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Diagramm für Aktuelle Auwahl statistik

1. Die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt - S. 14

1911 - Magdeburg : Creutz
14 1. Das Land östlich oder rechts von der Elbe. Niederungen. Innerhalb der Stadt Burg teilt sie sich in zwei Arme, die gewerblichen Zwecken dienstbar gemacht sind. C. Schätze in der Tiefe. Obwohl der Boden oben durchweg dürftig ist, so birgt er doch oft wertvolle Schätze im Innern. In den Sumpfgebieten sticht man Torf (Elster, Ruthe, Fiener Bruch). Dieser ist hier ein wichtiger Brennstoff für die Armen. Aus der Tiefe holt man Braunkohlen (Liebenwerda, Roßlau) oder gräbt feinen oder groben Ton (Belgern, Hohenleipisch, Görzke, Ziesar). Steinbruch von Gommern und Plötzky. Daraus brennt man das gewöhnliche braune oder irdene Geschirr (Schüsseln, Teller, Flaschen), das ans den Meßplätzen der größeren Städte zum Kause angeboten wird. Ferner verfertigt man wertvolles Steingut und vorzügliche Ofenkacheln. Aus dem Lehme und der gewöhnlichen Tonerde, die man an vielen Orten findet, brennt man in den Ziegeleien Mauer- und Ziegel- steine. Diese bilden das gewöhnliche Baumaterial dieser felsarmen Gegend. Merkwürdigerweise findet man hier aber auch besonders alte Kirchen ganz aus Feldsteinen (Findlingen, Keßlingen) erbaut. Diese Gebäude stammen meist aus einer Zeit, in der man die Schätze im Erdinnern noch nicht entdeckt hatte und Felssteine nur mit großen Kosten und Umständen herbeischaffen konnte. Bei Liebenwerda (Rotstem), bei Gommern und Plötzky finden wir große Steinbrüche. Die Gesteinsmassen stehen, wie unser Bild zeigt, ziemlich

2. Die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt - S. 41

1911 - Magdeburg : Creutz
Die Höhen. 41 Die Türen und Fenster haben die Forin von großen Rundbogen. Da, wo der Fußboden erhöht erscheint, stand der Altar, auf dem der Burg- kaplan die Messe las. Gegenüber von dem Eingange der Kapelle liegt ein größerer Raum, der als Rittersaal bezeichnet wird. Erhellt wird er durch ein auf der Nordseite eingehaueues Fenster. Sieht man vom Fenster nach unten, so blickt man in die schwindelnde Tiefe. Den nächsten Raum nennt man das Zimmer der Burgfrau. Eine Tür wird vom Führer geöffnet, und wir treten in das Burgverließ mit der Folterkammer ein. Der Führer zündet die Laterne an und leuchtet in einen 20 m tiefen Schacht. Wer in diesem Burgverließ gefangen saß, war unrettbar verloren. Am oberen Rande liegen eine Reihe Totenschädel und Beinknochen. Woher mögen diese sein? Eingangstor, Mauerreste und Teile des Wallgrabens lassen er- kennen, daß der Regenstein früher eine Festung war. An einem Steine sinden wir sogar noch einen ausgearbeiteten Adler. Welchem Staate mag demnach diese Festung angehört haben? Sie wurde von dem Großen Kurfürsten erbaut. Zur Zeit des siebenjährigen Krieges war sie längere Zeit in dem Besitze der Franzosen, die von hier aus das umliegende Gebiet sehr bedrückten. Friedrich der Große entriß später den Franzosen die Festung. Bei der Eroberung wurden die Mauern bis zum Erdboden niedergerissen. So steht die Ruine Regenstein heute noch da. Dort, wo früher die Ritter trotzig in das Land hinabschauten, dort, wo später Soldaten die Festung bewachten, sehen wir heute an sonnigen Tagen fröhliche Harzwauderer. Durch das, was wir gefeheu und was wir gehört haben, ist uus ein Stück vergangener Zeit in die Erinnerung gerufen worden. c) Die herrliche Aussicht vom Regenstein. Ehe wir uns trennen, genießen wir vom höchsten Punkte noch die herrliche Aussicht. Wir wenden uns nach allen Richtungen. Im S. sehen wir Blankenburg und dahinter die Teuselsmauer. Über alle Berge und Hügel erhebt sich im Sw. das Haupt des 1140 m hohen Brockens, das oft vom Nebel umhüllt ist. Im N. und O. blicken wir in die weite Ebene. Durch das Fernglas erkennen wir Quedlinburg mit seinem hochragenden Schloß und Halberstadt mit den weißen Türmen des Domes. Wir scheiden vom Regenstein. Unvergeßlich werden uns diese genuß- reichen Stunden bleiben: gern werden wir oft davon plaudern. 3. Spiegelsberge und Hoppelberg. Nahe bei der Stadt Halberstadt erheben sich die Spiegels berge. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts lagen sie noch als kahle Felsen da. Jetzt sind sie mit herrlichen Wald- und Gartenanlagen geschmückt. Den Grund dazu legte der Domherr Werner von Spiegel, nach dem die

3. Die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt - S. 33

1911 - Magdeburg : Creutz
Die Niederungen. 33 Getreide und die Vorratskammern befanden sich alle unter einem Dache. Wir treten durch das hohe Tor ein und befinden uns auf der Tenne oder Diele. Zur linken Hand sind die Stallungen für die Kühe^ und Pferde. Darüber sind die Räume für das Getreide. Aus dem Stroh, das vor der Scheune liegt, suchen der Hahn und die Hühner die Körner heraus. Eine Treppe führt auf den Futterboden. Wir gehen gerade aus und erreichen das Flet (der zwischen Diele und Wohnhaus liegende Haus- flur). Am Herde steht die Hausfrau und bereitet das einfache Mittags- brot. Von hier aus kann sie alles beobachten. Die Tochter trägt in diesem Augenblicke in einem großen Korbe den Kühen Futter hin. Über dein Herde erhebt sich der gewaltige Rauchfang, in dem verschiedene Schinken und andere Fleischwaren hängen. Von hier aus gelangen wir in die Wohnräume und Kanunern. Um das Einzelgehöft liegen die Gärten, Felder und Wiesen. Um den Hof zieht sich ein mit Buschholz be- wachsener Damm, der vor Überschwemmungen schützen soll (Wische). Bei dem fränkischen Gehöste lagen die Wohn- und Wirtschasts- gebäude gesondert. Die Giebelspitze überragt häufig ein Balken mit einem Sterne. In einzelnen Wifcheorten vertritt ein kleines, viereckiges Brettchen (40—25 cm), zu dem zwei Holzhämmerchen gehören, die Tischglocke. Das Brett hängt neben der Haustür des Wohnhauses. Zur Mahlzeit nimmt eine Magd die beiden Hämmer und trommelt auf dem Brettchen. Die weithin schallenden Töne rufen das Gesinde zu Tisch. Rätsel: Jin Ratlebenschen Dom, da steu 1ne gele Blom, wer de gele Blom will pflücken, de mut den ganzen Dom {erdrücken.*) Der Hansjochen Winkel. Südwestlich von Salzwedel liegt ein wenige km langes und breites Land, in dem vorzeiten die Leute eine besondere Vorliebe für die Vornamen Hans Joachim, kurz Hansjochen (Hanschom) gehabt haben sollen. Als Spitzname übertrug sich der Name Hansjochen auf die Gegend, die seitdem Hansjochenwinkel heißt. Weil die Bewohner fern von jeder größeren Stadt und Verkehrsstraße wohnen, be- wahrten und entwickelten sie soviel Eigenart und Besonderheit in Sprache, Sitte und Kleidung, daß man sich in einer ganz anderen Gegend glaubt. Selbst der, welcher des Plattdeutschen recht mächtig ist, kann sich mit einem echten Hansjochen- winkler schlecht verständigen. Ein Teil der Urbewohner des Hansjochenwinkels waren Wenden. Der Hansjochenwinkel ist außerordentlich reich an Grabdenkmälern der Vor- zeit. Wann und von wem diese Grabstätten, kurz Hünengräber, erbaut sind, weiß niemand zu sagen. Die gewaltigen Wanderblöcke, die die Eisschollen vor Jahrtausenden hier absetzten, dienten zu ihrem Bau. Auf einem Hügel setzte man in Form eines Rechtecks Stein bei Stein senkrecht und belegte den Boden mit Steinplatten oder Ton. Über die senkrecht stehenden Steine fügte man gewaltige Decksteine. In den Grabkammern findet man allerlei Geräte aus Stein, Bronze und Eisen und die Gerippe der Bestatteten oder ihre Asche in Urnen. Danach unterscheidet man Hünengräber aus der Steinzeit, Kegelgräber aus der Bronzezeit und Wendenkirchhöfe aus der Eisenzeit. Einige von den Grabstätten sind über 30 m lang und 9 m breit. *) Das Ei. Henze-Kohlhase, Die Provinz Sachsen. Ausgabe B. 3

4. Die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt - S. 47

1911 - Magdeburg : Creutz
Die Niederungen. 47 Getreide und die Vorratskammern befanden sich alle unter einem Dache. Wir treten durch das hohe Tor ein und befinden uns auf der Tenne oder Diele. Zur linken Hand sind die Stallungen für die Kühe und Pferde. Darüber sind die Räume für das Getreide. Aus dem Stroh, das vor der Scheune liegt, suchen der Hahn und die Hühner die Körner heraus. Eine Treppe führt auf den Futterboden. Wir gehen gerade aus und erreichen das Flet (der zwischen Diele und Wohnhaus liegende Haus- slur). Am Herde steht die Hausfrau und bereitet das einfache Mittags- brot. Von hier aus kann sie alles beobachten. Die Tochter trägt in diesem Augenblicke in einem großen Korbe den Kühen Futter hin. Über dem Herde erhebt sich der gewaltige Rauchsaug, in dem verschiedene Schinken und andere Fleischwaren hängen. Von hier aus gelangen wir in die Wohnräume und Kammern. Um das Einzelgehöft liegen die Gärten, Felder und Wiesen. Um den Hof zieht sich ein mit Buschholz be- wachsener Damm, der vor Überschwemmungen schützen soll (Wische). Bei dem fränkischen Gehöfte lagen die Wohn- und Wirtschafts- gebäude gesondert. Die Giebelspitze überragt häufig ein Balken mit einem Sterne. In einzelnen Wischeorten vertritt ein kleines, viereckiges Brettchen (40—25 cm), zu dem zwei Holzhämmerchen gehören, die Tischglocke. Das Brett hängt neben der Haustür des Wohnhauses. Zur Mahlzeit nimmt eine Magd die beiden Hämmer und trommelt auf dem Brettchen. Die weithin schallenden Töne rufen das Gesinde zu Tisch. Rätsel: Im Ratlebenschen Dom, da steit 'ne gele Blom, wer de gele Blom will pflücken, de mut den ganzen Dom terdrücken.*) Der Hansjochenwinkel. Südwestlich von Salzwedel liegt ein wenige km langes und breites Land, in dem vorzeiten die Leute eine besondere Vorliebe für die Vornamen Hans Joachim, kurz Hansjochen (Hanschom) gehabt haben sollen. Als Spitzname übertrug sich der Name Hansjochen auf die Gegend, die seitdem Hansjochenwinkel heißt. Weil die Bewohner fern von jeder größeren Stadt und Verkehrsstraße wohnen, be- wahrten und entwickelten sie soviel Eigenart und Besonderheit in Sprache, Sitte und Kleidung, daß man sich in einer ganz anderen Gegend glaubt. Selbst der, welcher des Plattdeutschen recht mächtig ist, kann sich mit einem echten Hansjochen- winkler schlecht verständigen. Ein Teil der Urbewohner des Hansjochenwinkels waren Wenden. Der Hansjochenwinkel ist außerordentlich reich an Grabdenkmälern der Vor- zeit. Wann und von wem diese Grabstätten, kurz Hünengräber, erbaut sind, weiß niemand zu sagen. Die gewaltigen Wanderblöcke, die die Eisschollen vor Jahrtausenden hier absetzten, dienten zu ihrem Bau. Auf eiuem Hügel setzte man in Form eines Rechtecks Stein bei Stein senkrecht und belegte den Boden mit Steinplatten oder Ton. Über die senkrecht stehend»» Steine fügte man gewaltige Decksteine. In den Grabkammern findet man allerlei Geräte aus Stein, Bronze und Eisen und die Gerippe der Bestatteten oder ihre Asche in Urnen. Danach unterscheidet man Hünengräber aus der Steinzeit, Kegelgräber aus der Bronzezeit und Wendenkirchhöfe aus der Eisenzeit. Einige von den Grabstätten sind über 30 m lang und 9 m breit. *) Das Ei.

5. Die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt - S. 54

1911 - Magdeburg : Creutz
54 3. Das Land zwischen Ohre, Elbe, Saale und Harz, Blick weilerschweifen und sehen in den Felsen eine Menge Höhlen. Diese Hohlräume waren anfangs natürliche Höhlen und sind im Lause der Zeit von den Burgbewohnern vergrößert worden. (Worum war die Vergrößerung der Höhlen leicht möglich?) So war der Regenstein in den ältesten Zeilen ein begehrter Ort, da seine Abhänge steil waren und er eine Brenge Höhlen enthielt, die zu größeren Räumen ausgemeißelt werden konnten. Die Burg hatte hier eine sehr geschützte Lage. Wir besichtigen die wichtigsten in den Felsen eingehauenen Räume, die mit Nummern oersehen sind. In dem unteren Teile des Regensteins sinden Negeusteiu, wir eine• Anzahl Kammern, die oon den Diemtleuten der Burg als Wohnungen und Arbeits räume benutzt wurden; in anderen Räumen standen die Pserde. Selbst die Krippen waren in die Steinmassen ein- gehauen. Auf einer in den Felsen eingehauenen Treppe steigen wir ans die obere Fläche des Regensteins. Eine in den Fels eingehauene Kammer wird als Wachtstube bezeichnet. An der Rückenwand sehen wir die Umrisse eines Knappen mit einer Waffe. Jedenfalls wohnte in diesem Räume ein Wächter der Burg. Ein anderer kleiner Raum wird Fräulein- zimmer genannt. Aus einem Durchgänge gelangen wir in die Burg- kapelle. Dieser Raum ist am höchsten und sorgfältigsten herausgearbeitet.

6. Die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt - S. 55

1911 - Magdeburg : Creutz
Die Höhen. 55 Die Türen und Fenster haben die Forin von großen Rundbogen. Da, wo der Fußboden erhöht erscheint, stand der Altar, auf dem der Burg- kaplan die Messe las. Gegenüber von dein Eingange der Kapelle liegt ein größerer Raum, der als Rittersaal bezeichnet wird. Erhellt wird er durch ein auf der Nordseite eingehauenes Fenster. Sieht man vom Fenster nach unten, so blickt man in die schwindelnde Tiese. Den nächsten Raum nennt man das Zimmer der Burgfrau. Eine Tür wird vom Führer geöffnet, und wir treten in das Burgverließ mit der Folterkammer ein. Der Führer zündet die Laterne an und leuchtet in einen 20 in tiefen Schacht. Wer in diesem Burgverließ gefangen saß, war unrettbar verloren. Am oberen Rande liegen eine Reihe Totenschädel und Beinknochen. Woher mögen diese sein? Eingangstor, Mauerreste und Teile des Wallgrabens lassen er- kennen, daß der Regenstein früher eine Festung war. An einem Steine finden wir sogar noch einen ausgearbeiteten Adler. Welchem Staate mag demnach diese Festung angehört haben? Sie wurde von dem Großen Kurfürsten erbaut. Zur Zeit des siebenjährigen Krieges war sie längere Zeit in dem Besitze der Franzosen, die von hier aus das umliegende Gebiet sehr bedrückten. Friedrich der Große entriß später den Franzosen die Festnng. Bei der Eroberung wurden die Mauern bis zum Erdboden niedergerissen. So steht die Ruine Regenstein heute noch da. Dort, wo früher die Ritter trotzig in das Land hinabschauten, dort, wo sväter Soldaten die Festung bewachten, sehen wir heute an sonnigen Tagen fröhliche Harzwanderer. Durch das, was wir gesehen und was wir gehört haben, ist uus ein Stück vergangener Zeit in die Erinnerung gerufen worden. e) Die herrliche Aussicht vom Regenstein. Ehe wir uus treunen, genießen wir vom höchsten Punkte noch die herrliche Aussicht. Wir wenden uns nach allen Richtungen. Im S. sehen wir Blankenburg und dahinter die Teufels mau er. Über alle Berge und Hügel erhebt sich im Sw. das Haupt des 1140 in hohen Brockens, das oft vom Nebel umhüllt ist. Im N. und O. blicken wir in die weite Ebene. Durch das Fernglas erkennen wir Quedlinburg mit seinem hochragenden Schloß und Halberstadt mit den weißen Türmen des Domes. Wir scheiden vom Regenstein. Unvergeßlich werden uus diese genuß- reichen Stunden bleiben; gern werden wir oft davon plaudern. 3. Spiegelsberge und Hoppelberg. Nahe bei der Stadt Halberftadt erheben sich die Spiegelsberge. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts lagen sie noch als kahle Felsen da. Jetzt sind sie mit herrlichen Wald- und Gartenanlagen geschmückt. Den Grund dazu legte der Domherr Werner von Spiegel, nach dem die

7. Die Provinz Sachsen - S. 25

1898 - Magdeburg : Selbstverl.
„O Leipzig, freundliche Lindenstadt, Dir ward ein leuchtendes Ehrenmal! So lange rollet der Jahre Rad, So lange scheinet der Sonnenstrahl, So lange die Ströme zum Meere reisen, Wird noch der späteste Enkel preisen Die Leipziger Schlacht." Die Weiße Elster tritt nun wieder (oberhalb Schkeuditz) in den Reg.-Bez. Merseburg ein und mündet unterhalb der Stadt Merseburg in die Saale. Zwischen der Saale und der Weißen Elster auf dem Wege von Weißenfels nach Leipzig, liegt das Schlachtfeld von Groh- Görschell, wo am 2. Mai 1813 die preußischen Freiheitskämpfer im Verein mit den Russen die erste größere Schlacht gegen die Franzosen zu bestehen hatten. Zur Erinnerung daran ist eine 25 m hohe Säule aus Eisen errichtet. Sie trägt die Inschrift: „Die gefallenen Helden ehrt dankbar König und Vaterland. Sie ruhen in Frieden! Den 2. Mai 1813." Eine Stunde entfernt liegt Lützen, wo im dreißigjährigen Kriege der Schwedenkönig Gustav Adolf am 6. November 1632 seinen Sieg über Wallenstein mit dem Tode erkaufte. Auf dem Schlachtfelde ist ihm aus Gußeisen ein turmartiges Denkmal errichtet. Nachdem die Saale die Weiße Elster aufgenommen hat, er- reicht sie Halle. Dies ist nach Magdeburg die wichtigste Stadt in der Provinz. Es ist auch eine sehr alte Stadt Schon Karl der Große (768—814) ließ hier zum Schutze gegen die Wenden die Burg „Halla" erbauen. Kaiser Otto I. schenkte es später dem Erzbistum Magdeburg. Von dem Alter der Stadt zeugen schon ihre engen und krummen Straßen. Dasür sind aber auch die Straßen, welche erst in neuerer Zeit angelegt sind, besonders in der im Südosten gelegenen Königsvorstadt, schön und regel- mäßig. — Die Einwohnerzahl von Halle beträgt 116 000. Sie hat sich in den letzten 40 Jahren um mehr als das Doppelte vermehrt. Das haben besonders die Eisenbahnen bewirkt, die von hier aus nach 7 verschiedenen Richtungen hingehen und durch die der Handel und Verkehr in Halle einen großen Aufschwung erhalten hat. Von besonderer Wichtigkeit sind namentlich der Handel mit Getreide und die Zucker- und Stärkefabrikation. — Berühmt ist die Hallenser Saline. Sie liefert jährlich an 200000 Etr. Salz. Die am Salzwerk beschäftigten Arbeiter werden hier „Halloren" genannt. Ihre Eigentümlichkeiten in Sitten und Kleidung lassen sie leicht als Nachkommen eines fremden Volksstammes erkennen. Wahrscheinlich stammen sie von den Franken ab, die hier die Burg „Hallct erbauten. — In Halle ist ein Landgericht. Halle ist auch Sitz einer Ober-Postdirektion und eines Oberbergamtes. Letzteres ist in Sachen des Bergbaus und der Salinen die oberste Behörde für die Provinzen Sachsen, Brandenburg und Pommern. — Bedeutenden

8. Europa - S. 37

1879 - Gütersloh [u.a.] : Bertelsmann
B. Südeuropa. Ii. Italische Halbinsel. 37 Vesuv vor 79 n. Chr. Vesuv nach dem Ausbruch im I. 7g. Vesuv in der heutigen Zeit. Fig. 76. Der Vesuv zu verschiedenen Zeiten. Siciliens der Aetna oder Monte Gibello* (vom arab. Dschebel -- Ge- birge),' 3300 m hoch, im Gipfel nur 2^ M. vom Meere entfernt, am stärksten im N. und O. Seine Basis hat 14 M. Umfang, der Hauptgipfel 2 M. Man zählt an diesem sehr thätigen Vulkan 60 größere und über 600 kleinere Krater. Das durch einen gewaltigen Einsturz im O. gebildete Thal heißt Val del Bove (Fig. 75). (1 Das Tiefland der eigent- lich en Halbinsel nur gering, nur c. 100 [Jm. betragend. Im Ganzen 4 Tiefebenen. Die im W. leiden viel- fach an schlechter Luft (malaria). 1. Die Tosca nische Tief- ebene, z. Th. Anschwemmung des Arno, besteht aus üppigen Wiesen, die zuletzt in sumpfige Gebiete, Maremmen (- maritimae) übergehen, die, über 40 M. lang, im Alterthum wohl cul- tiviert, jetzt durch Vernachlässigung her- untergekommen und sehr ungesund sind, im Winter von Heerden von Büffeln, Rindern, Pferden und Schweineu durch- Der Aetna. T\ , zogen, welche berittene Hirten hüten, im Sommer von Menschen gemieden; nur einige Thiere bleiben dann zurück. 2. Die Campagna di Roma, großentheils durch den Tiber auge- schwemmt, stark wellig, im Alterthum lebhaft bebaut, jetzt mehr nur als Weideplatz dienend, mit zahllosen Trümmern antiker Bauwerke (Grabmäler, Tempel, Aquäducte, Villen, Castelle u. a.) bedeckt, ungesund, in ihrer braunen Färbung sehr malerisch; im S. die Pontinischen Sümpfe, schon im Alterthum von der Rom mit Capna verbindenden via Appia (312 v. Chr. erbaut) der regina viarum und vielen Canälen durchschnitten, sehr ungesund, doch fruchtbare Weidestellen enthaltend. 3. Die Campagna felice* (Campania felix) südöstlich vom Gari- gliano^, vom Volturno durchströmt, z. Th. von vulkanischem Erdboden, srucht- barster Theil Italiens, mehrfach 3 Ernten in einem Jahre gewährend, die schönsten Südfrüchte erzeugend. Ans ihr erhebt sich 1270 in hoch der kegel- förmige, vulkanische, fast immer rauchende Vesuv, der seine Gestalt oft wech- fette (Fig. 76). Sein Ausbruch vernichtete 79 n. Chr. die Städte Pompei,

9. Europa - S. 48

1879 - Gütersloh [u.a.] : Bertelsmann
48 Zweites Buch. Europa. Adda sehr central gelegen9), bedeutendste Stadt in Oberitalten, erste Industrie- stadt im Königreich, wichtigste Landhandelsstadt mit ausgezeichneten Bauwerken (namentlich dem kostbaren Marmordom, der drittgrößten Kirche Europas, von einem deutschen Baumeister erbaut) und Schätzen der Kunst und Wissenschaft^). Im N. viele liebliche Alpeuthäler, so das Veltlin (§ 323 Anm. 1), durch das die Adda fließt. Am Fuße der Alpen: Como (11 000 E.) am Ende des Comer Sees"); Bergamo (23 00t) E.) mit starkem Seiden- und Obsthandel (Bergamotten!) und Bresua* (40 000 E.), das Leinen- und Seidenindustrie treibt12). Am Steino*: Pavia (30 000 E.; Ticinum), einst Hauptstadt der Langobarden, viel umstritten 13), Mittelpunkt von bedeutendem Reisbau. Aus einer Poinsel: Cremona (30000 E.) einst von den alten Römern zur Sicherung Obecitaliens angelegt (219 v. Chr.). Berühmt die Cremo- ueser Geigen. Am Mincio" zwischen Seen und Sümpfen: Mantua (27000 E.), „la gloriosa" genannt wegen seiner tapferen Verteidigung 1796,97, im Sommer an Miasmen leidend. Statue Verglls, der im nahen Anctes ge- boren war. Andreas Hofer hier erschossen U). 4. Ben et teil im O. der Lombardei, auch sehr industriell^). Venedig (130000 E.) „la dominante" (Fig. 74). Der erste Grund zu der Stadt schou bei der Völkerwanderung, namentlich dem Hunneneinfall 452 v. Chr., gelegt. Eigentliche Gründung auf der Insel Rialto (rivus altus) 809. Venedig namentlich durch die Kreuzzüge (besonders den 4ten) emporgekommen, einst sehr mächtig, 3 Kronen im Wappen führend (als Besitzerin von Morea, Cypern und Candia)^). Die Lagunen hier im Ganzen 7 M. lang, Iv2m. 9) Es vereinigen sich hier Straßen über den Simplon, St. Gotthard, Splügen und das Stilfser Joch. 10) Mediolanum von Galliern angelegt, gegen Ende des Alterthums Residenz von Kaisern, im Mittelalter mächtig aufstrebend, 1160 durch Barbarossa zerstört, doch bald wieder Mittelpunkt eines mächtigen Städtebundes, seit 1499 in fremder Gewalt. — Der Dom gothisch, mit 4500 Statuen geschmückt (prachtvolle Aussicht auf die Alpen!). Außerdem hier eine treffliche Gemäldegallerie und die vorzügliche Ambrosianische Bibliothek. - Im N. Monza, wo die eiserne Krone, die mit einem angeblich aus einem Nagel vom Kreuz Christi gefertigten Reif umschlungen ist, sich befand und oft Krönungen stattfanden. u) Geburtsort von Volta. Starker Handel mit optischen Instrumenten, Brescia von Galliern gegründet, Geburtsort des berühmten Arnold von Brescia (f 1156) 15) Desiderius hier 7 74 gefangen genommen; Sieg Karls V. 1525. 14j An der Trebbia das Kloster Bobbio, von Columbau angelegt. (Hier einst eine Ulfilashandschrift), 15j In der festländischen Masse lagen früher die Marken Verona und Friaul (aus Forum Julii gebildet) in bequemer Verbindung mit Deutschland über die Brennerstraße. Daher der Zusammenhang mit ihm länger aufrecht erhalten als an andern Orten. (Jetzt ein Theil der italienisch Redenden bei Tirol § 369 A. 3). 16) In Venedig herrschte im Mittelalter eine harte, herrschsüchtige, doch kluge und nergische Aristokratie, zuletzt Oligarchie. Alle Nobili schließlich in das „goldene Buch" eingetragen. Der Landbesitz, zu dem Dalmatien gehörte, zuletzt gleich dem eines großen Furstenthums (mit 3 Will. E.). Der durch den Handel einströmende außer- ordentliche Reichthum erzeugte ein höchst üppiges Leben. Der Doge alljährlich auf seinem Staatsschiff Bucentoro* dem Meer vermählt. — Venedigs Macht zunächst durch die Türken gebrochen; 1 797 kam es, durch Napoleon vernichtet, an Oesterreich.

10. Europa - S. 49

1879 - Gütersloh [u.a.] : Bertelsmann
B. Südeuropa. Ii. Italische Halbinsel. 49 breit, die Lidi durch Mauern (murazzi) und Forts geschützt, nur durch schmale Eingänge getrennt. Die Stadt liegt auf 3 größeren und c. 100 kleineren Inseln und hat c. 150 Canäle und 450 Brücken. Der „Cauale grande", x/2 M. lang, durchschneidet den Rialto in Form eines L; über ihn führt die Rialtobrücke. Keine Straßen, aber 40 Plätze; die Häuser stehu auf Pfählen; der Verkehr meist durch Gondeln vermittelt, welche schnell durch das Gewirre auf den Canälen dayinschießen. Am berühmtesten der Marcusplatz mit seinem Vorplatz. Dort der Dogenpalast ^) und die kostbare Kirche von S. Marco, dem Schutzheiligen der Stadt mit 5 Kuppeln und den 4 Erzrossen des Lysipp auf dem Portal. Hochberühmt auch das Arsenal, das größte der Erde, davor 4 antike Löwen, aus dem Piräus herbeigeführt^). Venedig jetzt nicht mehr sehr bedeutende Handelsstadt, durch Trieft weit überholt19). An der Etsch : Verona (60 000 E.), einst Residenz von Odoaker und Theoderich (Dietrich von Bern), starke Festung, den Ausgang der Brennerstraße hütend, mit mächtigem Amphitheater (Sitzplätze für 25 000 Personen)^). Am Bacchiglione: Vimtza* (27 000 E.) mit kostbaren Bauten des hier geborenen Palladio und Padua (45 000 E.; Pätävium) „la dotta". Die Universität schon 1222 durch Friedrich Ii. gestiftet, einst von Deutschen viel besucht'21). 5. Die (Sintlta22) zwischen Po und Apennin, nach der alten Römer- straße via Aemilia genannt, sehr fruchtbar. Au dieser Straße liegen: Piacenza (35000 E.; Placentia) am Po vor der Trebbiamündnng, wo der letzte bequeme Uebergang über den Po statt- findet'^); Parma (45 000 E.) einst von Kaiser Friedrich Ii. hartnäckig, doch unglücklich belagert (1248); Mödena (Mutina; 31000 (S.)2i); Bo- logna (Bönönia; 90 000 E.) unfern des Reno, von den Etruskern (als u) Er hat in der Tiefe schreckliche Kerker; die Seufzerbriicke führt von ihm zu den verrufenen Bleidächern. Der Thronsaal prangt in Marmor und Edelstein. Ausge- zeichnet die Marcnsbib lioth ek. 18) Venedig reich an Kunstschätzen. In den Bauwerken tritt schon byzantinischer und morgenländischer Charakter hervor, in den Gemälden besonders warmes Colorit und scharfe Charakteristik. Hier die Heimat von Tizian, Paul Veronefe, dem Maler der üppigen Freuden Venedigs, und Canova (Hebe!). 19) In ähnlicher Lage wie Venedig im St. Mursno, berühmt durch die feinsten Glaswaaren, im S. Malamocco und Chioggia*; zwischen beiden lange fortlaufende murazzi. 2u) Im Rathhause die Büsten von Catull, Cornelius Nepos, Plinius dem Aelteren und Vitruv, die hier oder in der Nähe geboren sind; die Stadt einst von Galliern angelegt. 21) Patavium Geburtsort des Livius, dessen Büste im Rathhause steht. Im No. Campoformio (Friede 1797). In den Alpenthälern im N. von Vicenza die „7 Gemeinden" (Reste von Cimbern), im N. von Verona die „13 Gemeinden" (Reste von Gothen), früher eine Art von Bergrepubliken bildend. 22) Früher lagen hier die Herzogtümer Parma <mit Pi acenz a) undmsdena, dazu die Romagna* (der nordöstliche Theil des römischen Kirchenstaats). 23) Als Römercolonie 219 v. Chr. gegründet, an wichtigen Straßen von Frankreich und Deutschland her (über Turin bez. Mailand) gelegen; daher hier auf den nahen n ronc alischen Feldern oft Reichs- und Heerversammluugeu deutscher Kaiser gehalten. 2*) Mutina als Römercolonie 183 v. Chr. angelegt; 43/44 durch Antonius be- lagert. Weiterhin liegt an jener Straße Reggio (20 000 E.), in Seidenindustrie thatig; ?m Sw. davon Canossa, im No. Coreggio, Geburtsort des Malers Coreggio. Heß, Geographie. 3. i
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