leben können. Die Weidebezirke erstrecken sich daher weit ins Innere des Erdteils hinein. Die Zucht der anspruchsvolleren Rinder und Pferde ist dagegen der Hauptsache nach auf die feuchten Randgebiete beschräukt und wird in Verbindung mit dem Ackerbau betrieben. Die Zahl der Schafe betrug 1910 92 Mill. Stück, die der Rinder 11, der Pferde 2,14 Mill. Auf je 100 E. kommen in Australien 2000 Schafe und 478 Rinder gegen nur 13 und 33 in Deutschland. In der Schafzucht nimmt das Land weitaus die erste Stelle ein (Argentinien 67 Mill., Vereinigte Staaten von Nordamerika 52 Mill.). Wie der Ackerbau, so hat auch die Viehzucht in Australien mit mancherlei Hemm- nisseu und Plagen zu kämpfen. Am schlimmsten wirken auch hier die Zeiten anhaltender Dürre. In den bösen Jahren von 1891—1902 sank der Bestand an Schafen von 106l/ä auf 54 Mill., der der Rinder von ll1/2 auf 7 Mill. Stück. Die seitdem herrschende feuchtere Witterung hat inzwischen wieder einen starken Zuwachs gebracht. Andre Schädigungen werden durch die Kängurus, die Kaninchen und die Dingos sowie durch häufig auftretende Steppenbrände verursacht. Die Schafzucht wird überwiegend im großen betrieben. Die Züchter oder Squatter (skwotter) bilden die reichste und vornehmste Klasse der Bevölkerung und bewohnen meist prunkvolle, mit Parkanlagen umgebene Paläste in der Nähe der Städte. Die Weidebezirke liegen gewöhnlich weitab davon in dem noch unaufgeteilten, der Regierung gehörigen Lande. Der Squatter ist Pächter. Ein Weidebezirk, Schafstation genannt, um- faßt oft 500—1000 qkm und gibt 50—100000 und mehr Schafen Nahrung. Innerhalb des Bezirks liegt eine kleine Ansiedlung mit Wohnhäusern für die Beamten und Arbeiter, Ställen und Lagerräumen für die Wolle. Früher mußten die Herden ständig von Hirten bewacht werden. Die Schwierigkeit aber, die nötigen Leute zu bekommen, hat dazu geführt, die ungeheuren Weidebezirke ganz mit Draht- oder Holzzäunen einzuschließen. So genügen zur Bewachung jetzt 6—8 Hirten, Stockmen genannt. Nur zur Zeit der Schafschur ist eine größere Anzahl von Arbeitern erforderlich. Von Erzeugnissen der Viehzucht wurden in früheren Zeiten hauptsächlich Wolle und Häute versandt. Wolle steht dem Werte nach auch heute noch an erster Stelle. Daneben aber hat seit den achtziger Jahren der Fleischversand einen gewaltigen Umfang ange- nommen. Lange Zeit wurden große Mengen von Fleisch, weil man es nicht verwerten konnte, vernichtet. Dann begann man, Fleisch in Büchsen eingemacht zu versenden und Fleischextrakt daraus zu gewinnen. Doch »ahm die Sache keinen rechten Aufschwung. Da wurde das Gefrierverfahren erfunden, das es ermöglicht, frisches Fleisch auf große Ent- fernungen hin zu versenden. „Die getöteten Tiere werden nach fleischermäßiger Herrichtung in Kühlräumen durch Zuführung künstlich erzeugter kalter Luft zum Gefrieren gebracht. Nachdem sie 21/2—3 Tage bei 2—3° Kälte zu harten Stücken gefroren sind, werden sie Stück für Stück — Schafe, Kaninchen und Geflügel bleiben ungeteilt, die Rinder werden in Viertel zerlegt — in dünnes, sauberes Leinen eingenäht und in besonders eingerichtete Dampfer verladen, die in ihren Eiskammern bis zu 27 000 Hammelkörper aufnehmen können und sie während der 37 tägigen Fahrt beständig auf — 7 ° halten. England ist augenblicklich der Hauptabnehmer für gefrornes Fleisch, da alle Versuche scheiterten, es auch auf dem europäischen Festlande einzubürgern. Obendrein hat in Europa der australische Fleischversand stark mit der Konkurrenz Neuseelands, Argentiniens und der Union zu kämpfen. Dafür hat Australien während des Burenkriegs große Lieferungen gefrorenen

4. Die außereuropäischen Erdteile und die deutschen Schutzgebiete - S. 186

1913 - Dresden : Bleyl & Kaemmerer
— 186 — Bereits gegen Ende des 16. Jahrhunderts schickte Rußland seine ersten Verbannten nach Sibirien. Größeren Umfang aber nahm die Verschickung erst im 19. Jahrhundert an. Vorwiegend wurden politische Vergehen mit dieser Slrase belegt. Im Durchschnitt entfallen wohl 20000 Verbannte ans das Jahr. Oft ziehen mit den Sträflingen auch deren Angehörige. Schrecklich war früher die lange Reise bis zum Verschickungsorte. Sie wurde ganz zu Fuß zurückgelegt. Täglich, selbst bei Regen, Sturm und Schnee, mußten die Unglücklichen 15 Werst marschieren. „Vor und hinter ihnen ritten Kosaken, die ihnen, wenn sie sich in ihren Ketten durch den Schlamm und Schmutz der Wege schleppten, kein Ausruhen gestatteten. Jetzt werden sie in besonderen Gefangenenwagen mit vergitterten Fenstern auf der Bahn befördert. Manchmal sieht man diese rollenden Gefängnisse auf dem Nebengleise eines Bahnhofs stehen. Bleiche Gesichter schauen durch das Gitter und beobachten mit gleichgültigen Blicken, was auf dem Bahnsteig vor sich geht" (S. Hedin). Das Schicksal der Verbannten ist verschieden. Die schwersten Verbrecher arbeiten gefesselt in Bergwerken und führen ein wahrhaft klägliches Dasein. Andre dürfen sich als Hand- werker oder Arbeiter in einer Ortschaft ansiedeln, diese aber nicht verlassen. Wieder andre bekommen ein Stück Land zugewiesen, das sie zu bearbeiten haben, und müssen als Abgabe eine bestimmte Anzahl Pelze an die Regierung abliefern. Viele entziehen sich durch die Flucht der ihnen auferlegten Strafe und werden als Landstreicher zu einer Plage der freien Bevölkerung. Wirtschaftsleben. Sibirien ist keineswegs so unwirtlich, wie man sich das häufig vorstellt. Die s., etwa 2/5 der Gesamtfläche umfassenden Gebiete eignen sich gut zum Ackerbau, der jetzt die Grundlage des sibirischen Wirtschaftslebens bildet. Es gedeihen alle Getreidearten, dazu Kartoffeln, Flachs, Tabak usw. Die Entwicklung des Ackerbaus litt aber bisher unter dem Mangel an Verkehrswegen. Seit der Eröffnung der Sibirischen Überlandbahn (S. 187) aber hat der Anbau rasche Fortschritte gemacht, und es werden bereits bedeutende Mengen von Getreide ausgeführt. Ebenso hat sich die Viehzucht gehoben, deren Betrieb bedeutend weiter nach N. reicht. 1907 wurden 58000 t Butter im Werte von 63 Mill. Mk. allein nach England versandt. Dazu kommen als weitere Ausfuhrgegenstände Wolle und Häute. Sehr reiche Erträge liefert der Fischfang, der in der Volksernährung eine wichtige Rolle spielt. Die unermeßlichen Schätze des Waldes an Holz sind bisher noch wenig ausgebeutet worden, da der Versand nach Europa zu kostspielig ist. In früheren Zeiten war die Jagd aus Pelztiere eine ergiebige Erwerbsquelle. Die rücksichtslose Verfolgung hat aber unter den wertvollen Tieren stark aufgeräumt. Zobel, Hermeline, Blaufüchse, Iltisse, Nerze und > Marder werden immer seltener. Die Pelztierjagd wird hauptsächlich von Ein- geborenen in wenig bewohnten Waldgegenden, namentlich Ostsibiriens, betrieben. Einen großen Reichtum besitzt Sibirien an Bodeuschätzen. Von Metallen findet man Eisen, Kupfer, Blei, Zink, Silber und Gold. Doch nur die beiden letzten werden bis jetzt in beträchtlichem Umfange gefördert. Die wichtigsten Silber- gruben liegen bei Nertschinsk jenseits des Baikalsees, die bedeutendsten Goldbergwerte am Altai. Außerdem wird Waschgold am Jenissei u. a. Flüssen gewonnen. In der letzten Zeit ist die Goldausbeute beträchtlich gestiegen (1901: 34 400,

5. Die außereuropäischen Erdteile und die deutschen Schutzgebiete - S. 340

1913 - Dresden : Bleyl & Kaemmerer
— 340 — erziehen, sie im Landbau zu fördern und zu umfangreicherer Anpflanzung für den Handel wertvoller Gewächse zu veranlassen. Den von Europäern angelegten Pflanzungen kommt die wichtige Aufgabe zu, als Versuchsanstalten zu dienen und als Musterwirtschaften vorbildlich zu wirken. Der Ackerbau wird von den Eingebornen meist noch als Hackbau und ohne Verwendung von Düngemitteln betrieben. Ist ein Ackerstück ausgesogen, so läßt man es einige Jahre brach liegen und nimmt eine andere Fläche in Betrieb. Die deutsche Regierung hat nun in Nuatfchä eine Ackerbauschule gegründet, in der die Neger in allen in Betracht kommenden Zweigen der Landwirtschaft unterrichtet und praktisch angeleitet werden. Leider aber läßt die Tsetsefliege in manchen Landesteilen die Haltung von Zugvieh und damit den Gebrauch des Pfluges und natürlichen Dunges nicht zu, und man muß vielfach künstliche Düngemittel verwenden. Die Bestrebungen der Regierung sind von Erfolg gekrönt; die Erträge der Landwirtschaft nehmen von Jahr zu Jahr zu. Unter den Erzeugnissen des Ackerbaus kommen Jams, Negerkorn, Erdnüsse, Bohnen usw. nur als Nahrungsmittel der Eingebornen in Betracht. Ausgeführt werden besonders Mais und Baumwolle. Von hohem Werte ist ferner die Gewinnung von Palmöl und Palmkernen, Kokosnüssen, Kautschuk und Elfenbein. Mais ist schon seit langem von den Eingebornen für den eignen Bedarf ge- pflanzt worden. Aber erst in den letzten Jahrzehnten hat sein Anbau einen größeren Umfang angenommen, so daß jetzt schon ansehnliche Mengen ausgeführt werden können (1909: 979000, 1910: 290000 Mk.). Auch der Anbau der Baumwolle wird schon seit alters betrieben, besonders in Mitteltogo, das sich am besten dazu eignet. Aber die er- zeugte Sorte war geringwertig, und die Ausfuhr lohnte nicht. Seit 1900 hat man mit andern, bessern Arten Versuche angestellt; man hat zudem des Baumwollbaues kundige Neger aus Amerika herübergeholt, Entkörnungsmaschinen aufgestellt und den Eingebornen einen Mindestpreis für die Baumwolle zugesichert. Die Maßnahmen versprechen einen guten Erfolg und lassen die Hoffnung berechtigt erscheinen, daß Baumwolle in absehbarer Zeit zum wichtigsten Ausfuhrgegenstande des Schutzgebiets werden wird. (A. 1907: 231000, 1910: 456000 Mk.). Einen dauernden, noch sehr steigerungsfähigen Ertrag ver- sprechen die Ölpalmen (S. 41), die sich in großer Zahl in Süd- und Mitteltogo finden. Nur etwa 1i3 der Bestände kann bis jetzt sür die Ausfuhr ausgenutzt werden; die übrigen warten noch der Erschließung durch die Eisenbahn. An zweiter Stelle unter den wild- wachsenden Erzeugnissen des Landes steht der Kautschuk (S. 52). Er wird fast aus- schließlich durch Anzapfung von Schlinggewächsen (Landolphia-Lianen) gewonnen, die in den Urwäldern des Togogebirges massenhaft vorkommen. Da die Schlingpflanzen durch die Anzapfung zugrunde gehen, so muß der Gummiertrag, der bis jetzt noch stetig zuge- nommen hat, mit der Zeit wieder abnehmen, wenn es nicht gelingt, durch Anpflanzung von Gummibäumen einen Ersatz für den Ausfall zu schaffen. Es gibt in Togo nur vier von Deutschen angelegte Pflanzungen von mäßigem Umfange, und ihr Beitrag zur Ausfuhr ist bis jetzt gering (Abb. 65). Am aussichts- reichsten ist der Anbau von Kokospalmen (S. 238) auf dem sandigen, früher ertraglosen Küstenstrich. Im Gebirge hat man mit Kakao- und Kautschukpflanzungen begonnen.

6. Die außereuropäischen Erdteile und die deutschen Schutzgebiete - S. 292

1913 - Dresden : Bleyl & Kaemmerer
— 292 — erwies sich der Landstrich zwischen Kolon und Panama, einmal, weil sie die kürzeste Verbindung zwischen beiden Meeren ist, und zum andern, weil der Boden hier nur zu einer Höhe von 85 m ansteigt. Der Kanal war als Schleusenkanal gedacht. Seine Länge wurde auf 73 km berechnet, die Kosten auf 675 Mill. Mk. veranschlagt. Aber der Ausführung, mit der man 1881 begann, stellten sich ungeahnte Schwierigkeiten in den Weg. Es crgab sich, daß nicht, wie man berechnet hatte, 75, sondern 150 Mill. edw Erde ausgehoben werden mußten. Das Gestein erwies sich als viel härter, als man angenommen hatte. Dazu kam, daß das ungesunde Klima Tausende von Menschen hinwegraffte und Arbeiter darum uur zu unglaublich hohen Löhnen zu gewinnen waren. So gingen die Geldmittel rasch zu Ende, und 1889 mußten die Arbeiten eingestellt werden. Der Panamakrach hatte dann noch eine Reihe böser Prozesse im Gefolge, durch die große Unterschlagungen ausge- deckt wurden und die beinahe auch den Leiter des Unternehmens, den verdienten Lesseps, ins Gefängnis gebracht hätten. Um wenigstens einen Teil der aufgewendeten Gelder zu retten, bildete sich 1894 die Panama-Baugesellschaft, die aber ihre Arbeiten auch nicht zu Ende führen konnte. Inzwischen waren die Nordamerikaner mit dem Plan hervorgetreten, einen Kanal an andrer Stelle, nämlich durch die Nikaraguasenke, zu bauen. Ter Plan kam aber nicht zur Ausführung, da die Panamagesellschaft 1904 alle ihre Rechte gegen die Summe von 168 Mill. Mk. an die Union verkaufte, die nun den weiteren Bau auf Staatskosten übernahm, nachdem sie sich schon 1900 durch einen Vertrag mit England das alleinige Recht zum Bau und Betrieb eines mittelamerikanischen Kanals gesichert hatte. Der Kanal wird nach den neuen Plänen 79 km lang werden und soll eine Tiefe von 12,5, eine Sohlenbreite von 46 und eine Spiegelbreite von 67 m erhalten. Durch gewaltige Schleusen werden die Schiffe bis zu einer Höhe von 26 m gehoben. Die Kosten hat man auf 1500 Mill. Mk. veranschlagt. Man hofft den Kanal bis zum Jahre 1914 fertigstellen zu können. Der Bau des Kanals wird als technische Leistung den des Sueskanals weit übertreffen, an Bedeutung für den Verkehr aber beträchtlich hinter ihm zurückbleiben. Die europäischen Schiffe werden nach Süd- und Ostasien und Australien auch ferner den kürzeren Weg durch den Sueskanal nehmen. Nur die Westküste Amerikas wird durch den Panamakanal Europa bedeutend näher gerückt. Die Wegkürzung beträgt z. B. von Hamburg nach Valparaiso 2400, nach Gnayaquil 6800, nach San Franzisko 13000 km. Den Hauptgewinn werden die Vereinigten Staaten haben, die durch den Kanal nicht nur eine kürzere Verbindung nach der Westküste Südamerikas, sondern auch nach Ostasien erhalten, wo sie wahrscheinlich dem europäischen Handel empfindliche Verluste bringen werden. V. Westindien. Allgemeines. Die Westindischen Inseln bilden einen gewaltigen, gegen 4000 km langen Bogen, der sich von den Halbinseln Dukatan und Florida bis zur Nordküste Südamerikas hinzieht. Sie stellen eine zweite, wenn auch unter- brochene Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika her und begrenzen gegen N.--O. und O. das große amerikanische Mittelmeer. Dieses besteht aus zwei ungleichen Teilen, dem gewaltigen, 1,5 Mill. qkm umfassenden Busen von Mexiko und dem doppelt so großen Karibischen Meere, die durch die 200 km breite Aukatanstraße zusammenhängen. Die Inseln gliedern sich in 3 Gruppen oder Reihen: die Balmmainseln, die Großen Antillen (Kuba, Haitis Portoriko, Jamaika) und die Kleinen Antillen. Die erstgenannte Gruppe

7. Die außereuropäischen Erdteile und die deutschen Schutzgebiete - S. 358

1913 - Dresden : Bleyl & Kaemmerer
— 358 — Eine stärkere Besiedlung des Landes ist nur möglich, wenn es gelingt, das nötige Wasser zu erschließen. Das ganze Jahr hindurch fließende Quellen gibt cs nur in einigen Gebieten, so am Waterberg und in der Gegend von Windhuk. Aber das Land ist doch nicht so wasserarm, wie es anfangs schien. Wie schon erwähnt, stößt man auch während der Trockenzeit in den Flußbetten schon in geringer Tiefe auf das begehrte Naß, das hier bloß gehoben zu werden braucht. Auch entfernt von den Flüssen hat man an vielen Stellen durch Bohrungen in Tiefen von 10—25 m ergiebige Wasseradern erschlossen. Während man früher nur hier und da, wo es gerade dringend nötig war, Brunnen anlegte, wird seit 1906 das Aufsuchen von Wasser planmäßig von der Regierung betrieben. Zwei Bohrabteilungen, deren jede wieder aus mehreren Rotten besteht, die eine im Nama-, die andre im Damaralande, sind jetzt andauernd damit beschäftigt, neue Quellen zu erschließen. Da die Auffindung unterirdischer Wasseradern nicht leicht ist und man doch nicht aufs Geratewohl die kostspieligen Bohrungen vornehmen will, werden die Arbeiten von einem landeskundigen Geologen geleitet. Im Jahr 1909 wurden soviel Brunnen gegraben, daß jeden Tag 21000 Ki Wasser gefördert werden konnten, eine Menge, die für 90000 Menschen oder 60000 Stück Großvieh hinreichen würde. Das folgende Jahr brachte sogar einen Zuwachs von 52000 hl. Ein artesischer Brunnen an der Grenze der Kalahari liefert täglich 10000 dl, und sogar in der Namib wurde in 80 na Tiefe ein kräftiger Grundwasser- ström erbohrt. Eine andre Art der Wassergewinnung ist die durch Staudämme in Bächen und Flüssen. Kleinere Anlagen, die ohne große Kosten möglich waren, sind bereits von vielen Farmern und Kleinsiedlern errichtet worden. In der letzten Zeit hat man aber auch Pläne für große Talsperren ausgearbeitet, darunter für eine, die 200 Mill. cbm Wasser fassen soll. Eine von 40 Mill. cbm ist bereits fertig. (Die größte Talsperre Deutschlands, die im Bau begriffene Edertalsperre, wird 230 Mill. cbm fassen.) Die Kosten solcher Anlagen können natürlich nur von reichen Gesellschaften, Genossenschaften oder vom Staat getragen werden. Ein bekannter Wasserbautechniker, Rehbock, hat berechnet, „daß bei der Anlage von 10 — 15000 Viehtränken, 4000 kleineren Staudämmen und einigen größeren Tal- sperren die Hülste des Schutzgebietes der Viehzucht und dem Ackerbau dienstbar gemacht werden könne. Er hofft auf eine Steigerung der Herden auf l1/2 Mill, Stück Großvieh und 20 Mill. Stück Kleinvieh, sowie auf eine Steigerung der Viehausfuhr bis zu 30 Mill. Mk., wozu noch 20—25000 t Wolle kommen würden, während in den besiedlungsfähigen Gebieten eine Bevölkerung von 70—100000 Köpfen Platz finden dürfte. Die Ausführungs- kosten aller dieser Bewässerungsvorrichtungen veranschlagt Rehbock auf 75 Mill. Mk. oder bei einer Verteilung auf 25 Jahre zu jährlich 3 Mill. Mk." (Hassert.) Ungleich wichtiger als Viehzucht und Ackerbau ist zur Zeit der Bergbau. Der Reichtum der Nachbarländer an Bodenschätzen ließ von vornherein ver- muten, daß sich solche auch in unserm Schutzgebiete finden würden. Die Er- Wartungen haben sich allerdings nur z. T. erfüllt. Von Gold, nach dem man vor allem suchte, sind bis jetzt nur geringe Spuren entdeckt worden. Dagegen hat man größere Lagerstätten von Eisen-, Mangan-, Zinn- und besonders Kupfererzen, die zugleich Blei enthalten, nachgewiesen, und in der Nähe der Lüderitzbucht hat man neuerdings wertvolle Diamantenfelder gefunden. Der Abbau erstreckt sich bis jetzt hauptsächlich auf Kupfer und Diamauten. Die wichtigsten Kupferlager finden sich bei Otavi und Tsumeb im Damaralande. Die Erze stehen an vielen Stellen aus dem Erdboden heraus und können z. T. im Tagbau

8. Die außereuropäischen Erdteile und die deutschen Schutzgebiete - S. 378

1913 - Dresden : Bleyl & Kaemmerer
— 378 — der Ordnung gibt es in allen Schutzgebieten der Zivilverwaltung unterstellte Polizei- truppen aus Eingebornen, die aber von deutschen Offizieren und Unteroffizieren befehligt werden. Daneben ist in Kamerun, Südwest- und Ostafrika, wo die Bevölkerung mehr zu Aufständen geneigt ist, noch die Haltung besondrer, unter militärischer Verwaltung stehen- der Schutztruppen nötig. Sie bestehen in Südwestasrika aus Weißen, in den beiden andern Gebieten aus Schwarzen. Die Einnahmen der Schutzgebiete fließen hauptsächlich aus Zöllen, die von eingeführten Waren erhoben werden. In einigen Gebieten, wie in Ostafrika und Teilen Kameruns, zahlen die Eingebornen eine Hüttensteuer, in Samoa eine kleine Kopfsteuer. Auch können die Eingebornen jährlich für eine bestimmte Anzahl Tage zu öffentlichen Arbeiten, Wege-, Bahnbauten usw., herangezogen werden. Nur Togo und Samoa haben sich bis jetzt so entwickelt, daß sie auf eignen Füßen stehen. Für alle andern Schutzgebiete ist noch ein Reichszuschuß erforderlich. Er betrug 1912 für Ostasrika 3,6, für Kamerun 2,3, für Südwestasrika 13,8, für Neuguinea 1,2 und für Kiautschou 8,3, insgesamt also rund 29 Mill. Mk. Doch ist bei den steigenden eigenen Einnahmen darauf zu rechnen, daß die Zuschüsse allmählich niedriger und endlich ganz aufhören werden. Übrigens sind die Ausgaben, die das Reich für die Schutzgebiete macht, keineswegs ver- loren; sie fließen dem Mutterlande vielmehr in andrer Form, in den Gewinnen des Handels und der Industrie und den Gehältern der Beamten, wieder zu. ^ Bedeutung. Je nach der Ausnutzung des Landes kann man verschiedene Arten ^von^Kolonien unterscheiden. Es gibt: "\1. Siedlungskolonien. Sie sollen dem Überschuß der Bevölkerung des Mutter- landes eine neue Heimat bieten, den Ansiedlern dauernd die Möglichkeit des Lebenserwerbs durch Ackerbau, Viehzucht u. a. Beschäftigung gewähren. Im allgemeinen eignen sich nur Landstriche der gemäßigten Zone zu solchen Kolonien, da das heiße und ungesunde Klima der Tropengegenden den Europäern weder längeren Aufenthalt noch anstrengende Arbeit gestaltet. Leider ist unter unfern Schutzgebieten keines, das den Auswandrerstrom unsers dicht bevölkerten Vaterlandes ausnehmen könnte, wie England solche in Britisch-Nord- amerika, im Kaplande und in Australien besitzt. Denn Südwestasrika, das seines gesunden Klimas wegen in Betracht käme, vermag nur einer sehr beschränkten Zahl von Ansiedlern Raum zu gewähren (S. 358). So gehen unsre Auswandrer dem Reiche verloren; sie werien Bürger andrer Staaten, und viele gehen im fremden Volkstum auf (S. 217 u. 271). 2. Betriebskolonien. Sie dienen dem Anbau wertwoller Nutzgewächse der heißen Zone und der Gewinnung von Bodenschätzen und werden danach als Pslanzungs- und Bergbaukolonien unterschieden. Die Arbeit wird von Eingebornen oder von eingeführten Arbeilern andrer heißer Länder verrichtet. Die Europäer sind nur die Unternehmer, die mit ihrem Kapital die Anlagen machen und den Betrieb leiten und beaufsichtigen. Der Wert solcher Kolonien ist ein dreifacher. Sie versorgen erstens das Mutterland mit Roh- stoffen für die Industrie, mit Nahrungs- und Genußmitteln, für die es sonst sein Geld ans Ausland zahlen müßte, und machen es von diesem mehr oder weniger unabhängig. Sie bieten zweitens dem Unternehmungsgeiste und den Kapitalkräften des Mutterlandes ein diesem selbst zum Nutzen gereichendes Betätigungsfeld. Schätzt man doch das in den deutschen Schutzgebieten angelegte Kapital auf mehr als 250 Mill. Mk. Drittens bilden die Kolonien für das Mutterland ein Absatzgebiet für die Erzeugnisse seiner Industrie. 3. Handelskolonien, wie wir eine solche in Kiautschou besitzen. Sie können weder Ansiedler in größerer Zahl aufnehmen, noch sind sie an der Erzeugung von Gütern beteiligt. Es sind Niederlassungen geringeren Umfangs, in denen europäische Kaufleute den Austausch der Naturerzeugnisse fremder Länder gegen europäische Industriewaren ver- Mitteln.

9. Die außereuropäischen Erdteile und die deutschen Schutzgebiete - S. 130

1913 - Dresden : Bleyl & Kaemmerer
— 130 — wieder vereinigt wird" (Weber-Baldamus). Mit diesem Glauben hängt die eigentümliche Stellung zusammen, die der Inder den Tieren gegenüber einnimmt. Tiere zu töten oder zu verletzen, selbst schädliche, gilt als sündlich, weil wandernde Menschenseelen in ihren Leibern Hausen kannten. Das indische Volk ist seinem Glauben und dem Dienst der Götter mit Eifer ergeben. Über- all gibt es Tempel, Wallfahrtsstätten, werden Götzenfeste gefeiert, zu denen ungeheure Menschen- massen herbeiströmen. Um sich das Wohlgefallen der Götter zu erwerben, legt man sich die schrecklichsten Bnßllbungen auf. Es gibt auch eine Art Mönche, Fakire, die es darin besonders weit gebracht haben. Manche setzen sich bei Sonnenglut noch zwischen zwei Feuer und ertragen so die fürchterlichste Hitze. Andre bringen sich schwere Wunden bei oder schwingen an Haken, die im Fleisch und den Sehnen des Rückens befestigt werden. Noch andre lassen sich am „Wagenfeste" zu Ehren des Gottes Knschna von den Rädern des heiligen Götterwagens zermalmen. Häufig aber sind diese Fakire nur Faulenzer, die vom Bettel leben und das Volk durch ihre oft erstaunlichen Zauberkünste unterhalten und betören. Als heilige Stätten, Wallfahrtsorte, gelten den Hindus insbesondere die Quellen des Ganges und die Stadt Benares. Im heiligen Strom zu baden, ist ein verdienstliches Werk, und viele bestimmen auch, daß ihr Leichnam in dessen Fluten versenkt wird. Die indischen Tempel, Pagoden, sind oft gewaltige Bauten und tragen in ihrem Innern reichen Schmuck. Viele Tempel sind auch in Felsen gehauen. Der Gründer des Buddhismus ist Gautama 548 v. Chr.), ein indischer Königssohn. Er entsagte der königlichen Würde und zog sich in die Einsamkeit zurück, wo er ein entsagungsvolles Leben führte. Umherziehend verkündete er dann als Buddha, d. h. der Erweckte, Erleuchtete, eine neue Religion, die bald zahlreiche Anhänger fand. Der Buddhismus kennt keinen Golt. Die Welt ist aus dem Nirwana, dem Nichts, entstanden, bewegt sich in unaufhörlichem Kreislauf und kehrt wieder in das Nichts zurück. Alles Leben ist Leiden, und es wäre besser, nicht geboren zu sein. Erlösung vom Leiden, Rück- kehr ins Nirwana ist das Ziel, nach dem der Mensch streben muß. Er erreicht dies, indem er Barmherzigkeit und Menschenliebe übt, vor allem aber dadurch, daß er allen irdischen Genüssen entsagt, seinen Willen abtötet und ein Leben beschaulicher Betrachtung führt. Doch verwirft Buddha grausame Peinigungen. Seine Lehre verbreitete sich nicht nur in Indien, sondern auch in Mittelasien, China und Japan. Sie ist aber mit der Zeit sehr ausgeartet und vielfach zu einem öden Zeremoniendienst mit allerlei abergläubischen Ge- bräuchen, Gebetsformeln, Prozessionen, Bußübungen und Wallfahrten geworden. Eine eigentümliche Erscheinung des indischen Lebens ist das Kastenwesen, die Gliederung des Volkes in streng gesonderte Stände oder Kasten. Ihre Entstehung geht zurück auf die Einwanderung der Arier. Diese richteten zunächst eine Scheidewand auf zwischen sich und der unterworfenen Bevölkerung. Im Laufe der Zeit entstand dann auch bei ihnen selbst noch eine Gliederung in drei Stände: Priester, Krieger und Ackerbauer und Gewerbetreibende, die sich als die drei reinen Kasten von der vierten, unreinen Kaste der Urbevölkerung abschlössen. Durch die Unterwerfung neuer Stämme, durch Mischung, durch Verteilung der Arbeit, durch Abzweigung religiöser Sekten, durch Unterschiede der Bildung usw. entstanden immer neue Kasten. So gibt es z. B. unter den Priestern mindestens 25 Genossenschaften, die nicht untereinander heiraten, meist nicht einmal zusammen essen dürfen. Am größten ist die Spaltung bei den untern Schichten der Bevölkerung, wo jeder, selbst der kleinste Beruf, eine Kaste für sich bildet. Die Brahmanen oder Priester gelten für heilig und unverletzlich. Sie sind die Lehrer der Religion, verrichten die Opfer, Gebete und Reinigungen, beraten die Könige und pflegen die Wissenschaften und die Künste. Die Kfchatrijas oder Krieger, denen die Könige und

10. Die außereuropäischen Erdteile und die deutschen Schutzgebiete - S. 136

1913 - Dresden : Bleyl & Kaemmerer
— 136 — stellt sind außerdem die Inselgruppen der Andamanen und Nikobaren (S. 142) und Aden (S. 116), während die Insel Ceylon eine eigene Kolonie bildet. Der Träger der Krone ist der jeweilige englische König, der darum auch den Nebentitel eines Kaisers von Indien führt. An seiner Stelle regiert das Land ein General-Gouverneur, der gewöhnlich als Vizekönig bezeichnet wird. Der Regierungssitz war bisher Kalkutta, ist aber 1912 nach Delhi verlegt worden. Das Indische Kaiserreich besteht teils aus unmittelbaren, teils aus mittelbaren Besitzungen. Jene umfassen ungefähr 8/5 der ungeheuren Landfläche, aber 4/5 der Be- wohner. Sie sind in Provinzen eingeteilt und werden von englischen Beamten verwaltet. Das übrige Gebiet besteht aus über 600 Schutzstaaten, die ihre eignen Fürsten und freie innere Verwaltung haben. Aber an jedem Hose befindet sich ein englischer Beamter, der dem Fürsten als „Berater" zur Seite steht und ihn nötigenfalls überwacht. Schon im Altertuiu wurde Indien wegen seiner reichen Erzeugnisse als „Wunderland" bezeichnet. Angelockt durch seine Reichtümer, sind mehrfach fremde Völker erobernd in die Halbinsel eingedrungen, so besonders im Mittelalter Mongolen. Einem mongolischen Herrscher (Babur) gelang es 1525, Delhi zu erobern und eine dauernde Herrschaft, das mohammedanische Reich des Großmoguls, zu gründen, das unter seinen Nachfolgern fast die ganze Halbinsel umfaßte und erst 1788 zusammenbrach. Schon im Mittelalter wurden auch indische Erzeugnisse, namentlich Gewürze, nach Europa gebracht. Persische, arabische und ägyptische Kaufleute vermittelten diesen Handel. Die Waren kamen auf dem Landwege mit Karawanen an die Mittelmeerküste, von wo italienische Kaufleute sie weiter- beförderten. Die ungeheure Verteurung der Waren, die durch die weite Landbeförderung, die Zölle und den Gewinn der Kaufleute entstand, trieb dazu, den Seeweg nach Indien zu suchen. 1498 landete der Portugiese Vasco da Gama als erster Europäer im Hafen von Kalikut. In der Folge erwarben dann die Portugiesen durch Verträge mit den Fürsten große Besitzungen an der Westküste Indiens, die aber später fast sämtlich an die Holländer verloren gingen. Diese, wie auch die Franzosen, die in der zweiten Hälfte des 17. Jahr- Hunderts Niederlassungen an der Ostküste gründeten, sind aber nach und nach von den Engländern verdrängt worden. Im Jahre 1600 wurde in England die Ostindische Kompagnie gegründet, eine Handelsgesellschaft mit einem Kapital von 600000 Mk. Sie erwarb vom Großmogul die Erlaubnis zur Anlage von Handelsniederlassungen und erzielte bald Gewinne von 100—200 °/0. Durch kluge Benutzung der Streitigkeiten unter den ein- heimischen Fürsten verstand es die Gesellschaft, ihren Einfluß immer mehr zu erweitern und ihre Nebenbuhler zu verdrängen. Als 1857 ein großer Aufstand ausbrach, griff die englische Regierung ein, auf die dann der ganze Besitz der Kompagnie als Indisches Vize- königtum überging. 1876 wurde dieses zum Kaisertum erhoben. Die Engländer haben in Indien eine große Kulturarbeit verrichtet. Das Land ist unter ihrer Verwaltung emporgeblüht. Sie haben Wege, Eisenbahnen und Häfen gebaut und durch Bewässerungsanlagen gewaltige Flächen für den Anbau gewonnen. Die Erzeugnisse sind auf das Mehrfache ihres früheren Wertes gestiegen. Wenn auch die englische Herrschaft nicht frei geblieben ist von Härten und Grausamkeiten, so kann sie doch für das indische Volk als ein Segen bezeichnet werden. Sie hat den beständigen Kriegen der zahlreichen Staaten ein Ende bereitet und für Ruhe und Ordnung gesorgt. Sie hat auch der mitunter sehr harten Bedrückung der Untertanen durch verschwenderische Fürsten gesteuert, das Los der verachteten untern Volksklassen verbessert und durch Verbreitung von Bildung das ganze Volk gehoben. Großes ist auch zur Bekämpfung der Cholera, der Pest u. a. Landeskrankheiten
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