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1. Vorläufige Einführung in die Allgemeine Erdkunde, Deutschland - S. 42

1906 - Leipzig : Dürr
42 Deutschland. Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz sich an die Spitze der Evangelischen stellte. Als dieser in der Schlacht am Weißen Berge 1620 besiegt wurde nahm ihm der Kaiser die Kurwürde und die Oberpfalz, verlieh beides Maximilian von Bayern. Im Frieden erhielt Friedrich die Rheinpfalz zurück und dazu die (8.) Kurwürde. Im Jahre 1777 starb die bayrische Linie aus, und die kurpfälzische Linie vereinigte nun wieder den gesamten wittelsbachschen Hausbesitz zum Kurfürstentum Bayern. Zum Lohne dafür, daß Bayern sich Napoleon I. anschloß, wurde es 1806 zum Königreiche erhoben und auf den heutigen Besitzstand erweitert, indem es das Gebiet westlich vom Lech und Mainfranken (die Markgrafschaften Ansbach und Bayreuth, die Bistümer Bamberg und Würzburg und die freie Reichs- stadt Nürnberg) erhielt. Aus der ehemaligen Staatsangehörigkeit erklärt sich auch die heutige Bekenntnisverteilung. Das katholische Bekenntnis ist am meisten vertreten im Donaulande und den früheren Bistümern, das evangelische in der Pfalz, den Gebieten von Ansbach, Bayreuth und Nürnbergs Das Königreich Bayern ist heute einschließlich der Pfalz gegen 76000 qkm, also fast doppelt so groß als die Provinz Brandenburg und zählt über 6 Mill. Einw., so daß die Dichte der Bevölkerung ungefähr 80 aufs qkm beträgt. Gib die Grenzen, die natürlichen Landschaften mit den wichtigsten Flüsfen, Erwerbsquellen, Verkehrsstraßen und Ortschaften an! 2. Das Königreich Württemberg. [Es ist aus dem Stammesherzogtum Schwaben hervorgegangen, über das die Hohenstaufen herrschten. Nach dem Aussterben dieses Fürsten- geschlechtes löste sich das Herzogtum in eine Menge kleiner Gebiete auf, deren größtes die Grafschaft Wirtenberg (später Württemberg genannt) war. Die Grafschaft wurde durch einzelne Fehden allmählich vergrößert und daher unter Kaiser Maximilian um 1500 zum Herzogtum erhoben. Es trat der Reformation bei. Dafür daß es sich Napoleon 1. anschloß, wurde es gleichfalls 1806 eiu Königreich und durch das katholische Alpen- Vorland bis zur Jller vergrößert^ Das heutige Königreich Württemberg ist fast 20 000 qkm, also halb so groß als die Provinz Brandenburg und zählt über 2 Mill. Ein- wohner, so daß die Dichte der Bevölkerung über 110 aufs qkm beträgt. Löse die Aufgaben wie unter Nr. 1!

2. Die neueste Zeit - S. 75

1897 - Leipzig : Dürr
— 75 — des Kampfplatzes seinen Plan mit solcher Sicherheit entworfen, daß er, als er tags vorher die Stellungen der Feinde beobachtete, ausrief: „Vor morgen Abend ist diese Armee mein". Der Sieg der Franzosen war ein glänzender, Napoleon rühmte sich, daß 40000 Gefangene, 186 Kanonen und 45 Fahnen in seine Hände gefallen seien. Unmittelbar nach der Schlacht begannen zu Preßbnrg die Friedensverhandlungen, die bereits am 20. Dezember zu Ende geführt wurden. Österreich mußte 1150 □ teilen abtreten: Venetien an das Königreich Italien, Tirol an Bayern. Die süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg und Baden wurden überhaupt für ihre Anhänglichkeit an Napoleon reichlich belohnt. Bayern erhielt außer Tirol mit Trient unter and er m einen Teil des Passaner Gebietes, Lindau und die Reichsstadt Augsburg, Württemberg fünf Donanstüdte, mehrere Grafschaften und ein Stück vom Breisgau, Baden den Rest vom Breisgau, Konstanz und Meinau. Die Kurfürsten von Bayern und Württemberg nahmen den Königstitel an, traten aber in ein so enges Bündnis mit Frankreich, daß sie zu Vasallen Napoleons wurden. Nun war freilich auch für Preußen die Zeit vorüber, Vermittlungsvorschläge zu machen. Der Minister Hangwitz schien nur nach Brünn gekommen zu sein, um dem unwiderstehlichen Sieger zu gratulieren. Napoleon verlangte von ihm, daß Preußen Ansbach (an Bayern), Cleve und Nenchatel abgebe und dafür Hannover annehme. Dies war im Grunde eine Demütigung, denn ein solcher Vertrag entzog den Hohenzolleru alte liebe Familienbesitzungen und trieb sie in ein feindseliges Verhältnis zu England hinein. Aber es blieb zunächst nichts übrig, als dem Befehle des Mächtigeren zu gehorchen. Die Freude Napoleons über alle diese Triumphe würde größer gewesen sein, wenn zugleich die Hoffnungen, die er auf die französischspanische Seemacht gesetzt hatte, in Erfüllung gegangen wären. Aber das war nicht der Fall. An demselben Tage, an dem Ulm kapitulierte, erlitt sie im Kampfe mit den Engländern bei Trasalg ar eine Niederlage, die einer Vernichtung gleich kam. Die Ungeschicklichkeit des Admirals Villeneuve war schuld daran. Lord Nelson, der große englische Seeheld fiel in dieser Schlacht und sühnte durch einen ehrenvollen Tod die Schande, mit der er sich vor Neapel beladen hatte. Aber Napoleon mußte doch nun aus seinen Plan, eine Landung an der englischen Küste zu versuchen, für immer verzichten, denn die Reste der französischen Flotte gerieten aus einem Unfall in den andern, während die Engländer bedeutende Eroberungen machten. Im Januar 1806 bemächtigten sie

3. Preußisch-deutsche Geschichte vom Ende des Großen Krieges bis zum Beginne des Zwanzigsten Jahrhunderts - S. 248

1902 - Halle : Gesenius
— 248 — Gegenteil der lall zu sein. Das alte deutsche Reich, hörte auf; der grösste Teil Deutschlands stellte sich unter den neuen französischen Kaiser. Also trotz Selbstherrlichkeit, Standeserhöhung und Gebietserweiterung war Napoleon der Oberherr. Er konnte über die Heereskraft des Rheinbundes nach Belieben verfügen. Die äussere Einheit erlangte der Bund nur in der Person Napoleons. Zusammenfassung und vertiefte Wiedergabe. 4. a) Der Rheinbund hat sich in den folgenden Jahren noch verändert und erweitert. Die mitteldeutschen (thüringischen) Staaten kamen hinzu, auch Sachsen, dessen Kurfürst ebenfalls den Königstitel annahm, ferner die beiden Mecklenburg und das hessisch - hannoverische Gebiet als Königreich Westfalen. Somit umfasste schliesslich der Rheinbund 40 Staaten, d. h. alle deutschen Staaten ausser Österreich und Preussen, mehr als ein Drittel Deutschlands. Er reichte vom Rheine bis zur Elbe und bis Schlesien hin, von den Alpen bis zur Ostsee. Der Bundeskanzler Karl von Dalberg musste seine geistliche Würde aufgeben. Er erhielt Frankfurt und das Gebiet süd- und nordöstlich davon als Grossherzogtum. Berg nahm Napoleon später unter eigene Verwaltung. b) Die Rheinbundfürsten begannen alsbald die Einheit in ihren Gebieten herzustellen. Die meisten regierten wohlmeinend. Aller veraltete mittelalterliche Plunder wurde beiseite geschafft. Die Gleichstellung der Konfessionen wurde verkündet, die Leibeigenschaft aufgehoben; die Steuern wurden mehr nach Verhältnis verteilt, das Rechtswesen wurde verbessert; Ackerbau und Gewerbe fanden Unterstützung. Allmählich wurde so aus den früheren vielen Kleingebieten ein einheitlicher grösserer Staat, in welchem sich alle als gleichberechtigte Bürger fühlten. Denn auch der Unterschied der einzelnen Stände untereinander war fortgefallen. c) Nur eines, das Wichtigste fehlte. Der Untertan des neuen Staates nannte sich stolz Bai er, Württemberger, Nassauer u. s. w., aber nicht Deutscher. Das Wort war beinahe verboten. Napoleon wenigstens mochte nichts davon hören. Die deutsche Einheit mit besonderer Verfassung wollte er nicht, und auch die Rheinbundfürsten wollten sie nicht. Nur einzelne Krön- oder Erbprinzen (der drei oben genannten Länder) dachten gut deutsch. Alle direkt gegen ihn gerichteten Bestrebungen unterdrückte Napoleon. Als der Buchhändler Johann Palm zu Nürnberg eine Schrift „Deutschland in seiner tiefsten Erniedrigung“ herausgab, liess er ihn gefangennehmen und als Aufrührer erschlossen. Seine Spione hatte er überall; niemand durfte sich gegen, ihn regen. Dabei aber verbrauchte er Tausende und Abertausende deutscher Krieger in seinen Feldzügen. Denn wenn man von „fran-

4. Preußisch-deutsche Geschichte vom Ende des Großen Krieges bis zum Beginne des Zwanzigsten Jahrhunderts - S. 363

1902 - Halle : Gesenius
— 363 — Ii. Stufe. 4. a) Die geschlagene französische Armee wälzte sich durch Thüringen auf und neben der großen Frankfurter Heerstraße weiter. Wund, krank, hungrig, zerlumpt und oft waffenlos schlichen oder schleppten sich die Haufen weiter. Schon erhob sich allerorts das Landvolk, um einzelne abgesprengte Abteilungeil abzufangen und totzuschlagen. Die Verbündeten beschlossen sofortige Verfolgung; Blücher drängte dazu. Der Kronprinz von Schweden freilich zog alsbald nach Norden ab, um Dänemark zu bekriegen, das ihm Norwegen abtreten mußte, wofür es Vorderpommern bekam. Aber die Preußen folgten ihrem Oberbefehlshaber nicht. General von Taueuzieu unternahm die Belagerung der deutschen Festungen und Städte, die noch von den Franzosen besetzt waren (die sechs preußischen s. Lektion 22, dazu Dresden, Torgau, Wittenberg, Hamburg). Sie fielen alle bis zum Februar des nächsten Jahres; nur Davout behauptete Hamburg bis in den Mai hinein. Um sich zu halten, trieb er 20000 Einwohner aus der Stadt, von denen 1100 vor Hunger und Winterkälte umkamen. General von Bülow eroberte die Niederlande, wohin der Generalstatthalter, der Prinz von Nassau-Oranien zurückkehrte. Wiedergabe nach Kernfragen. — Erläuterungen. Erzähle! Überschrift: Der Rückzug und die Verfolgung der Besiegten. b) Der Rheinbund krachte in allen Fugen. Baiern war klugerweise schon vor der Schlacht bei Leipzig von Napoleon abgefallen und zu den Verbündeten übergegangen Es folgten die beiden Mecklenburg. Jerome von Westfalen mußte aus Kassel flüchten, und der Kurfürst von Hessen und der Herzog von Braunschweig kehrten zurück. Baiern wollte sich sogar gleich eifrig zeigen. Sein Feldherr, General von Wrede, warf sich am unteren Main mit 50000 Mann Baiern und Österreichern Napoleon in den Weg, während Schwarzenberg und Blücher diesem folgten. Doch der Schlachtenkaiser hatte noch 100000 Mann beisammen. Wie ein wunder Löwe warf er sich auf Wrede und schleuderte ihn in der zweitägigen Schlacht bei Hanau (30. u. 31. Oktober) durch seine gewaltigen Tatzenschläge zur Seite. Aber es war seine letzte Tat. Sein Heer löste sich auf und eilte der schützenden Festung Mainz zu. Die Böhmische Armee marschierte mainabwärts, die Schlesische lahnabwärts; unablässig wurde verfolgt. Die Monarchen nahmen ihr Hauptquartier zu Frankfurt. Sie setzten zur Verwaltung der eroberten Rheinbundländer eine Behörde mit Stein an der Spitze ein. Doch erhielten die Herrscher von Baiern, Württemberg, Baden, Hessen, Nassau u. a. Verzeihung und traten dem

5. Preußisch-deutsche Geschichte vom Ende des Großen Krieges bis zum Beginne des Zwanzigsten Jahrhunderts - S. 9

1902 - Halle : Gesenius
— 9 — Wiedergabe nach Kernfragen. — Erläuterungen. (Mit Hilfe der Karte.) Erzähle (und zeige)! Vertiefung. Wir finden also im evangelischen Norddentschland zwei große geschloffene Kurfürstentümer und die meisten großen Gebiete. Im meist katholischen Süddeutschland liegen drei Kurfürstentümer (eines, Pfalz, evangelisch), die österreichische Ländermasse hängt geeint zusammen, und auch Baiern bildet ein abgerundetes Gebiet. Im katholisch und evangelisch gemischten Westdeutschland finden wir die drei geistlichen Kurfürstentümer und die Mehrzahl der geistlichen Gebiete überhaupt. Sie greifen von da nach Mittel- und Norddeutschland hinüber. Die Landesteile liegen vielfach zerstreut. Die Reichsstädte und Reichsrittergebiete sind durchs ganze Reich bis zur Elbe, zur brandenburgisch-sächsisch-böhmischen Grenze zerstreut. In Schwaben, Thüringen und am Rhein ist die Zersplitterung am ärgsten; östlich von der Elbe finden sich keine Reichsstädte und keine Reichsritter. Zusammenfassung und vertiefte Wiedergabe. Überschrift: Wiedasreich sich in vieleländer zersplitterte. 8. a) All das nannte sich also deutsches Reich. Aber jedes Gebiet behauptete sorgfältig seine Rechte. Jede geistliche oder weltliche Regierung, fürstliche, ritterliche oder städtische, schloß ihr Ländchen gegen das andere durch Grenzwachen und Grenzpfähle ab. Jede hatte Gericht, Verwaltung, Münze, Maß, Gewicht, Militär u. s. w. besonders. Alle Untertanen hießen „Inländer", alle übrigen Deutschen „Ausländer". An eine Zusammengehörigkeit des großen deutschen Volkes dachten wenige mehr. Erzähle! b) Nur in Westdeutschland fand auf kurze Zeit ein engerer Zusammenschluß statt. Als 1657 der Kaiser Ferdinand Iii. starb, fürchteten der Kurfürst von Mainz und viele westdeutsche Fürsten, daß der neue Kaiser sich mit Spanien verbinden und den Westfälischen Frieden aufheben könnte. Da schloffen diese Fürsten den sogenannten Rheinbund und nahmen den König von Frankreich als Beschützer an. Schweden und allmählich auch eine Anzahl norddeutscher Fürsten traten dem Bunde bei. Erzähle! c) Kaiser Leopold I., der junge Sohn Ferdinands Iii., mußte versprechen, weder je den Spaniern zu helfen, noch sich von ihnen helfen zu laffen. Dafür wurde ihm die Unterstützung des Rheinbundes zugesagt. So hatte sich zwar ein Teil des Reiches dem Kaiser wieder zugewandt.

6. Preußisch-deutsche Geschichte vom Ende des Großen Krieges bis zum Beginne des Zwanzigsten Jahrhunderts - S. 494

1902 - Halle : Gesenius
— 494 — Zusammenfassung. Überschrift: Die Entscheidungsschlacht bei Königgrätz. Vertiefung. Benedeks Mutlosigkeit und deren Begründung. (Im einzelnen.) Urteil über den Befehl des Kaisers. Warum die Entscheidungsschlacht für Benedek ein Wagnis war. Worin Benedeks Vorteile bestanden. Warum der preußische Angriff auch ein Wagnis war. Wodurch anfangs die Preußen im Nachteil blieben. Worauf es bei ihnen ankam. Worauf bei Benedek. _— Urteil über die preußischen Angriffe. Über Benedeks Verhalten. Über die preußischen Kämpfer. Über die österreichischen. Über den Marsch der Kronprinzenarmee. Über die Gefährlichkeit ihres Angriffs für die Österreicher. Warum Benedek unterliegen mußte. Warum die Verfolgung das österreichische Heer auslösen mußte. Bedeutung des Wiedersehens auf dem Schlachtfelde. Bedeutung des Wortes des geschlagenen Feldherrn. Bedeutung von Bismarcks Urteil über die preußischen Soldaten. Bedeutung des Wortes vom preußischen Schullehrer. — Warum die Schlacht entscheidend zu nennen war. Warum der Rückzug auf Wien notwendig wurde. Weshalb der Kaiser Venezien abtrat und warum an Frankreich. Weshalb Benedek abgesetzt und Erzherzog Albrecht berufen wurde. Zusammenfassung und vertiefte Wiedergabe. 5. a) Unterdes war auch die preußische Mainarmee siegreich gewesen. Sie hatte die Baiern aus dem Kurhessischen verdrängt und nach mehreren siegreichen Gefechten über den Main geworfen. Dann wandte sie sich gegen die übrige Bundesarmee, schlug auch sie mehrmals und zwang sie ebenfalls zum Rückzüge über den Main. Am 16. Juli Zog General von Falckenstein in die alte Bundeshauptstadt Frankfurt ein; der Rest des Bundestages war nach Augsburg geflüchtet. Der General schrieb au König Wilhelm: „Die Länder nördlich des Mains liegen zu Euer Majestät Füßen." Wiedergabe nach Kernfragen. — Erläuterungen. Erzähle! b) Als Falckenstein zum Gouverneur von Böhmen berufen wurde, überuqhm General von Mantenffel den Oberbefehl. Die Mainarmee ging über den Main, um sich nach dem Taubertale zu wenden. Dort hatte sich die gesamte Bundesarmee vereinigt und wurde alsbald von den Preußen angegriffen. Es herrschte keine Einheit in der Führung der Bundestruppen, und sie unterstützten einander schlecht. So wurden sie in mehreren Gefechten einzeln besiegt und auf Würzburg zurückgeworfen. Da währenddem in Böhmen Waffenstillstand eingetreten war, so wurde er auch hier nachgesucht und gewährt.

7. Deutsche Geschichte vom Ende des Großen Krieges bis zum Beginne des zwanzigsten Jahrhunderts - S. 75

1905 - Halle : Gesenius
— 75 — Schrecklich waren die Verluste in dem sechstägigen Völkerkampfe gewesen. Die Verbündeten hatten 60000, die Franzosen 40000 Mann an Toten und Verwundeten verloren; außerdem waren 20000 Franzosen ge-gefangen morden. Alle Krankenhäuser und schnell eingerichteten Lazarette in und bei Leipzig waren bald überfüllt; draußen aber lagen noch Tausende armer Verwundeter, die man nicht retten konnte. Auf freiem Felde oder in den Trümmern der zerstörten Ortschaften mußten sie langsam verbluten oder verschmachten; denn es waren nicht Hände genug da, die zu helfen vermochten. Die Toten konnten nicht alle begraben werden; die verwesenden Leichen hauchten giftige Dünste aus. So endeten die herrlichen Freiheitskämpfer, Tausende der Besten, die ausgezogen waren, und so kamen auch die Armen mit, die für den Ehrgeiz eines einzelnen Menschen hatten fechten müssen. Auf dem Völkerschlachtfelde wird gegenwärtig das große Völkerschlachtdenkmal errichtet. Iv. Die Befreiung Deutschlands von der Fremdherrschaft. Die verbündeten Heere setzten den abziehenden Franzosen nach; ein Teil dagegen belagerte die von diesen noch besetzten Festungen. Der Rheinbund krachte in allen Fugen. Bayern war klugerweise schon vor der Schlacht bei Leipzig von Napoleon abgefallen und zu deu Verbündeten übergegangen. Jerome von Westfalen mußte aus Kassel flüchten, und der Kurfürst von Hessen und der Herzog von Braunschweig kehrten zurück. Bayern wollte sich sogar gleich eifrig zeigen. Sein Feldherr, General von Wrede, warf sich am unteren Main mit 50000 Mann Bayern und Österreichern Napoleon in den Weg, während Schwarzenberg und Blücher diesem folgten. Doch der Schlachtenkaiser hatte noch 100000 Mann beisammen. Wie ein wunder Löwe warf er sich auf Wrede und schleuderte ihn tu der zweitägigen Schlacht bei Hanau (30. und 31. Oktober) durch seine gewaltigen Tatzenschläge zur Seite. Aber es war seine letzte Tat. Sein Heer löste sich aus und eilte der schätzenden Festung Mainz zu. Die Böhmische Armee marschierte main-abwärts, die Schlesische lahnabwärts; unablässig wurde verfolgt. Die Monarchen nahmen ihr Hauptquartier zu Frankfurt. Sie setzten zur Verwaltung der eroberten Rheinbundsländer eine Behörde mit Stein an der Spitze ein. Doch erhielten die Herrscher von Bayern, Württemberg, Baden, Hessen, Nassau u. ct. Verzeihung und traten dem Bunde gegen Napoleon bet. Bis zum Rheine hin war Deutschland von der Fremdherrschaft befreit. 24. Die zweimalige Heimsuchung Frankreichs. I. Der erste Zeidm nach Frankreich. Nach der Schlacht bei Leipzig meinten viele, Napoleon sei nun genug gedemütigt, und man solle mit thut Frieden machen. Dazu gehörten auch Kaiser Franz und sein Staatskanzler von Metternich, der zum Fürsten erhoben worden war. Metternich redete dem Kaiser ein, die Russen und Preußen würden zu mächtig, wenn man Napoleons Macht ganz vernichte. Aber Stein und Blücher hielten zusammen und drängten auf Weiterführung

8. Preußisch-deutsche Geschichte vom Ende des Großen Krieges bis zum Beginne des Zwanzigsten Jahrhunderts - S. 75

1905 - Halle : Gesenius
— 75 — Schrecklich waren die Verluste in dem sechstägigen Völkerkampfe gewesen. Die Verbündeten hatten 60000, die Franzosen 40000 Mann an Toten und Verwundeten verloren; außerdem waren 20000 Franzosen gegangen worden. Alle Krankenhäuser und schnell eingerichteten Lazarette in und bei Leipzig waren bald überfüllt; draußen aber lagen noch Tausende armer Verwundeter, die man nicht retten konnte. Auf freiem Felde oder in den Trümmern der zerstörten Ortschaften mußten sie langsam verbluten oder verschmachten; denn es waren nicht Hände genug da, die zu helfen vermochten. Die Toten konnten nicht alle begraben werden; die verwesenden Leichen hauchten giftige Dünste aus. So endeten die herrlichen Freiheitskämpfer, Tausende der Besten, die ausgezogen waren, und so kamen auch die Armen um, die für den Ehrgeiz eines einzelnen Menschen hatten fechten müssen. Auf dem Völkerschlachtfelde wird gegenwärtig das große Völkerschlachtdenkmal errichtet. Iv. Die Befreiung Deutschlands von der Fremdherrschaft. Die verbündeten Heere setzten den abziehenden Franzosen nach; ein Teil dagegen belagerte die von diesen noch besetzten Festungen. Der Rheinbund krachte in allen Fugen. Bayern war klugerweise schon vor der Schlacht bei Leipzig von Napoleon abgefallen und zu den Verbündeten übergegangen. Jerome von Westfalen mußte aus Kassel flüchten, und der Kurfürst von Hessen und der Herzog von Braunschweig kehrten zurück. Bayern wollte sich sogar gleich eifrig zeigen. Sein Feldherr, General von Wrede, warf sich am unteren Main mit 50000 Mann Bayern und Österreichern Napoleon in den Weg, während Schwarzenberg und Blücher diesem folgten. Doch der Schlachtenkaiser hatte noch 100000 Mann beisammen. Wie ein wunder Löwe warf er sich auf Wrede und schleuderte ihn in der zweitägigen Schlacht bei Hanau (30. und 31. Oktober) durch seine gewaltigen Tatzenschläge zur Seite. Aber es war seine letzte Tat. Sein Heer löste sich auf und eilte der schützenden Festung Mainz zu. Die Böhmische Armee marschierte main-abwärts, die Schlesische lahnabwärts; unablässig wurde verfolgt. Die Monarchen nahmen ihr Hauptquartier zu Frankfurt. Sie setzten zur Verwaltung der eroberten Rheinbundsländer eine Behörde mit Stein an der Spitze ein. Doch erhielten die Herrscher von Bayern, Württemberg, Baden, Hessen, Nassau u. a. Verzeihung und traten dem Bunde gegen Napoleon bei. Bis zum Rheine hin war Deutschland von der Fremdherrschaft befreit. 24. Die zweimalige Heimsuchung Frankreichs. I. Der erste Feldm nach Frankreich. Nach der Schlacht bei Leipzig meinten viele, Napoleon sei nun genug gedemütigt, und man solle mit ihm Frieden machen. Dazu gehörten auch Kaiser Franz und sein Staatskanzler von Metternich, der zum Fürsten erhoben worden war. Metternich redete dem Kaiser ein, die Russen und Preußen würden zu mächtig, wenn man Napoleons Macht ganz vernichte. Aber Stein und Blücher hielten zusammen und drängten auf Weiterführung

9. Teil 3 - S. 114

1912 - Leipzig : Dürr
— 114 — durchzuführen. So begaben sich denn die deutschen Fürsten mit ihren Staatsmännern nach Wien, auch Zar Alexander erschien. Kaiser Franz machte den Wirt und ließ sich die Bewirtung des Kongresses viele Millionen kosten. Wer nach Wien kam, wollte etwas haben. Bei weitem die schwierigste Stellung auf dem Kongresse hatte von vornherein Preußen. Obwohl ihm für die Befreiung Deutschlands in erster Linie der Dank gebührte, waren doch Österreich und die meisten übrigen Staaten in dem Bemühen einig, ihm so wenig wie möglich einzuräumen, auf seiner Seite stand nur Zar Alexander. Dieser wünschte, Polen wieder zum Königreich erhoben zu sehen und beanspruchte dessen Krone. Preußen sollte dazu einige seiner polnischen Landstriche abtreten und als Ersatz dafür das Königreich Sachsen erhalten. Dieser Plan stieß auf großen Widerstand, alle Großmächte erklärten sich dagegen. Es kam so weit, daß Österreich, England und Frankreich bereits einen Vertrag zu gegenseitiger Unterstützung gegen jeden Angriff schlossen, der ihnen wegen ihrer Vorschläge widerfahren könne. Schließlich kam eine Einigung zustande. Rußland erhielt jene polnischen Gebiete außer Posen, das wieder an Preußen fiel; dafür bekam dann Preußen drei Fünftel von Sachsen und Schwedisch-Vorpommern; außerdem wurden seine westlichen Besitzungen durch größere Gebiete zu den beiden Provinzen Rheinland und Westfalen ergänzt. Dagegen kamen Ostfriesland und Hildesheim an Hannover, Ansbach und Bayreuth blieben bei Bayern. — Diese Entschädigung entsprach nicht einmal dem Besitzstände Preußens vom Jahre 1795, viel weniger demjenigen von 1805. Das war der Dank vom Hause Österreich für die Begeisterung, mit welcher das ganze preußische Volk, seine Existenz daran wagend, hinausgezogen war in den Befreiungskampf. b) Österreich erhielt die früher abgetretenen Besitzungen mit Ausnahme Belgiens zurück. Bayern ward durch die Pfalz, Würzburg Und Aschaffenburg, Hessen durch Fulda vergrößert. Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Oldenburg und Weimar wurden zu Großherzogtümern erhoben, die drei Hansestädte und Frankfurt am Main als freie Reichsstädte anerkannt. — Rußland behielt Finnland und bekam den größten Teil des Herzogtums Warschau als Königreich Polen. Norwegen wurde mit Schweden vereinigt. Dänemark erhielt Lauenburg. Holland und Belgien wurden zu einem Königreich der Niederlande vereinigt. England behielt Malta uni) erhielt Helgoland. In Italien wurden größtenteils die von Napoleon vertriebenen Fürsten wieder eingesetzt. 2. Napoleons Rückkehr nach Paris. Die Kunde von den Zerwürfnissen, welche die Fürstenversammlung in Wien beherrschten, drang auch zu dem entthronten Franzosenkaiser nach Elba. Da er auch gehört hatte, daß die Franzosen und besonders das Heer mit König Ludwig unzufrieden waren, so glaubte Napoleon, es sei an der Zeit, in Frankreich wieder zu erscheinen. Am 1. März 1815 landete er in der Nähe von Cannes, und bald zeigte sich, daß seine Person im Heere noch die alte Zauberkraft aus-
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