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1. Teil 3 - S. 151

1895 - Leipzig : Wunderlich
— 151 — Schnell griff sie nach dem Eimer, um Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen, aber — sonderbar! — das Wasser strömte fort und fort aus dem Brunnen, so daß sie bald bis über die Knie im Wasser stand. Sie rief um Hilft, aber niemand hörte den Ruf. Das Wasser stieg immer höher, und immer höher kletterte die Alte in Todesangst, bis sie endlich ans der Spitze ihres Hauses stand. Da ging die Sonne unter und der Bann war gelöst. Aber nun entstand ein See, der immer größer und Zuletzt so groß ward, daß er das Land überschwemmte und von Rügen das Stück Land abtrennte, welches jetzt nach Frau Hidden heißt: Hiddensee. Nach Pfeil. 2. Der Lügenstein in Halberstadt. In Halberstadt aus dem Domplatze befindet sich ein großer runder Fels. Man nennt diesen Stein Lügenstein, und zwar auf Grund einer Sage. Hildegrim, der erste Bischos von Halberstadt, wollte in dieser Stadt einen Dom bauen lassen, und dazu berief er einen tüchtigen Baumeister, der einen Plan zu dem Bauwerke entwerfen mußte. Das ging freilich nicht so schnell, denn der Bischof hatte an dem Plane bald dies bald das auszusetzen. Endlich fand der Plan die Genehmigung des Auftrag- gebers. Nun ließ der Baumeister geschickte Gesellen kommen und ver- sprach diesen einen hohen Lohn, wenn sie es fertig brächten, den Bau in kurzer Zeit zu vollenden. Die Gesellen gingen ans Werk. Bevor der Grundstein gelegt wurde, hielt der Baumeister eine Rede, in welcher er sagte, daß das zu bauende Hans dazu ausersehen sei, dem Herrn zu dienen und den durstenden Seelen aus dem Born der ewigen Wahrheit Labung zu bieten. Als der Meister von den durstenden Seelen sprach, glaubte der fernstehende Teusel es handle sich um den Bau eines Wirtshauses, und da ein solches seinen vollen Beifall fand, weil er da manche Seele zu gewinnen hoffte, so nahm er sich vor, den Bau zu fördern; er legte deshalb selbst Hand ans Werk und trug das Baumaterial mit herbei. Kamen die Gesellen früh zum Bauplatz, waren sie nicht wenig verwundert, denn der Bau hatte während der Nacht ersichtlich zugenommen. So vergingen einige Wochen. Da merkte der Teufel endlich, daß er an der Errichtung eiues Gotteshauses mit gearbeitet habe, und er beschloß, den Bau samt den Arbeitern zu vernichten. Als eines Morgens der Baumeister der Arbeit seiner fleißigen Gesellen zuschaute, erschien hoch oben in der Luft der Teufel mit einem großen, mächtigen Felssteine und rief den Arbeitern zu: „Ich habe euren Bau gefördert, weil ich glaubte, daß ihr ein Wirtshaus schaffen wolltet; jetzt sehe ich, daß meine Arbeit vergebens gewesen ist, nun will ich mich rächen und euch unter den Trümmern eures Baues begraben!"

2. Teil 3 - S. 39

1895 - Leipzig : Wunderlich
— 39 — c. Schön sind die Ortschaften, die die Provinz auszuweisen hat. Besitzt sie doch eine große Zahl schön gelegener Dörfer, umgeben von Obsthainen und Rebenpflanzungen, eine Menge altertümlicher Städtchen, wo fast jede Mauer und jedes Haus mit Weinlaub umrankt ist. Hat sie doch Städte, die durch Bauwerke in der ganzen Welt berühmt sind, so Köln, wo sich der herrliche Dom erhebt, Aachen, wo im ehrwürdigen Münster Kaiser Karls Grab gezeigt wird, Trier, wo sich noch Trümmer der Bauwerke erheben, die vor zweitausend Jahren die Römer ausgeführt haben, als sie auch über unser Vaterland ihre Herrschaft ausdehnen wollten.*) d. Schön sind auch diesagen undlieder, die sich an Felsen und Schlösser, Städte und Ruinen der Provinz knüpfen. So steigt ja zwischen St. Goar und Oberwesel der sagengeschmückte Loreleifelsen empor. Auf der Höhe dieses Felsens erscheint — wie die Sage meldet — nachts wenn der Mond sein silbernes Licht ausgießt über den rauschenden Fluß, die schöne Stromnixe Lore. Ein meergrünes Gewand hüllt die zarten Glieder und ein durchsichtiger Schleier, von vier goldenen Spangen ge- halten, flattert im Winde. Ihr langes goldblondes Haar fällt fessellos von den Schultern und Sie kämmt es mit goldenem Kamme, und singt ein Lied dabei, Das hat eine wundersame, gewaltige Melodei. Schon mancher Schiffer, der im kleinen Kahne am Felsen vorbei- rudern wollte, aber über dem Gesänge der Nixe die drohenden Felsen- riffe vergaß, soll hier sein nasses Grab gesunden haben. Bei Bonn ragt weiter der Drachenfels in die Lüfte, wo einst Siegfried den Drachen erschlug und sich im Drachenblut badete, so daß seine Haut undurchdring- lich wurde wie Horn. Der Wanderer, der den Drachenfels besteigt, kostet noch heute „Drachenblut". So heißt nämlich der feurige, rote Wein, der aus den Trauben gewonnen wird, die am Abhänge des Felsen im Sonnenstrahle reifen. 3. Wie kommt es, dafz die Provinz so volkreich ist? Sie besitzt dichtbevölkerte Landschaften mit volkreichen Städten. Zu diesen Städten gehört das schon erwähnte Trier mit seinen alten Bauwerken und seinen an Reliquien reichem Dome (Heiligen Rock!) Das stark- befestigte Koblenz an der Moselmündung', das schön gelegene Bonn ^Siebengebirge) und das große Köln. Köln ist ungefähr so groß wie Breslau, also noch bedeutend größer als die Hauptstadt unseres engeren *) Die porta nigra, ein thorartiger Bau (37 m lang), war vielleicht ein römisches Siegesthor. — Römische Bäder — Reste eines Amphitheaters.

3. Teil 3 - S. 124

1895 - Leipzig : Wunderlich
— 124 — ist, besonders stark bevölkert sein? (Rheinprovinz, Schlesien, Westfalen, Hesfen-Naffau.) Welche werden nur eine dünne Bevölkerung aufzuweisen haben? (Hannover, Pommern, Posen, Schleswig-Holstein.) 3. Nenne und zeige die süddeutschen Staaten! 4. Nenne und zeige die Hauptstadt eines jeden Staates! 5. Welche Staaten haben Anteil an der süddeutschen Hochebene? Welche an dem schwäbisch-fränkischen Stufenland? Welche an der ober- rheinischen Tiefebene? 6. Welche Bedeutung hat Straßburg? Welche München? Welche Stuttgart? Welche der Paß von Zabern? 7. Welche geschichtlichen Erinnerungen knüpfen sich an Metz, Straß- bürg, Augsburg, Regensburg, Worms, Heidelberg, Konstanz? 8. In welchen Staaten liegen die Städte: München, Pforzheim, Offenbach, Worms, Augsburg, Mühlhausen, Tübingen, Nürnberg, Er- langen, Mannheim? 9. Welche Städte berührt man auf einer Fahrt von Dresden nach München? 19. Gustav Adolf nannte München einmal einen „goldenen Sattel auf dürrer Mähre". Wie meinte er das? 11. Nenne und zeige alle dir bekannten Kanäle! 12. Wo haben wir bis jetzt innerhalb der deutschen Grenzen Leute getroffen, die nicht die deutsche Sprache reden? (Wenden, Polen, Dänen, Franzosen!) 13. Erkläre: Rhein-Rhonekanal, Rhein-Marnekanal, Paß von Zabern, Fort, Reichsland, Statthalter, Kamin, Jalousien, Kulmbacher Bier, Er- langer Bier, Münchner Bier. Die Loiyentration des Unterrichts. 1. Lesen mtb Besprechen. a. Muttersprache Iv: Elsaß-Lothringen. b. Jüting u. Weber (Vaterland): Zwei Berge Schwabens — Das Straßburger Münster — Nürnberg. 2. Aufsatzbildung: • Der Hohenstaufen. Durch das Schwabenland zieht sich von Südwesten nach Nordosten eiu Gebirgswall. Er führt den Namen die „Schwäbische Alp". Tie Schwäbische Alp hat eine Reihe wichtiger Berge aufzuweisen. Einer der bedeutendsten ist der Hohenstaufen.

4. Teil 2 - S. 209

1897 - Leipzig : Wunderlich
— 209 — gcmz leer dabei auszugehen ober gar die Vollendung des Domes noch verhindern, ging er mit Herrn Gerhard die Wette ein, er wolle eher einen Bach von Trier nach Köln bis an den Dom leiten, als Herr- Gerhard seinen Ban vollendet habe; doch müsse ihm, wenn er gewönne, des Meisters Seele zugehören. Herr Gerhard war nicht säumig, aber der Teufel kauu teufelsschnell arbeiten. Eines Tages stieg der Meister auf den Turm, der schon so hoch war, als er noch hentzutag ist, und das erste, was er von oben gewahrte, waren Enten, die schnatternd von dem Bach, den der Teufel hergeleitet hatte, aufflogen. Da sprach der Meister im grimmen Zorn: Zwar hast du Teufel mich gewonnen, doch sollst du mich nicht lebendig haben! So sprach er und stürzte sich Hals über Kopf zum Turm hinunter; in Gestalt eines Hundes sprang der Teufel hiutennach, wie beides in Stein gehauen noch wirklich am Turme zu schauen ist. Auch soll, wenn man sich mit dem Ohre aus die Erde legt, noch hente der Bach zu hören sein, wie er unter dem Dome wegfließt. Grimm. 13. Die Erfindung der Solinger Klingen.*) Der Ort Solingen ist schon seit dem Mittelalter durch seine Waffenschmiede berühmt gewesen, allein gleichwohl standen die Arbeiten derselben noch bei weitem dem nach, was die Waffenfabriken voll Da- maskus leisteten. Nun zersann sich namentlich einer der geschicktesten Waffenschmiede, Rnthart, den Kops, wie es ihm gelingen möge, den Stahl seiner Klinge so zu Härten, daß diese denen der Sarazenen gleich würden. Er machte Versuche über Versuche, aber alles umsonst, und deshalb war der Meister auch stets mißgelaunt und unzufrieden. Es konnte also auch nicht fehlen, als sein bester Geselle, der aber freilich ein armer Bursche war, ihn um die Haud seiner einzigen Tochter an- sprach, er diesen Freiwerber kurzweg abwies und erklärte, es solle keiner feine Tochter zur Frau bekommen, der nicht imstande sei, eine Klinge zu schmieden wie die, welche er in einem seiner Schränke bewahrte. Zur Probe nahm er diese, eine echte Damaszenerklinge, heraus und hieb zum Beweise der außerordentlichen Härte des Stahls mit derselben einen Nagel von der Wand, ohne daß die Klinge den geringsten Schaden be- kam. Traurig vernahm der Jüngling diese strenge Bedingung; er be- schloß aber, alles daran zu setzen, um sie zu erfüllen, und darum nahm er von seiner Geliebten Abschied und machte sich auf, um in den Orient zu ziehen und dort die Kunst zu erlernen. So war er bereits mehrere Tage gewandert, da überraschte ihn der Abend in den düsteren Gründen des Spessarts. Er gab schon alle *) Zu Seite 179. •?'' Tischendorf, Deutschland. 1. Abt. 4. Aufl. 14 3' ' . >

5. Teil 2 - S. 178

1897 - Leipzig : Wunderlich
— 178 — 5. Der Rhein von Bonn bis zur Mündung. (Der niederdeutsche Rhein.) Anschauungsmittel: Bild vom Kölner Dom ^Lehmann), eine Flasche Kölner Wasser, einige Stücke Farbholz ^Blanhvlz und Rotholz), ein Stück Eisenerz, ein Stück Gußstahl. Ziel: Wir reisen heute von Bonn aus stromabwärts und gelangen so in eine Gegend, wo Handel, Kunst und Gewerbe blühen. Tritt an die Karte und zeige unseren Weg! Die erste Stadt, die wir auf unserer Reise berühren, ist Köln. Bestimme ihre Lage! (Linkes Rheinuser.) Köln ist eine berühmte Handelsstadt. Große Lastschiffe kommen stromaufwärts gefahren (Zeigen!), bringen Zucker und Baumwolle, Gewürze und Farbhölzer (Vorzeigen!) aus fernen Erdteilen und nehmen dafür etwas mit, was in Köln hergestellt und in der ganzen Welt bekannt ist: Kölnisches Wasser. Dieses wohlriechende, goldgelbe Wasser (eau de Cologne) wird in großen Fabriken in Menge hergestellt und in kleine Flaschen gefüllt, die man gut verschlossen in alle Welt sendet. — Köln hat auch (Ähnlich wie Straßburg!) eine berühmte Kirche. Sie führt den Namen Kölner Dom. Schon zur Zeit des Hohen- staufeu Friedrich Ii. (1248) ward der Grund zu dem gewaltigen Bau- werk gelegt, aber erst zur Zeit des großen Wilhelm I., im Jahre 188v, ist der Dom vollendet worden. Jahrhunderte lang hat er halbfertig dagestanden. Dies Blild zeigt uns das herrliche Gotteshaus. Beschreibe es! (Zwei mächtige Türme, ein dritter Turm als Dachreiter, Kreuz- blumeu, Säulen, Strebepfeiler, Spitzbogen, Türmchen u. f. w.) Im dritten Stockwerke des einen Tnrmes hängt die größte Glocke Deutschlands, die Kaiserglocke. Sie trägt die Inschrift: Die Kaiserglocke heiß ich, Des Kaisers Ehre preis ich. Auf heil'ger Warte steh ich, Dem deutscheu Reich erfleh ich: Daß Fried' und Ehr' Ihm Gott bescher'! Die Kaiserglocke wiegt über 500 Centner und wurde 1874 aus dem Metall französischer Geschütze gegossen, die unsere tapferen Krieger 1870171 erobert hatten. Jahrs darauf besuchte Kaiser Wilhem Köln und besichtigte, begleitet von seiner Tochter, der Großherzogin von Baden, auch die Kaiserglocke. Im Gespräch mit dem Glockengießer, Meister Hamm, bemerkte die Großherzogin: „Die Kaiserglocke hat Ihnen bis zur Vollendung wohl viele Sorgen gemacht?" „Gewiß, Königliche Hoheit,"

6. Teil 2 - S. 152

1897 - Leipzig : Wunderlich
— 152 — das furchtbare Getümmel vernahm man überall das Sieges- gehen! der Bauern, die wie eine Herde Wölfe über die Ver- teidiger herfielen. Die Bauern kannten keine Schonung. Leichen erschlagener Männer und Frauen lagen in Hänfen übereinander. In alle Gebäude wurde die Brandfackel geworfen, und bald stand die ehrwürdige Burg, die Jahrhunderte den Berg ge- krönt, in hellen Flammen. Endlich ruhte der Kampf; das Siegesgeschrei verstummte. Durch die Stille der Nacht ver- nahm man nur noch das Ächzen und Stöhnen der Verwunde- ten, und gar unheimlich erklang das Prasseln und Knistern der hervorbrechenden Flammen, die magisch die Trümmer der Burg erleuchteten. Jetzt steht der Staufen wieder so da, wie zu der Zeit, bevor der erste Hohenstaufe seine Burg auf dem Gipfel des Berges erbaute. Wehklagend, der alten Zeiten gedenkend, singt darum der Dichter: „Es steht in stiller Dämmerung Der alte Fels, öd und beraubt; Nachtvogel kreist in trägem Schwung Wehklagend um sein moosig Haupt." e. Wie aber kommt es, daß die Hohenzollernburg noch heute iu Glauz und Pracht steht? Auch sie war einst fast völlig verfallen. Im Jahre 1849 aber entschloß sich König Wilhelm Iv. von Preußen zum Aufbau der Stammburg seiues Geschlechtes, und bereits im Jahre 1856 wurde der prächtige Neubau im Beisein der gesamten Königsfamilie ein- geweiht. Weithin über Berg und Thal verkündete der Donner der Geschütze die Wiederaufrichtung der Stammburg der Hohen- zollern. (Nach Lenschke.) Ii. Wie steht es aber um die Bewässerung der Hoch- ebene? Ist sie auch so schlecht bewässert wie das Juragebirge? (O nein! Durch die Hochebene fließt der große Strom, den wir aus der Geschichte Ottos kennen, die Donau. An ihren Ufern zogen einst die wilden Ungarn stromaufwärts, um Deutschland zu verwüsten.) Bestimme den Lauf der Donau! (Sie entspringt am Abhänge des Schwarzwaldes, also eines Gebirges, welches wir bis jetzt noch nicht genannt haben. Sie fließt sodann zunächst in nordöstlicher Richtung. Bei Regensburg ändert sie die Richtung ihres Laufes. Sie fließt von da ab nach Südost. Bei Passau verläßt sie das deutsche Vaterland.) Sie verläßt es als breiter, gewaltiger Strom. Woher hat sie die Wassermassen, die sie mit sich führt? (Sie verdankt sie den vielen Nebenflüssen, die sie — wie die

7. Bilder aus der Sage und Geschichte Roms - S. 56

1908 -
Donau- und die Rheinlinie, stark befestigt. Zahlreiche Festungen waren erbaut worden, in welchen die stärksten und tüchtigsten Legionen als Besatzung lagen. Wien, Linz, Salzburg, Passau, Regensburg, Augsburg an der Donaulinie und Basel, Straßburg, Mainz. Koblenz, Köln, Xanten an der Rheinlinie sind aus solchen Römersestuugen erwachsen. Ein gewaltiges Netz von Heerstraßen verband diese Festungen untereinander und über diealpenpässe hinweg mit Italien. Es erschien nun naheliegend, den westlichen Teil Germaniens, der auf zwei Seiten an römisches Gebiet stieß, dem Reiche einzuverleiben. Mit dieser Aufgabe betraute Augustus seinen jüngeren Stiefsohn Drusus. Dieser trug 12—9 v. Ehr.] auf drei Zügen (12—9 v. Chr.) die römischen Waffen bis tief nach Germanien; auf dem dritten, ans welchem er von Mainz aus den Hereynischen Wald durchbrach, foll er bis an die Ufer der Elbe gekommen sein. Und wenn er auch auf diesem Zuge durch einen Unfall das Leben verlor, so glaubte man doch den Widerstand der Germanen gebrochen zu haben, und seine Nachfolger im Oberbefehl, besonders sein Bruder Tiberius, vollendeten das von ihm begonnene Werk. Nur in Böhmen behauptete das früher suebische, seit kurzem seßhafte Volk der Markomannen seine Unabhängigkeit. Sie hatten den tatkräftigen Marbod. der lange Jahre in Rom gelebt und die Gunst des Augustus genossen hatte, zu ihrem Könige gewählt, und es war ihm gelungen, seine Herrschaft über viele Germaueuvölker auszudehnen. Dies Reich mußten die Römer zerstören, wenn sie Germanien in Abhängigkeit halten wollten. So wurde denn unter Leitung des Tiberius eiu großer Feldzug begonnen 6 n.chr.] (6 n. Chr.), aber er mißglückte, da im Rücken des Tiberius die Völker der Ostalpen sich erhoben, und die Römer mußten froh fein, die bisherigen Verhältnisse aufrecht zu erhalten. Dieser große Erfolg des Marbod entstammte das Freiheitsgefühl auch derjenigen germanischen Völker, die unter Roms Botmäßigkeit geraten waren. Ans dem Volke der Cherusker, welches au der mittleren Weser wohnte, erstand Armut ins*), der Befreier Germaniens von der römischen Herrschaft. Dieser junge Edeling hatte jahrelang im römischen Heere gedient, war dabei zu hohen Würden und Ehren gelangt und galt als zuverlässiger Freund der Römer. Gern hatte ihn Kaiser Augustus in die geliebte Heimat entlassen, da er meinte, an ihm werde die römische Herrschaft eine feste Stütze haben. Aber der freiheitliebende Mann ward der Mittelpunkt einer Verschwörung, die es sich zur Ausgabe machte, den unerträglichen Druck der Fremdherrschaft zu beseitigen. Freilich kannte er die kriegerische Macht Roms zu gut, um nicht zu wissen, daß jeder unbesonnene Versuch einer Erhebung aussichtslos war. Aber den Römern gegenüber, die bei der Unterjochung fremder Völker vor Wortbruch und Hinterlist sich nie gescheut hatten, hielt er Verrat und List für erlaubte Waffen. *) Vgl. Döbelner Lesebuch Ii, S. 74.

8. Außereuropäische Erdteile - S. 165

1914 - Leipzig : Wunderlich
— 165 — Nord- und Mittelasiens (Tataren!) schützend) Sie ist über 2000 km lang (= Paris-Moskau!), und 16 m hoch und führt, oft doppelt und dreifach gezogen und von 100 zu 100 Schritt mit Türmen und Bastionen versehen, über Bergketten, durch Talgründe und Flüsfe. In ihr stecken mehr Ziegelsteine, als alle Häuser Deutschlands zusammen enthalten, und mit ihrem Material ließe sich eine niedrige Mauer zweimal um den Erdball ziehen. Unser großer Dichter Schiller beschreibt die Chinesische Mauer in einem schönen Rätsel also: Ein Gebäude steht da von uralten Zeiten, es ist kein Tempel, es ist kein Haust- ein Reiter kann 100 Tage reiten, er umwandert es nicht, er reitet's nicht ans. Jahrhunderte sind vorübergeslogeu, es trotzte der Zeit und der Stürme Heer,- frei steht es unter dem himmlischen Bogen, es reicht in die Wolken, es netzt sich im Meer. Nicht eitle Prahlsucht hat es getürmet, es dient zum Heil, es rettet und schirmet,- seinesgleichen ist nicht auf Erden bekannt, und doch ist's ein Werk von Menschenhand. Neuerdings hat auch die chinesische Regierung erkannt, daß die Große Mauer gegenwärtig keine Bedeutung mehr hat. Sie will da- her nicht nur uichts mehr zur Erhaltung der Maner tun, sondern auch ihrer Abtragung nicht entgegentreten. Viele Mauerstrecken, besonders im Westen des Reiches, sind daher bereits zu Trümmerwällen zusammen- gesunken, über die sich nur uoch die Wachttürme erheben. Am besten er- halten ist die Mauer noch an der Stelle, welche unser Bild Wünsche, Dorf und chinesische Mauer am Nankoupasse) zeigt. Ein Reisender^) schildert uns den Eindruck, den die Mauer an dieser Stelle macht, so: „Als ich von der vom Steppenwinde umheulten Turmruine Umschau hielt, hinunterblickte in die weite Ebene und rechts und links in nebel- grauen Fernen sich verlierend, auf Bergeshohen wie in Felsenschluchten, soweit das Auge reichte, dieselbe Mauer sah, die gleichen Türme: da wußte ich, daß ich vor einem Wunder ohnegleichen stand. Was sind alle Leistungen des Altertums und unseres Jahrhunderts im Vergleiche zu diesem Riesenwerke! Man kann die Mauer nach Osten und nach Westen hin viele, viele Meilen weit mit den Blicken verfolgen, wie sie sich in fast Für den Lehrer: Eine ähnliche Aufgabe hatten der römische Grenzwall (Limes), der sich von Bonn bis Regensburg erstreckte, und der Piktenwall, den Kaiser Hadrian (120 n. Chr.) errichten ließ, um die Provinz Britannia gegen die Einfälle der Pikten zu schützen. Er begann bei dem jetzigen New-Castle und ging quer durch das Land bis zur Westküste. 2) Otto Ehlers: Im Osten Asiens.

9. Das Deutsche Reich - S. 160

1912 - Leipzig : Wunderlich
— 160 — Münster wurde bereits im Jahre 1377 gelegt, und 15v Jahre lang schaffte man rüstig und freudig am großen Werke. Dann waren die Baumittel erschöpft und der Baueifer abgekühlt. 300 Jahre stand der Bau unvollendet, anzusehen wie ein düsterer Riesensarg. Erst in der Mitte des vorigen Jahrhunderts, als Köln sich rüstete, seinen Dom der Vollendung entgegenzuführen, erwachte die Begeisterung wieder. Im Jahre 1844 wurde der Bau aufs neue begounen. Aus ganz Deutschland flössen Beiträge zu deu Kosten nach Ulm, und schon am 31. Mai 1890 konnte bei Glockenklang und Choralgesang der Schlußstein eingefügt werden. 161 m hoch erhebt sich der wundervolle Turm des Gotteshauses iu die Lüfte; er überragt also den Turm des Straßburger Münsters um 18, die beiden Türme des Kölner Domes um 5 Meter. (Bild!) Auf 389 Stufen steigt man zur Vierecksplattform empor, auf der einst schon Kaiser Maximilian gestanden hat. Von ihr aus führen weitere 167 Stufen zur Achteckplattform. (Btld!) Tann geht es auf einer 186 Stufen zählenden Wendeltreppe im „Helm" des Turmes empor bis znr Platt- form des Helmkrauzes. (Bild!) Welch herrlicher Blick bietet sich uns hier dar! Tief nnter uns zeigen sich die gewundenen Straßen der Stadt mit ihren alten Häusern, ihren Höfen und Gärten; vor uns breiten sich das Jller- und Donautal, die Höhen des Jura und die bayrische Ebene ans mit ihren Schlössern, Dörfern und Gehöften, und endlich grüßen uns im fernen Süden die Alpen von der Zugspitze bis zum Säntis. Das Schwabenland, das von Gott so reich gesegnet ist, wird von seinen Bewohnern herzlich geliebt. In vielen Volksliedern tritt das zutage. In einem Liede heißt es: Im Schwobaläudle ischts gnet sei', Do singt, was singe ka', Und älles schtimmt ins Liad mit ei, Wenn oiner no' hebt a'. Hellauf, Schwobaland! Zur sachlichen Besprechung. a. Weist nach, daß auch für Württemberg das Gesetz gilt: Viele Erwerbszweige knüpfen sich an den Boden. (Der frncht- bare Boden ermöglicht Ackerbau, die geschützten Täler gestatten Wein- und Obstbau, die gutbewässerten, grasreichen Flächen regen an zu Viehzucht usw.) b. Woher mag es kommen, daß das Neckartal fruchtbarer ist als das Donautal? (Das Neckartal ist viel wärmer als das obere Donautal, da es gegen 200 w tiefer liegt.) o. Knüpfen sich nicht auch geschichtliche Erinnerungen an Württemberg, ans alte Schwabenland? Aus württem-

10. Das Deutsche Reich - S. 235

1912 - Leipzig : Wunderlich
— 235 — Und wenn der in der Fremde sein, wn keener schläsiug'sch spricht, und wäben russische Fäden ein, sol jeder a Gedanke sein, Nach Schläsing hihngericht't. Und wenn uns Got se'n Segen schenkt, derwäben wer das Geld; das nehmen sich die Kinder ahn und zieh'n, su fix wie jedes kau, fnrt aus der fremden Welt. Und kummeu se hieher rätur und sähn de Kuppe stieh'u, do, wenn se, daß se Halbich sein, kümmt's Härze ei de Ogen nein und tutt i'n'n übergieh'n. Karl v. Holtei. 3. Der Lttgenstein in Halberstadt. In Halberstadt auf dem Domplatze befindet sich ein großer, runder Fels. Man nennt diesen Stein Leggen, d. h. Lügenstein, und zwar auf Grund einer Sage. Hildegrim, der erste Bischof von Halberstadt, wollte in dieser Stadt einen Dom bauen lassen, und dazu berief er einen tüchtigen Baumeister, der einen Plan zu dem Bauwerk entwerfen mußte. Das ging freilich nicht so schnell, denn der Bischof hatte an dem Plane bald dies, bald das auszusetzen. Endlich fand der Plan die Genehmigung des Auftrag- gebers. Nun ließ der Baumeister geschickte Gesellen kommen und versprach diesen einen hohen Lohn, wenn sie es fertig brächten, den Bau in kurzer Zeit zu vollenden. Die Gesellen gingen ans Werk. Bevor der Grundstein gelegt wurde, hielt der Baumeister eine Rede, in welcher er sagte, daß das zu bauende Haus dazu ausersehen sei, dem Herrn zu dienen und den durstenden Seelen ans dem Borne der ewigen Wahrheit Labung zu bieten. Als der Meister von den durstenden Seelen sprach, glaubte der fern- stehende Teufel, es handle sich um den Bau eines Wirtshauses, und da ein solches seinen vollen Beifall fand, weil er da manche Seele zu ge- Winnen hoffte, so nahm er sich vor, den Bau zu fördern; er legte des- halb selbst Hand ans Werk und trug das Baumaterial mit herbei. Kamen die Gesellen früh zum Bauplatze, waren sie nicht wenig ver- wundert, denn der Bau hatte ersichtlich zugenommen. So vergingen einige Wochen. Da merkte der Teufel endlich, daß er an der Errichtung eines Gotteshauses mit gearbeitet habe, und er
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